Bis zur Bundesgartenschau soll der Neckar in Mannheim wieder wenigstens ein Stück weit der wilde Kerl werden dürfen, der er war – bevor man ihn ins Bett zwängte. Foto: Buga23/Buga23

Für die Bundesgartenschau 2023 in Mannheim wird eine alte Flussschleife über eine Strecke von 3,3 Kilometern wieder belebt und in den ursprünglichen Zustand zurück versetzt. Das ist eine der größten Gewässerstrukturmaßnahmen in Baden-Württemberg. Was ist geplant?

Mannheim - Ein wilder, rauer Kerl soll er gewesen sein, der Neckar. Gefürchtet wegen seiner Hochwasser, das die Siedlungen nach der Schneeschmelze immer wieder bedrohte. Für die Kelten war er ein schneller, stürmender Fluss, der ihnen Angst einflößte. Die Römer nutzten ihn trotzdem als Transportweg. Vor gut hundert Jahren haben die Menschen den Neckar dann in ein Bett gezwängt und ihn so für die Schifffahrt gezähmt.

 

Begradigungen, Schleusen, Staustufen haben seine Fließdynamik verändert. Die Auenlandschaften an den Ufern sind weitgehend verschwunden. Heute wünschen sich immer mehr Menschen eine engere Beziehung zu dem Fluss. Radler, Paddler, Camper und Spaziergänger suchen Kontakt und Freizeitmöglichkeiten am und auf dem Wasser.

Das Land fördert die Renaturierung mit zwölf Millionen Euro

Das Land gibt zwölf Millionen Euro

Neckarrenaturierung lautet das Stichwort, das auch von der Landespolitik vorangetrieben wird. Zum Beispiel in Mannheim. Hier fördert das Land die Renaturierungsmaßnahmen mit zwölf Millionen Euro, damit der Fluss im Rahmen der Bundesgartenschau 2023 auf 3,3 Kilometern Länge sein altes Gesicht wieder bekommt. Kurz vor der Mündung in den Rhein wird eine alte Neckarschlaufe wieder belebt.

Die Zeit drängt, damit die Renaturierung bis zur „Buga 23“ gelingt. Die Quadratestadt bereitet sich mit Tempo vor. Die Blumenschau wird auf dem ehemaligen Militärgelände Spinelli, das die Amerikaner vor ein paar Jahren geräumt haben, angesiedelt und soll eine Symbiose mit dem ehemaligen Bundesgartenschau-Gelände von 1975 eingehen. Damals ist der beliebte Luisenpark entstanden, der heute noch Besucherscharen aus der Metropolregion Rhein-Neckar und dem ganzen Land anlockt.

Eine Seilbahn schwebt über der Neckarschleife

Mit Blick auf 2023 wird der Stadtpark aufgerüstet, bekommt eine Unterwasserwelt und weitere Attraktionen. Die Besucher dürfen dann mit einer Seilbahn zwischen zwei Ausstellungsgeländen pendeln, dem Luisenpark und dem Spinelli-Areal. Die Gondeln schweben dann über den an dieser Stelle renaturierten Neckar hinweg.

Unter dem Stichwort „Gewässerökologischer Neckarausbau“ bekommt der größte Zufluss des Rheins zwischen dem Naturschutzgebiet Mannheimer Maulbeerinsel und Feudenheimer Schleuse also wieder seine Freiheit zurück. Schon bald sollen hier Laichplätze an den Ufern entstehen, Wasserpflanzen gedeihen und soll sich eine reiche Fischpopulation entwickeln können. Der schnurgerade Verlauf des Flusses wird auf etwa drei Kilometer aufgebrochen und in seinen Urzustand versetzt. Die Ufer beidseits des Flusslaufs werden abgeflacht, neue Lebensräume können entstehen.

„Für Baden-Württemberg ist der Neckar von großer Bedeutung“

Dabei kommt man gut voran. „Ich habe mir nicht träumen lassen, dass die ökologische Gewässerverbesserung so schnell vorankommt“, sagt der Geschäftsführer der Bundesgartenschau-Gesellschaft, Michael Schnellbach. „Das Fließgewässer wird wieder ökologisch. Für Baden-Württemberg ist dieser Fluss schließlich von großer Bedeutung“, betont Umwelt-Staatssekretär Andre Baumann (Grüne). Dass durch diese Maßnahme die alte Neckarschleife wieder an den Mutterfluss angeschlossen werden kann, sei besonders erfreulich.

Der schnurgerade Verlauf wird aufgebrochen

Es handelt sich um eine der größten Gewässerstrukturmaßnahmen Baden-Württembergs. Was passiert genau? Der schnurgerade Verlauf des Stroms wird aufgebrochen und ähnlich dem Urzustand entwickelt. Insgesamt wird der Neckar über eine Strecke von 3,3 Kilometern renaturiert. Aufgrund der Komplexität des Projekts gliedert sich die Maßnahme in mehrere Projektphasen. In diesen Wochen werden zwei Testfelder im Norden und im Süden des Flusses angelegt, um genaue Erkenntnisse über die Beschaffenheit der Uferböschung zu gewinnen.

Die Ufer werden abgeflacht

Die abgeflachten Uferböschungen am Neckarvorland dienen als Beispiel für die folgenden Arbeiten im Rahmen der Neckar-Renaturierung. Die einzelnen Schritte werden dokumentiert und begutachtet. Die Ergebnisse aus den Grabungen dienen dann der Präzisierung kommender Ausschreibungen für die Erdarbeiten. Diese starten voraussichtlich im Winter 2021 und sollen bis Ende 2022 abgeschlossen sein.

Die Mannheimer Gartenschau wird eine der größten werden

Die Bundesgartenschau in Mannheim wird mit über 100 Hektar Fläche eine der bisher größten Blumenschauen sein – im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin, der Bundesgartenschau in Heilbronn vor zwei Jahren, die mit einer Ausstellungsfläche von gerade mal 40 Hektar zu den kleineren zählte. Die Mannheimer wollen sich mit den vier Leitthemen Klima, Umwelt, Energie und Nahrungssicherung als Experimentierfeld für innovative Ideen und Forschungen profilieren.

Übrigens: In Villingen-Schwenningen, wo der Neckar innerhalb des Stadtgebietes verdolt war, wurde im Zuge der Landesgartenschau 2010 dem Fluss ab der Quelle in Schwenningen mehr Stauraum und ein neues Bett gegönnt, das er auch manchmal verlassen darf. Die Stadt ist dadurch besser gegen Hochwasser geschützt.