Auch wegen des Breitbandausbaus wird in Glatten weiterhin viel gegraben. Glatten ist Pilotgemeinde für den Umgang mit „Homes Passed“ – ein Thema, das vielerorts für Ärger sorgt.
Großes Interesse und viele Nachfragen prägten die Bürgerversammlung in Glatten, bei der auch der Breitbandausbau im Mittelpunkt stand.
Als Referent war Wolfgang Rölle von der OEW Breitband GmbH in die Glatttalhalle gekommen, um über den aktuellen Stand und die weiteren Schritte zu informieren.
Wie Rölle erläuterte, hat die 2021 gegründete OEW Breitband GmbH die Aufgabe übernommen, die Versorgung mit schnellem Internet voranzutreiben und insbesondere bislang unterversorgten Regionen eine digitale Zukunft mit Highspeed-Internet zu ermöglichen. Glatten gehört gemeinsam mit Seewald, Waldachtal, Dornstetten, Empfingen und Schopfloch zum sogenannten Ausbaucluster eins. Für den Ausbau in der Gesamtgemeinde Glatten stehen Fördermittel in Höhe von insgesamt 6,63 Millionen Euro zur Verfügung.
Bürgermeister Pfeifer will jede Förderabsage „heilen“
Wie notwendig ein zügiger Ausbau ist, verdeutlichte Rölle anhand einer detaillierten Bandbreitenübersicht. Diese zeigte sogenannte weiße Flecken mit Internetgeschwindigkeiten unter 30 Megabit pro Sekunde (Mbit/s), hellgraue Flecken mit 30 bis 100 Mbit/s sowie dunkelgraue Flecken mit Bandbreiten von 100 bis 200 Mbit/s. Anhand von Straßenkarten für Glatten, Böffingen und Neuneck konnten die Bürger ihren jeweiligen Versorgungsgrad nachvollziehen.
Ein zentrales Thema der Diskussion waren die Förderbedingungen für Hausanschlüsse. Nach geltendem Recht ist eine Förderung ausgeschlossen, wenn bereits ein gigabitfähiges Netz besteht und lediglich der Teilnehmeranschluss fehlt – im Fachjargon „Homes Passed“. Betroffen sind Grundstücke, an deren Grenze bereits ein Leerrohrverband liegt oder bei denen durch das Setzen einer Muffe ein Abzweig möglich wäre. Diese Hausanschlüsse sind nicht förderfähig.
Zwar kann nach Abschluss des geförderten Ausbaus über eine sogenannte Nachverdichtung ein Anschluss realisiert werden, allerdings nicht durch die OEW, da diese keinen eigenwirtschaftlichen Ausbau vornehmen darf. Aktuell ist daher nur ein Vortrieb bis zur Grundstücksgrenze möglich.
Bürgermeister Tore-Derek Pfeifer kündigte an, dass Glatten als Pilotgemeinde für den Umgang mit „Homes Passed“ ausgewählt worden sei. „Wir schauen, dass wir jede Absage heilen können“, versprach er. Gleichzeitig kritisierte Pfeifer die aus seiner Sicht überzogenen Vorschriften, durch die erhebliche Fördermittel nicht abgerufen werden können.
Warum Glasfaser bis ins Haus unverzichtbar ist, unterstrich Rölle mit Beispielen aus der Telemedizin, der stetig wachsenden Zahl internetfähiger Haushaltsgeräte sowie dem steigenden Immobilienwert durch schnelle Internetanschlüsse. Die bislang eingesetzten Kupferkabel seien für die heutigen Datenmengen nicht ausgelegt. „Das Internet kann keiner mehr aufhalten – und dazu braucht es eine stabile Bandbreite“, betonte Rölle.
Alle Haushalte werden demnächst angeschrieben
Zum weiteren Vorgehen bat Bürgermeister Pfeifer noch um Geduld. In den kommenden zwei bis drei Monaten werden alle Haushalte angeschrieben, die einen kostenlosen Breitbandanschluss erhalten können. Wer aufgrund der „Homes Passed“-Regelung nicht berücksichtigt wird, soll sich direkt mit der OEW Breitband GmbH in Verbindung setzen. Sämtliche Informationen sowie detaillierte Karten sind auf der Homepage der Gemeinde Glatten abrufbar.
Fest steht: „Die OEW Breitband wird in den kommenden zwei bis drei Jahren in der gesamten Gemeinde graben“, so Pfeifer. Der Ausbau soll in der Lombacher Straße beginnen.