Vor dem Bild von Manfred Weil: (von links) Markus Moehring (Museumsverein), Jan Merk (Dreiländermuseum) sowie Ute Lusche und Frank Hovenbitzer von der Bürgerstiftung. Foto: Franz Schmider

Möglich machte den Erwerb die Unterstützung durch den Museumsfonds der Bürgerstiftung Lörrach.

Dank der Unterstützung durch den Museumsfonds der Bürgerstiftung konnte das Dreiländermuseum Lörrach ein Gemälde des Kölner Malers Manfred Weil erwerben. „Leben“ ist der Titel des Ölbildes aus dem Jahr 2002, es „ergänzt unsere Sammlung hervorragend und füllt eine Lücke“, wird Museumsleiter Jan Merk in einer Mitteilung der Bürgerstiftung zitiert. Zum einen, weil dem Fundus an Fotos und Objekten, den Dokumenten „und dem vielen Papier“ zum Schwerpunktthema Judenverfolgung in Südbaden eine künstlerische Arbeit an die Seite gestellt wird, zum anderen, weil es eine neue Dimension eröffne.

 

Das Überleben des Holocausts verarbeiten

„Leben“ zeigt einen der ikonografischen Viehwaggons, in denen Juden in die Konzentrations- und Vernichtungslager transportiert wurden. Aber über dem Zug hängen bei Weil keine grauen Regenwolken, das Bild ist nicht düster, den Hintergrund bildet eine einladende Strandlandschaft, betont Merk. Manfred Weil wollte leben, er hat überlebt. Und auf seine Weise feiert das Bild das Leben.

Nicht minder beeindruckend wie das Bild selbst ist für Jan Merk die Lebensgeschichte des 1920 geborenen und 2015 verstorbenen Malers. Er wurde Anfang der 40er-Jahre nach Gurs in das dortige Lager gebracht – nicht im Zuge der Deportation der südbadischen Juden im Jahr 1940, sondern später. In Gurs am Fuß der Pyrenäen traf er auf seinen Vater, die Familie stammte aus Eichstetten am Kaiserstuhl und Breisach. Manfred Weil konnte aus Gurs fliehen. Als er sich von seinem Vater verabschiedete, habe er geahnt, dass es kein Wiedersehen mehr geben werde.

Manfred Weils wechselvoller Lebensweg

Auf abenteuerliche Weise schlug er sich in den folgenden Jahren durch. Seine Strategie: Er wartete nicht, bis er verhaftet wurde, sondern stellte sich zuvor selbst der Polizei, gab an, ihm seien die Papier entwendet worden. So konnte er immer wieder Zeit gewinnen bis zum nächsten Untertauchen. Schließlich gelang ihm die Flucht in die Schweiz. Als ihm die Abschiebung drohte, wurde er gegen den Polizisten aggressiv und erzwang so die Verhaftung sowie einen Prozess. Er zog die Festnahme der Auslieferung vor.

Umso erstaunlicher der Werdegang Weils nach dem Krieg. Er schloss seine Kunstausbildung ab, verdiente sein Geld als Gebrauchsgrafiker und angesehener Karikaturist, unter anderem für die SPD-Parteizeitung „Vorwärts“.

Mehr oder weniger durch Zufall wurde Jan Merk auf Weil aufmerksam, er suchte anfangs nach Verbindungen zur Lörracher Familie Weil. Die gab es nicht. Dennoch entschlossen sich Merk und Burghof-Chef Timo Sadovnik, zu einer gemeinsamen Veranstaltungsreihe, zeigten einen Film über Weil, organisierten eine Ausstellung und luden dessen Tochter Schulamith Weil im Februar nach Lörrach ein. Am Ende konnte das Museum das Bild „Leben“ erwerben. Schulamith Weil kam dem Museum beim Preis entgegen, weil es ihr wichtig sei, dass genau dieses Bild in einem Museum öffentlich zugänglich ist, sagt Merk.

Ute Lusche von der Bürgerstiftung gratulierte Merk zu dem Kauf. Im vergangenen Jahr konnte der Museumsfonds der Bürgerstitung mehr als 13.000 Euro für Neuanschaffungen und Restaurierungen und damit den Erhalt der Museumssammlung investieren.

Auch Lusche zeigte sich laut der Mitteilung der Bürgerstiftung beeindruckt von der emotionalen Kraft des Gemäldes, dem Kontrast zwischen den heiteren Farben Südfrankreichs und den bedrückenden, sehr speziellen rostroten Tönen der Eisenbahnwaggons. Typisch für Weil: Ganz im rechten unteren Eck hat er sein Bild augenzwinkernd mit einem kleinen Elefanten signiert.