Die ehemalige Württembergische Uhrenfabrik soll künftig in eine Studentenwohnanlage umgewandelt geworden. Im Erdgeschoss bleibt das Uhrenindustriemuseum bestehen. Foto: Mareike Kratt

Das geplante Bürk-Areal wird bekannterweise nicht realisiert – obwohl die Wohnungsbaugesellschaft bereits startklar um, die oberen Stockwerke der Württembergischen Uhrenfabrik museumstauglich herzurichten. Was passiert nun damit?

Eigentlich müsste Rainer Müldner, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft VS GmbH (wbg), enttäuscht sein, dass der „Plan A“ rund um die neue Nutzung der Württembergischen Uhrenfabrik, deren Eigentümer die wbg ist, nicht umgesetzt wird.

 

Denn die Wohnungsbaugesellschaft hatte bereits alle Planungen abgeschlossen und stand in den Startlöchern für einen Zusammenschluss von (im Erdgeschoss bereits bestehenden) Uhrenindustriemuseum (UIM), Heimatmuseum und Städtischer Galerie. So waren bisher bestehende Studentenwohnungen bereits komplett leergeräumt worden.

22 neue Wohnplätze

Doch dass ein Gemeinderatsbeschluss im Januar diese Pläne zunichte gemacht hat, sieht Müldner nicht als Enttäuschung, sondern als Herausforderung an: „Als GmbH wussten wir die ganze Zeit, dass eine breite politische Zustimmung für das Projekt notwendig ist. Das ist das Primat der Politik.“

Die Folge: „Jetzt sind wir gerade intensiv an Plan B dran.“

Das bedeutet: Aus den geplanten Museumsräumen in den Obergeschossen werden wieder Wohnräume, erklärt der Geschäftsführer – und zwar ausschließlich für Studenten. Zu den bereits bestehenden 60 Wohneinheiten werden weitere 22 Wohnplätze hinzukommen. Zwischenzeitlich war eine Studentenwohnanlage mit sogar insgesamt 100 Plätzen vorgesehen, die neuesten Planungen gingen jedoch von insgesamt 82 Plätzen aus, sagt Müldner. Die Bewohner könnten zwischen Einzelappartement oder WG-Zimmer wählen.

Neue Heizungstechnik nicht nur für die Uhrenfabrik

Dabei sei man in enger Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde, steht die Uhrenfabrik doch unter Denkmalschutz. Eine große Herausforderung stelle, so Rainer Müldner, die Technik der Heizungsanlage dar, die komplett ausgetauscht werden muss. Dafür müsse „eine vernünftige Lösung“ her, die nicht nur den Altbau der Uhrenfabrik, sondern auch Neubau-Bereiche nebenan in der Bertha-von-Suttner-Straße mit einschließt.

Derzeit gebe es verschiedene Konzepte, so der wbg-Geschäftsführer. Das Gebäude zu dekarbonisieren sei grundsätzlich kein Problem, es gehe aber vor allem darum, technisch die beste Option zu bieten, gleichzeitig aber finanziell nicht aus dem Ruder zu gleiten.

Museum macht weiterhin Sinn

Die Württembergische Uhrenfabrik in den oberen Geschossen also zu studentischem Wohnen zu nutzen, sieht Rainer Müldner als charmante „Plan B“-Lösung an. Die Hochschulen, zu denen Oberbürgermeister Jürgen Roth bereits Kontakt gehabt habe, hätten großes Interesse daran, dass der Wohnungsnot der Studenten entgegen gewirkt werde. Doch der historische Charakter des Gebäudes müsse trotzdem beibehalten werden, schließlich sei Bürk der „Ur-Nukleus“ der Schwenninger Uhrenindustrie. „Das Uhrenindustriemuseum weiterhin bestehen zu lassen, macht einfach super Sinn.“

Kubus nicht realisierbar

Und dann ist da noch der Antrag der Freien Wähler, der für einen alternativen Zusammenschluss der drei Schwenninger Museen einen Kubus auf dem Außengelände der Uhrenfabrik vorgesehen hatte.

Er habe Gespräche mit dem Freie Wähler-Fraktionsvorsitzenden und Architekten Andreas Flöß geführt, berichtet Rainer Müldner. Es gebe dabei einige Herausforderungen, unter anderem durch die statische Tragfähigkeit oder auch die bestehende Shedhalle. So habe sich herausgestellt, dass der Kubus an dieser Stelle nicht so einfach umsetzbar ist. Trotzdem hat der Geschäftsführer den Eindruck gewonnen, dass die politschen Vertreter bestrebt seien, eine gute Alternativlösung für die Schwenninger Museumslandschaft zu finden.

Derzeit stehen die Obergeschosse der Württembergische Uhrenfabrik leer. Bald sollen sie mit studentischem Leben gefüllt werden. Foto: Mareike Kratt

Im Winter kommen Gewerke dran

Gibt es bereits einen Zeitplan für „Plan B“? Wenn die Umsetzung weiterhin gut laufe, dann hoffe er, dass im Winter mit den ersten Gewerken in der Uhrenfabrik begonnen werden könne, sagt der wbg-Chef. Da die meisten Arbeiten im Gebäudeinneren erfolgen, müsse man sich nicht auf Witterungsprobleme einstellen.

Wenngleich der „Wechsel zu Plan B“ inzwischen bei der Wohnungsbaugesellschaft alltäglich geworden scheint, erklärt Müldner. Der Immobilienmarkt habe sich in den letzten Jahren sehr gewandelt und sei dynamischer geworden. So sei man es mittlerweile gewohnt, sich schnell auf neue Umstände einstellen und, wie bei der Uhrenfabrik, von Plan A auf Plan B wechseln zu müssen.