Krisenerprobt: Manager Horst Heldt (links) und Trainer Markus Gisdol Foto: imago//Titgemeyer

Nein, nicht nur der VfB Stuttgart kann Chaos – auch der 1. FC Köln hat vor dem Bundesligaduell an diesem Samstag turbulente Wochen hinter sich. Wenn auch auf anderen Ebenen.

Köln/Stuttgart - Markus Gisdol kennt als Trainer des 1. FC Köln große Herausforderungen, da konnte ihn die jüngste nicht mehr schocken. Gisdol kocht gerne in seinem Domizil im Gerling-Quartier in der Innenstadt, und weil ihm seine Schnitzel offenbar gut gelingen, kommt sein Manager und Nachbar Horst Heldt neuerdings öfters vorbei.

 

„Ich habe einen großen Fehler gemacht, seitdem ich in Köln bin“, sagt der Trainer: „Es gibt mehrere, aber der größte ist, dass ich jemals Horst Heldt Schnitzel gemacht habe. Seitdem werde ich alle zwei, drei Wochen dazu verdonnert, wieder Schnitzel zu machen.“

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Dazu gibt es meist Kartoffelsalat und in der Küche ein paar Karnevalslieder auf die Ohren (was in der Domstadt noch selten schlecht ankam) – man darf aber bei aller Heiterkeit davon ausgehen, dass Gisdol und sein neuer Stammkunde Heldt beim Essen auch mal über den Ernst der Lage bei ihrem Effzeh reden.

Was geht ab?

Dafür gibt es vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart an diesem Samstag (15.30 Uhr) einige Gründe. Und gut möglich ist es, dass Gisdol und Heldt immer mal wieder den Kopf schütteln, wenn sie darüber sprechen, was bei ihrem Club so alles abgeht.

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Die fast traditionelle sportliche Achterbahnfahrt in dieser Saison ist da das geringste Übel, sie ist für Gisdol nicht überraschend. „Wenn man das Saisonziel Klassenerhalt ausgibt, ist damit schon verkündet, dass man wahrscheinlich weniger gewinnt als verliert“, sagt er dazu trocken.

So weit, so normal also – typisch Kölsch wird die Sache, wenn das Gisdol-Team mal überrascht und, wie in dieser Saison geschehen, bei Borussia Dortmund gewinnt oder kürzlich auch das Derby bei Borussia Mönchengladbach. „Dann gewinnt man natürlich auch in Frankfurt und gegen den VfB, und bei Bayern München holen wir mindestens einen Punkt, aber das ist nicht unser Weg“, sagt Gisdol zur Anspruchshaltung im Umfeld: „Wir müssen der Realität ins Auge schauen.“

Die typische Bescheidenheit

Die sieht in dieser Runde einen Kölner Kader vor, der bis auf Jonas Hector und Timo Horn kaum Identifikationsfiguren für die Fanseele bietet. An der Qualität hapert es auch auf vielen Positionen. Weshalb der leidgeplagte Anhang zwar nach Coups wie jenen in Dortmund oder Gladbach in der typischen Kölner Bescheidenheit schnell von der Meisterschaft im nächsten Jahr träumt, dann aber in die neueste Haltung zurück verfällt, die da heißt: Diese Truppe ist mir doch egal, weil ich eh kaum noch einen kenn‘.

So weit hat das der Effzeh in dieser Saison gebracht – diese so untypische Gleichgültigkeit des eigenen Anhangs aber, die gibt es längst nicht auf allen Ebenen.

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So erhitzten kürzlich zwei Possen die Gemüter. Erst gab es das Schauspiel um den neuen Mediendirektor, der zwei Tage nach seiner Benennung seinen neuen Job los war, der am 1. Mai hätte beginnen sollen. Die Bestellung des ehemaligen „Bild“-Redakteurs Fritz Esser durch das Präsidium hatte in der Fan-Gemeinde einen Proteststurm ausgelöst, nachdem einige seiner früheren Kommentare bekannt geworden waren.

Die Ehrenrettung

Unter anderem hatte sich Esser beifällig zu der mit einem NS-Vergleich versehenen Aussage eines AfD-Politikers geäußert und eine Gruppe von FC-Fans „Schwachmaten“ genannt. Dem abgelehnten Anwärter blieb am Ende nur die Ehrenrettung: Er lehne extreme und extremistische Parteien jeder Art ab.

Die lange Chaosgeschichte des FC aber war da längst um ein Kapitel reicher, und wenig später schrieb der Profi Dominick Drexler an der nächsten Episode. Er bezeichnete im Mannschaftsbus die Ultras, die das Team draußen mit einer Pyro-Show in Richtung des Derbys in Mönchengladbach verabschiedeten, als „Spacken“. Und merkte dann nach Veröffentlichung des Videos, dass er der Depp in der Sache ist.

Gisdols Liebe

Die „Kölnische Rundschau“ konstatierte wenig später in ihrem Kommentar zu den Chaostagen des FC dies: „Die Zielsicherheit, mit der die Geißböcke zuletzt in jedes Fettnäpfchen am Wegesrand getreten sind, würde sie auf dem Fußballfeld wohl geradewegs in die Champions League führen.“

Und Markus Gisdol? Der hatte dem wenig hinzuzufügen. Und sagte kürzlich nur noch das dazu: „Dieser Club ist verrückt – aber ich liebe diesen Club.“