Mit dem Roten Löwen gehen die Stadt St. Georgen und der Schwarzwald-Baar-Kreis gemeinsam neue Wege. Mittlerweile ist das Bürgerzentrum im Herzen der Bergstadt seit gut einem halben Jahr in Betrieb. Wie fällt die Zwischenbilanz aus?
Viel Hirnschmalz fließt in das Angebot des St. Georgener Bürgerzentrums Roter Löwen. Anstrengungen, die sich zu lohnen scheinen: Im Gespräch mit unserer Redaktion ziehen Vertreter der Stadt und des Landkreises nach gut einem halben Jahr Betrieb ein positives Fazit.
Das kommt nicht von ungefähr: Schon im Vorfeld habe man sich viele Gedanken gemacht, was man in den neuen Räumen und mit neuen Möglichkeiten umsetzen könne, sagt Antonia Musacchio-Torzilli. Die St. Georgener Wirkstatt, die unter ihrer Leitung steht, ist eine der Einrichtungen, die im Mai offiziell ihren Betrieb im Roten Löwen aufgenommen haben. Und auch in den Monaten seitdem sei man stets auf der Suche nach Möglichkeiten, das Angebot auszubauen und zu optimieren.
Was angeboten wird
Gemeinsam stellen all die Organisationen und Einrichtungen im Bürgerzentrum Roter Löwen ein breites Beratungs- und Freizeit-, aber auch interkulturelles Angebot auf die Beine. Von einem Sprach-Café speziell für geflüchtete Frauen mit Kindern, bei dem auch eine Betreuung zur Verfügung steht, über Essen in Gesellschaft, Selbsthilfegruppen, Spiele-Nachmittage, Kino-Vorstellungen im Bürgersaal, Krabbelgruppen und Sprechstunden verschiedener Beratungsstellen bis hin zur Schreibstube, die Geflüchteten in bürokratischen Angelegenheiten zur Seite steht – das Spektrum ist überaus breitgefächert. Und ständig kommen neue Angebote hinzu.
„Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass in einem halben Jahr so viel auf die Beine gestellt werden kann“, fasst Anna Benner, Leiterin des städtischen Amts für Ordnung, Bildung und Soziales, zusammen.
Was am Haus besonders ist
Noch im Roten Löwen finden die einzelnen Angebote nicht nur Tür an Tür statt – vielmehr ist es die Idee des Bürgerzentrums, unterschiedliche Beratungsstellen unter ein Dach zu bringen und so deren Zusammenarbeit zu fördern. Das Haus sei eben nicht nur eine Ansammlung von Institutionen an einer Stelle, sondern „ein Bürgerzentrum, ein Ganzes“, betont Benner.
Der Rote Löwen ist in dieser Hinsicht ein Modellprojekt im Schwarzwald-Baar-Kreis. Denn das Zusammenspiel verschiedener Beratungsangebote im Haus soll ganz klar zugunsten derer sein, die hilfesuchend ins Bürgerzentrum kommen. Das Begegnungscafé im Erdgeschoss habe sich als niederschwelliger Zugang zur ganzheitlichen Beratung, welche das Haus bietet, bewährt, ziehen Musacchio-Torzilli und Benner nach gut sechs Monaten eine Zwischenbilanz.
Was bislang gut läuft
Nach etwa einem halben Jahr könne man sagen, „dass es sich super entwickelt“, meint Markus Esterle, der das Modellprojekt des Kreises im Bürgerzentrum koordiniert. Zuvor leitete er das Amt für Ordnung, Bildung und Soziales in St. Georgen.
Allein die Möglichkeit, dass man für Beratungsleistungen des Landratsamts nicht extra nach Villingen-Schwenningen fahren müsse, werde sehr gut angenommen. Und mit der offenen Sprechstunde themenübergreifender Beratungsdienst gehe man nun noch weiter in Richtung einer ganzheitlichen Hilfestellung: Bürger können mit ihrem Anliegen – egal aus welchem Bereich – kommen.
Wo es noch Potenzial gibt
Das Angebot solcher offener und nicht themengebundener Sprechstunden solle noch weiter ausgebaut werden, gibt Esterle als ein Ziel aus. Und auch die Zusammenarbeit zwischen den Beratungsstellen im Haus soll weiter ausgebaut werden.
„Wir schleifen noch, wo wir können“, sagt Benner – auch wenn die schon gut laufe, wie Musacchio-Torzilli betont: „Ich glaube, am Anfang haben wir uns alle ein bisschen gefragt, wie das funktionieren soll.“ Doch nach nur einem halben Jahr funktioniere die Kooperation der Fachbereiche sehr gut.
Was geplant ist
Für die Zukunft gebe es „noch viele, viele Ideen“, sagt Wirkstatt-Leiterin Musacchio-Torzilli. Sie würde beispielsweise gerne noch verstärkt interkulturelle Angebote etablieren, um den Roten Löwen zu einem Treff der Kulturen zu machen.