Es ist wieder die Zeit der Krötenwanderung. In Kandern wurde dieser Tage eine erschreckende Entdeckung gemacht.
Christine Steck vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Kandertal ist öfter im Bereich des Flühweihers und in den angrenzenden Feuchtwiesen unterwegs, weil sie sich zusammen mit Naturschützer Horst Spreen dort für den Amphibienschutz engagiert. Da gerade die Krötenwanderung in vollem Gange ist, warf sie kürzlich einen Blick in verschiedene Schächte – und entdeckte in einem nahe der Tennisplätze hunderte der Amphibien, die bei der Wanderung zu ihren Laichgewässern in den Betonschacht gefallen waren und nicht mehr herauskamen.
Steck verständigte sofort Spreen, der dann den Tag damit verbrachte, die Kröten aus ihrem Gefängnis herauszufischen und beim Flühweiher wieder auszusetzen. Behelfsmäßig legten Steck und Spreen ein Brett in den Schacht, so dass weitere Kröten, die in die Betonröhre geraten könnten, dann eine Ausstiegsmöglichkeit vorfinden würden.
Für Steck stellte sich nach der Rettungsaktion die Frage, wie viele Kröten und Frösche in Kandern in Schächten oder Gullys verenden, weil sie keinen Ausstieg vorfinden. „Fast alle Amphibienarten sind bedroht, weil ihre Lebensräume verschwinden. Wir sind so froh, dass es bei uns in Kandern bei Riedlingen, den Golfplätzen und im Bereich des Flühweihers wieder mehr Amphibien, sprich Kröten gibt. Deshalb sollten alle an der Natur Interessierten mithelfen, darauf zu achten, ob Kröten eventuell in Schächten oder Gullys festsitzen“, wünscht sich Steck. Die Tiere seien sehr nützlich. Denn Kröten ernähren sich zum Beispiel von Ameisen, Spinnen, Fliegen, Ohrwürmern, Erdraupen und Nacktschnecken.
Hilfe beim Ausstieg
In Schliengen-Liel gab es vor einigen Jahren ein ähnliches Problem mit Erdkröten, die in Straßengullys gefallen waren. Dort brachten Mitglieder der BUND-Ortsgruppe Bad Bellingen-Schliengen in Rücksprache mit Schliengens Bürgermeister Christian Renkert und dem Bauhof für die Zeit der Krötenwanderung Ausstiegshilfen in Gullys an. Eine Anliegerstraße ist seit 2023 in der Zeit der Krötenwanderung nur eingeschränkt befahrbar.
Steck wandte sich an die Kanderner Stadtverwaltung und hier an Bürgermeisterin Simone Penner und schlug vor, ein Lochblech auf der gesamten Länge des betreffenden Schachts anzubringen, mit dessen Hilfe die Amphibien allein wieder aus der Betonröhre herausfinden würden.
Die Bürgermeisterin bedankte sich für den Hinweis und gab weiter, dass die Stadt die Naturschützer gerne durch das Aufstellen von Schildern mit dem Hinweis auf die Krötenwanderung unterstützen würde. Entsprechende Hinweisschilder mit Warnlichtern, die Autofahrer darauf aufmerksam machen, hier derzeit nachts langsam zu fahren und auf die Körten zu achten, sind nun auch an der Verbindungsstraße zwischen Feuerbach und Kandern aufgestellt.
Bauliche Maßnahmen könne man nicht vornehmen, informierte Penner, denn genau dieser Schacht sei für die Entwässerung bis hoch auf die Feuerbacher Höhe wichtig und werde mehrmals im Jahr vom Bauhof gereinigt. Ein Lochblech könne „den Ablauf durch Laub und andere, im Falle eines Starkregens angespülte Gegenstände verstopfen und so zur Überflutung der Tennisplätze und des Schwimmbads führen, die Haftung für den dadurch entstehenden Schaden können wir nicht übernehmen“, schrieb sie in einer Email an Christine Steck.
Überfahrene Kröten
Penner bat Steck, den Schacht während der Krötenwanderung zu kontrollieren und die Behelfsbretter bei Regen zu entfernen, um Schäden durch Stauwasser zu vermeiden. Christine Steck sicherte zu, dass Horst Spreen und sie weiter nach dem Schacht schauen werden. Die Naturschützer wünschen sich für die Zukunft aber andere Lösungen. „Vielleicht lassen sich solche in Zusammenarbeit mit der Stadt, dem Bauhof und dem Naturschutz finden“, hofft Steck. Sie verweist zudem darauf, dass auch Feldwege, die eigentlich für den Verkehr gesperrt sind, offenbar nachts befahren werden. „Denn dort haben Horst Spreen und ich viele überfahrene Kröten gefunden“, teilt Steck mit.
Beim BUND Bad Bellingen-Schliengen war im vergangenen Jahr Hubert Laufer aus Offenburg als Referent zu Gast, er ist der führende Amphibienexperte Baden-Württembergs. Laufer wirbt zusammen mit Matthias Busch für dessen „Krötenretter-App“ , die man über https://amphibienwanderung.azurewebsites.net abrufen kann. Ein Video, wie man diese anwendet, gibt es auf YouTube unter dem Stichwort „Krötenretter-App“.
Verschiedene Ansätze
Susi Otthofer ist die Expertin für Amphibien beim BUND Bad Bellingen-Schliengen. Sie teilt mit, dass es in Sachen Aufstiegshilfen unterschiedliche Ansätze gebe. In der Schweiz seien die Ausstiegsmatten unter dem Namen Terramat bekannt. Sie bestehen aus einem dreidimensionalen Geflecht aus Kunststoff. Weitere Hilfsmittel seien Drahtgeflechte, einfache kleinere aufgerauhte Bretter und kleinere Rampen. Am besten aber sichere man zumindest auf Privatgrund Schächte oder Gullys mit Gittern mit kleinen Maschenweiten, rät Otthofer.