In der Frage rund um das Museumsquartier schalten sich jetzt auch vier Vereine aus VS ein. Foto: Schölzel

Das Bürk-Areal soll sich als eine „Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft“ in die Schwenninger Museumslandschaft eingliedern. Doch ob das Museumsquartier überhaupt eine Zukunft haben wird, ist bis dato fraglich. Jetzt bringen vier Vereine aus VS eine neue Finanzierungsmöglichkeit ins Spiel.

Was wird aus der Zukunft des Museumsquartiers Bürk? Diese Frage treibt nicht nur die Schwenninger Museumsliebhaber oder die Stadträte um, auch Vereine melden sich mit ihren Wünschen, Vorstellungen und Hoffnungen zu Wort.

 

Dabei stehen sie vor der großen Frage: Was passiert, wenn nichts passiert? Eine Schließung des Uhrenindustrie- und Heimatmuseums und der Städtischen Galerie könnte bevorstehen – so prophezeien zumindest der Freundeskreis Kultur VS mit dem Freundeskreis Städtische Museen, dem Schwenninger Heimatverein und dem Förderkreis Lebendiges Uhrenindustriemuseum dunkle Zeiten für die Schwenninger Museumslandschaft.

Nun erheben die vier Vereine ihre Stimme und plädieren unisono: Jetzt oder nie. Denn irgendwann sei die Chance verflossen.

Ein neues Bindeglied soll entstehen – nur wie?

In den Augen der Freundes- und Förderkreise soll ein „neues, modernes Zentrum für bürgerschaftliche und kulturelle Begegnung mit innovativem Ausstellungskonzept“ entstehen, wofür sie zahlreiche Argumente aufzählen: Das neue Bürk-Areal soll ein „Bindeglied und Weiterentwicklung der drei bereits bestehenden kulturellen Einrichtungen“ und „Raum für kulturelle Begegnung“ werden. Im „Bürk“ soll etwas neues geschaffen werden – „wir brauchen dringend eine Weiterentwicklung“, drängt Holger Westendorf vom Freundeskreis Kultur.

Setzen sich für das Museumsquartier ein: Rainer Russ (von links), Annemarie Conradt-Mach, Renate Nieding-Trefzer, Eberhard Hummel und Holger Westendorf. Foto: Schölzel

Die Gebäude der Schwenninger Museen seien ohne umfassende Sanierungen ohnehin nicht mehr zukunftsfähig. Denn Sanierungen um Brandschutz, Fluchtwege, Einbruchschutz, Barrierefreiheit, Klimatisierung, energetische Sanierung und einer Neugestaltung der Ausstellungsräume bei der Städtischen Galerie und dem Heimat- und Uhrenmuseum seien definitiv keine Alternative. „Das Geld ist woanders besser aufgehoben“, so der Konsens.

Geht die geplante Rechnung auf?

Nämlich beim neuen Museumsquartier. Die Investitionen seien für die Stadt auch gar nicht so hoch.

So stellen die Vereine eine Rechnung auf: Aus einem Bundeszuschuss, der Umnutzung oder dem Verkauf der dann leerstehenden Gebäude sowie einer bürgerschaftlichen Beteiligung, lasse sich das Bürk-Areal mit „reduzierten Investitionen“ realisieren.

Der verbleibende Betrag solle zu einem großen Teil von der Wohnbaugesellschaft VS (wbg) finanziert werden. Die Stadt müsse für das Museumsquartier dann nur noch den Restbetrag aufbringen und das Gebäude von der wbg über einen langfristigen Mietvertrag zurückmieten.

Die Position der Vereine ist klar: Manch Stadtrat solle nicht glauben, dass sie das „Stadtsäckel retten können mit Einsparungen“, gerade in Sachen Kulturlandschaft solle man riskieren, investieren und etwas Neues aufbauen.

Auch sei für die Vereine völlig klar: Die Stadt VS gebe nur halb so viel Geld für kulturelle Einrichtungen und Veranstaltungen aus wie andere vergleichbare Städte Baden-Württembergs wie Konstanz oder Reutlingen. Dabei berufen sie sich auf die Recherchen kulturtragender Vereine aus 2019 – doch bis heute habe sich daran nichts geändert.

Eine Zukunft im „Rössle“ – undenkbar

Ein Vorschlag der CDU, die Städtische Galerie ins „Rössle“ zu integrieren, stößt bei den Freundes- und Förderkreisen auf taube Ohren. „Die Galerie ist kein Durchlaufort, dort befinden sich hochwertige und hochpreisige Werke, die kann man nicht einfach so in den Flur hängen“, bekräftigt Westendorf.

Kunst brauche den richtigen Raum um zu wirken und zu inspirieren und das sei im „Rössle“ schlichtweg nicht möglich. Und auch auf den Bundeszuschuss müsse man beim Rössle-Plan womöglich verzichten.

Jetzt sei es an der Zeit zu handeln

Derzeit fehle aber vor allem eins: Ein Plan. „Wir alle wissen, dass es teurer wird, je länger wir warten. Und trotzdem warten wir“, schüttelt Westendorf den Kopf. Bereits jetzt hätten sich „erhebliche Mehrkosten“ gebildet, dadurch, dass so viel Zeit verstrichen sei.

Jetzt sei es an der Zeit zu handeln – die wbg, die nach Ansicht der Vereine bereits einen erheblichen Aufwand zur Planung und Konzeption des Museumsquartiers geleistet habe, habe bereits zu verstehen gegeben, dass die Entscheidungsfrist im März auslaufe, dann werde man mit dem Wohnungsbau auf dem Bürk-Areal beginnen müssen – und die Vision einer zukunftsweisenden Museumslandschaft inmitten Schwenningens wäre gescheitert.