Auspacken, Stecker rein, bares Geld sparen: So einfach funktionieren Stecker-Solaranlagen für den Balkon. Und sie machen sich schnell bezahlt, sagt Katharina Baudis vom BUND bei einem Vortrag in Rottweil.
Es sind noch zehn Minuten hin bis zum Beginn ihrer Ausführungen, da begrüßt Katharina Baudis, Geschäftsführerin des BUND-Regionalverbands Schwarzwald-Baar-Heuberg die Neuankömmlinge schon mit den Worten: „Bringen Sie sich von draußen einen Stuhl mit!“
Das Interesse ist offensichtlich groß an dem Thema, das Baudis vorbereitet hat. Es geht um Stecker-Solaranlagen, mitunter auch „Balkonkraftwerke“ genannt, „Guerilla-Kraftwerke“ oder „Mini-PV-Anlage“. Gemeint ist immer dasselbe: Eine kleine Photovoltaik-Anlage, mit der jedermann selbst Strom produzieren und ins heimische Netz einspeisen kann – auch wenn man zur Miete wohnt und kein eigenes Dach besitzt.
Was man braucht: Steckerfertige Sets bestehen nur aus vier Teilen: einem Solarpanel, einer Halterung, einem Wechselrichter und einem Stecker. Mitunter werden solche Anlagen sogar in Baumärkten angeboten.
Die Preise für ein Standardgerät mit 300 Watt Leistung liegen nach einer Erhebung unserer Redaktion bei 400 bis 650 Euro. Ein Standard-Panel ist einen Meter breit und 1,70 Meter hoch. Seit Jahresbeginn entfällt für Solaranlagen die Mehrwertsteuer.
Wie es funktioniert: Das Solarpanel wird an einem geeigneten Ort aufgeständert oder befestigt. Der Wechselrichter wird angestöpselt und der Stecker in die nächste Dose gesteckt, nicht anders als eine Tischlampe. Jetzt produziert das Solarpanel Gleichstrom. Der Wechselrichter verwandelt ihn in Wechselstrom, und der fließt ins heimische Netz. „Der Dose ist es egal, ob Strom rein- oder rausfließt“, sagt Katharina Baudis.
Produziert die PV-Anlage mehr Strom als im Haushalt verbraucht wird, fließt er ins Gesamtnetz und hilft, Kohlestrom zu vermeiden. Die Einspeisung könne man sich auch vergüten lassen, erläutert Baudis. Doch der bürokratische Aufwand ist erheblich – und der jährliche Ertrag gering.
Welche Hürden es gibt: Wer ein Balkonkraftwerk betreibt, muss es anmelden – zum einen im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur, das ist schnell online erledigt. Zum anderen beim jeweiligen örtlichen Netzbetreiber. Die ENRW etwa hält online ein Formular bereit.
Bisher fordern Netzbetreiber, dass für den Anschluss der Anlage ein „Wieland-Stecker“ verwendet wird. Der ist aber für Mieter viel zu teuer, weil ein Elektriker eine passende Dose installieren muss – und technisch ist sie überflüssig. Voraussichtlich werde die Vorschrift zum Ende des Jahres fallen, vermutet Baudis. Gesetzeskraft habe sie ohnehin nicht.
Worauf man achten muss: Der eigene Stromzähler darf nicht rückwärts laufen, wenn die PV-Anlage Strom einspeist. Solche veralteten Zähler gibt es mitunter noch, der Netzbetreiber tausche sie aber auf Anfrage kostenlos aus, sagt Katharina Baudis.
Was es bringt: Angesichts steigender Strompreise mache sich eine Mini-PV-Anlage in wenigen Jahren bezahlt, sagt die Expertin. Der Stecker-Solar-Simulator der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft gibt einen Pi-mal-Daumen-Überblick. Bis zu einem jährlichen Verbrauch von 2500 Kilowattstunden reicht laut Katharina Baudis eine kleine Anlage mit 300 Watt Leistung. Erst darüber lohne die Variante mit 600 Watt.
Was man noch tun kann: Immer geht es darum, den selbst produzierten Strom auch selbst zu verbrauchen. Das klappt nur, wenn tagsüber geeignete elektrische Geräte betrieben werden, etwa die Wasch- oder die Spülmaschine. „Es kann also darauf ankommen, das eigene Nutzerverhalten zu ändern“, erläutert Katharina Baudis.