Dunningens Bürgermeister Peter Schumacher hält beim Bürgertreff Rückschau auf das Jahr 2022 und kritisiert das Land in der Flüchtlingskrise. Foto: Weisser

Mit reichlich Lob und Dankesworten, jedoch auch mit deutlicher Kritik an Bund und Land, hat Dunningens Bürgermeister Peter Schumacher in seiner Jahresabschlussrede beim Bürgertreff in der Seedorfer Festhalle nicht gespart.

Dunningen - Neben den Ausführungen des Schultes standen der Rückblick von Bürgermeisterstellvertreterin Paola Notheis, Ehrungen langjähriger Gemeinderäte sowie die traditionelle Fotopräsentation von Fritz Rudolf auf dem Programm. Danach folgte der gemütliche Teil mit Imbiss und Getränken.

Nach zweijähriger Zwangspause konnte die Gemeinde Dunningen ihre Bürger wieder zu einem Jahresabschluss einladen. Groß war das Interesse der Bevölkerung am Bürgertreff. Bis auf einige Plätze in den vordersten Reihen waren alle Stühle am Montagabend besetzt. Für die musikalische Umrahmung sorgte der Seedorfer Musikverein unter Leitung von Martin Eger.

Das Erreichte stellt zufrieden

Die Aufzählung der umgesetzten oder auf den Weg gebrachten Maßnahmen, die sowohl vom Schultes wie auch von Gemeinderätin Notheis angesprochen wurden, war recht lang. Über das Erreichte zeigten sich beide zufrieden.

Der Bürgermeister erinnerte an die wichtigsten Kernthemen, mit denen sich die Verwaltung und die politischen Mandatsträger im Jahr 2022 intensiv auseinandergesetzt haben. Mit an vorderster Stelle: Der Bereich Kinderbetreuung mit der Ratsentscheidung für die Einrichtung von zwei Waldkindergärten und der abgeänderten Planung für den Kindergartenneubau in Seedorf mitsamt der vorgesehenen Sanierung des bisherigen Kindergartengebäudes. Schumacher bekräftigte, "dass es unstrittig ist, dass im Bereich des Kindergartens Seedorf großer Handlungsbedarf besteht". Er bedauerte, dass der Kindergartenneubau nicht die Fahrt aufgenommen habe, die man sich wünsche.

Sirenen lösen keine Begeisterungsstürme aus

Schumacher warb um Verständnis für die neue Konzeption mit einem kleineren Kindergartenneubau. Der Rathauschef verteidigte das bei der Sanierung der Gemeindeverbindungsstraße von Seedorf nach Heiligenbronn – die Strecke wurde erst vor wenigen Tagen für den Verkehr wieder freigegeben – angewandte Fräsrecycling-Verfahren.

Eine Lanze brach der Bürgermeister für die Wiederinstallierung der vormals abgebauten Sirenen. Dem Gemeinderat und der Gemeindeverwaltung sei wohl bewusst, "dass insbesondere die drei Standorte der freistehenden Sirenenmasten bei den direkten Anwohnern keine Begeisterungsstürme ausgelöst haben". Die Sirenen würden grundsätzlich nur bei wirklichen Gefahrenlagen sowie bei bundesweiten Warntagen ausgelöst und dienten nicht zur Alarmierung der Feuerwehr, gab der Schultes Entwarnung.

Land war in Flüchtlingsthematik "keine große Hilfe"

Angesprochen wurden von ihm auch die Gründe für die Beendigung der Zusammenarbeit mit der privaten Biogas Seedorf GmbH & Co. KG. Hinsichtlich der verordneten Corona-Regelungen meinte Schumacher: Der Gemeinde sei es gelungen, die Vorschriften "vorausschauend, bürgerfreundlich und insbesondere mit Augenmaß" umzusetzen.

Ein weiteres Thema: die aktuelle Flüchtlingskrise. Diese zeige deutlich auf, vor welchen Herausforderungen die Kommunen stünden und welche Aufgaben sie mit der Übernahme der Anschlussunterbringung zu erledigen hätten. All diese staatlichen Aufgaben schränkten den Handlungsspielraum der kommunalen Selbstverwaltung deutlich ein, weil Personal und finanzielle Mittel gebunden würden. In vielen Fällen, so die Kritik des Schultes, würde den Kommunen Aufgaben übertragen, die finanzielle Ausstattung blieben Bund und Land jedoch schuldig.

Dunningen muss weiter in die Infrastruktur investieren

"Das Land war uns keine große Hilfe", stieß Bürgermeisterstellvertreterin Notheis zu diesem Thema in dasselbe Horn. Sie lobte die Bereitschaft etlicher Bürger, für ukrainische Flüchtlinge Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Eine Fülle von Themen – so Notheis in ihrem Rückblick – habe der Gemeinderat im zu Ende gehenden Jahr bearbeitet. Ihr Fazit: Dunningen müsse in den nächsten Jahren zwingend weiter in die Infrastruktur investieren. Mit dem Gemeinschaftshaus in Dunningen sei man in 2022 weiter vorangekommen, freute sich die Bürgermeisterstellvertreterin.

Und ein Vertreter des Landes stellte sich den Dunninger Bürgern: "In Erwartung von Kritik" sei er gekommen, räumte FDP-Landtagsabgeordneter Daniel Karrais in seinem Grußwort ein. Dennoch habe er sich nicht davor gescheut, weil ihm der Draht zu den Kommunen sehr wichtig sei. Der Landtagsabgeordnete dankte dem Bürgermeister für den regelmäßigen Austausch. Für die Dekoration und die Bewirtung sorgten der Obst- und Gartenbauverein sowie der Vereinsring Seedorf. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Seedorfer Gemeinderat Rainer Pfaller.