Katharina Baudis stellt das Wildbienenhotel vor dem Haus des BUND in Schwenningen vor. Foto: Silvia Bächle

Die Wildbienenbestände schrumpfen in beängstigender Geschwindigkeit. Nicht nur Insektenhotels seien hilfreich, weiß Katharina Baudis vom BUND Villingen-Schwenningen – und gibt weitere Tipps, wie jeder mit kleinen Dingen den Wildbienen beim Überleben helfen kann.

Das Insektensterben hat mittlerweile dramatische Ausmaße angenommen und auch die Hälfte der Wildbienenarten stehen in Deutschland auf der „Roten Liste“. „31 Arten sind akut vom Aussterben bedroht“, informiert Katharina Baudis, die Regionalgeschäftsführerin für den Natur und Umweltschutzbund BUND.

 

Während viele nur die Honigbiene im Blick haben, die als großer Schwarm im Bienenstock lebt und Honig produziert, werden die Wildbienen oft einfach vergessen.

560 verschiedene Wildbienen

In Deutschland leben über 560 verschiedene Wildbienenarten. Dazu gehören Hummeln, Mauerbienen, Sandbienen und viele andere Arten. „Wildbienen sind all die Bienenarten, die wir nicht für die Honigproduktion nutzen“, erklärt Katharina Baudis.

Während man den Honigbienen gerne Bienenhotels anbietet, seien diese für die Wildbienen nur bedingt förderlich, da ein Großteil der Arten im Boden nisten würde. Darunter seien auch viele der bekannten Arten, wie die (Erd)-Hummel, aber auch die Zottel-, Pelz-, Sand-, oder Seidenbiene. Größtenteils seien es Solitärbienen, die keine Staaten bilden, sondern sich allein um den Nachwuchs kümmern.

Unbehandeltes Holz ist wichtig für die Behausung

Bei Bau einer Wildbienenbehausung gebe es einiges zu beachten, wie die Natur-Expertin erklärt. Erforderlich sei unbehandeltes Holz, also keine Imprägnierung, Farbe oder Lasuren dürfen vorhanden sein. Keineswegs sollten Plastikröhrchen verwendet werden, da hier die Brut verschimmeln könne. Besser seien Bambusröhren oder Schilf, auch Pappröhrchen, Ton und Lehmziegel seien geeignet.

Das Insektenhotel sollte trocken und sicher stehen oder hängen und sich an einem sonnigen Platz befinden, der gut anzufliegen ist. Wichtig seien für die Insekten möglichst wenig Störungen, vor allem durch Spechte und Mäuse. Beim Durchmesser der Wohnröhren haben unterschiedliche Arten unterschiedliche Ansprüche – optimal seien hier verschiedene Größen und Durchmesser, denn wenn man nur einen anbiete, habe man meist auch nur eine Art im Wildbienenhotel.

Es gebe, so erklärt Baudis, auch bereits die sogenannten „Bienenhotels“ zu kaufen, doch da sollte man genauer hinsehen, wie die Expertin warnt. „Keineswegs sollte man den Standort wechseln, wenn die Nisthöhlen besetzt sind“, informiert Baudis.

Wildbienen können nur etwa 300 Meter von ihrem Bau wegfliegen, deshalb sind Blumen und Blüten – wie hier die Krokusse – in der unmittelbaren Nähe des Wildbienenhotels sehr wichtig. Foto: Silvia Bächle

Einige Fachleute sind der Meinung, dass es in diesen Behausungen „Hausregeln“ gibt, doch davon sei der Regionalgeschäftsführerin nichts bekannt: „Darüber weiß ich nichts. Die Wildbienen suchen sich eine Röhre aus, die gut zu ihrem Körperumfang passt, und fängt an, diese mit Eiern zu befüllen“, so Baudis.

Industrielle Landwirtschaft bedroht Wildbienen

Ein Wildbienenhotel ist sicherlich nicht schlecht, doch bei weitem nicht das einzige, das jeder in Angriff nehmen könne, um den wichtigen Wildbienen beim Überleben zu helfen. Weit über die Hälfte der Wildbienenarten seien durch die industrielle Landwirtschaft mit Monokulturen und Pestiziden bedroht. Deshalb sei das Nahrungsangebot ein wichtiger Faktor des Überlebens. Das fange bei Blühflächen mit heimischen Blumen auf dem eigenen Balkon oder Garten an, gehe über den Kauf von Lebensmitteln aus Biolandwirtschaft bis hin zur Reduzierung des Flächenverbrauchs, um natürliche Lebensräume zu erhalten.

Gut erkennbar sind die Röhrchen, aus den offenen sind die jungen Bienen schon geschlüpft, in den geschlossenen Röhren hat dieser Prozess noch nicht stattgefunden. Foto: Silvia Bächle

Auch als Garten- oder Balkonbesitzer könne jeder etwas tun, motiviert die Bienen-Expertin: „Über das ganze Jahr sollten Nahrungspflanzen für Wildbienen bereitstellen. Am besten von Frühjahr mit Krokussen, Hyazinthen und Schneeglöckchen bis Herbst mit dem Sonnenhut, Lavendel oder der Besenheide. Wichtig ist auch, keine Pflanzenschutzmittel nutzen. Auch Blühhecken sollte es statt Tuja geben. Obst- und Beerengehölze sind Win-Win für Mensch und Wildbiene“, informiert Katharina Baudis.

80 Prozent der Wildpflanzen von Wildbiene abhängig

Die Wildbienen sind die Bestäuber unserer Kulturpflanzen. In Europa seien rund 150 verschiedene Nutzpflanzen und etwa 80 Prozent der Wildpflanzen von der Bestäubung durch Insekten abhängig. Der monetäre Wert der Bestäubungsleistung liegt bei etwa 14,2 Milliarden Euro pro Jahr. „Wildbienen leisten einen beträchtlichen Teil dieser Arbeit. Ohne sie wären unsere Teller sehr viel leerer“, unterstreicht die Expertin.

Zur Person

Die 37-Jährige Katharina Baudis
ist seit 2017 Regionalgeschäftsführerin für den Natur und Umweltschutzverband BUND. Ihr Aufgabengebiet ist es, Natur-, Umwelt- und Klimaschutz in der Region zu fördern und die Ehrenamtlichen zu unterstützen. Ihr persönliches Ziel ist es, den Kindern und Enkeln die Vielfalt der Natur und Umwelt zu bewahren.