Eintracht Frankfurt um Mario Götze und der FC Bayern um Sadio Mané eröffnen die Saison. Foto: von Gottschalck

Die Saison beginnt, aber den 17 Mannschaften hinter dem Seriensieger fehlt es an "Mia-san-mia"-Gefühl, meint unser Kommentator Peter Flaig.

Alle Jahre wieder / kommt die Depression / auf die Erde nieder, / wenn die Bundesligasaison beginnt. So könnte man ein traditionelles Weihnachtslied umdichten, denn tatsächlich war der Pessimismus bei den 17 Vereinen zwar schon (gefühlt) immer vorhanden, aber noch nie so ausgeprägt wie vor der 60. Spielzeit der deutschen Eliteliga. 17 Vereine? Klar: Gemeint sind alle, die sich wieder einmal vornehmen sollen, den Dauermeister ein Mal – ein einziges Mal! – vom Thron zu stoßen.

Bayern rüstet auf

Doch realistisch ist diese Perspektive wieder mal nicht. Während die Bayern vorne (Sadio Mané) und hinten (Matthijs de Ligt) mit Weltstars aufgerüstet und so viel Geld in die Hand genommen haben, wie man es ihnen nie zugetraut hat, hat Dauerverfolger Borussia Dortmund schon im Vorfeld das Pech gepachtet. Der für den nicht zu haltenden Torgaranten Erling Haaland verpflichtete Sébastien Haller fällt mit einem Hodentumor monatelang aus, der von den Bayern losgeeiste Anker für die Verteidigung, Niklas Süle, muss gleich mal wegen Muskelproblemen passen.

Keiner glaubt an sich selbst

Kein Wunder also, dass alle wieder laut "FC Bayern" rufen, wenn die Frage nach dem kommenden Meister gestellt wird. Das ist aber sicher nicht die Art und Weise, wie die Dauerherrschaft der Münchner gebrochen werden könnte. Das geht nur mit breiter Brust. Um dem "Mia san mia" der Bayern mentalitätsmäßig etwas entgegenzusetzen, haben die ambitionierten Vereine ja durchaus reagiert und ihre Trainerbänke mit Edin Terzic (BVB) oder Daniel Farke (Mönchengladbach) besetzt – Übungsleiter, die in der Lage sind, ihren Spielern auch mal in den Hintern zu treten und an Lethargie erinnernde Auftritte schon im Vorfeld zu verhindern. Steffen Baumgart hat mit dem 1. FC Köln vorgemacht, wo das hinführen kann.

Macht es Eintracht Frankfurt vor?

Feuer und Leidenschaft sind eine gute Grundlage – aber am Glauben an sich selbst muss noch gearbeitet werden. Die im letzten Jahr so erfolgreiche Eintracht aus Frankfurt, die gewiss nicht schlechter geworden ist und als Champions-League-Starter zu Europas Crème de la Crème gehört, kann am Freitag gleich mal zeigen, wie den Bayern beizukommen ist. Wer an deren Übermacht glaubt, hat schon verloren, ehe es losgeht.

SC Freiburg gewappnet

Euphorie hat die letzte Saison beim SC Freiburg ausgelöst. Fast hätte es sogar zur Champions League gereicht. Auch hinter diesem Erfolg steckt ein Trainer, der sein Team homogen zusammensetzt und die Fähigkeiten der einzelnen Spieler optimal herausarbeitet. Die Mannschaft wurde sinnvoll verstärkt, die Hauptlast der gestiegenen Erwartungen dürfte auf Rückkehrer Matthias Ginter liegen. Die Chance, die europäische Zusatzbelastung besser zu verkraften als bei den ersten Europapokal-Abenteuern, ist durchaus vorhanden.

Wundertüte VfB Stuttgart

Und der VfB Stuttgart ist wieder einmal eine Wundertüte. Noch ist nicht sicher, ob Borna Sosa und Sasa Kalajdzic bleiben. Sollten beide wechseln, sähe es offensiv düster aus. Ohnehin geht es für die Schwaben wohl nur um den Klassenerhalt, und angesichts der Aufsteiger Schalke 04 und Werder Bremen – auch wenn bei Letztgenanntem nur der Name groß scheint – dürfte es unten sehr eng zugehen. Und oben? In Abwandlung eines Spruchs von Gary Lineker: 18 Mannschaften jagen den Punkten nach, und am Ende gewinnen immer die Bayern.