Es war einmal: An der Tür wird darauf hingewiesen, dass der Bürgerservice nicht besetzt ist. Foto: Kugel

„Der Bürgerservice Calmbach kann derzeit nicht besetzt werden“ steht auf einem Zettel an der Tür des Rathauses in Calmbach. Alexander Rabsteyn, Hauptamtsleiter von Bad Wildbad, spricht jedoch von einer dauerhaften Schließung. Wie kommt es dazu?

Der Bad Wildbader Stadtteil Calmbach steht jetzt ohne Bürgerbüro da. Das war allerdings nicht immer so. Vor nicht allzu langer Zeit gab es ein solches nicht nur in Wildbad.

 

Das Bürgerbüro im Calmbacher Rathaus war bisher unter anderem für das Einwohnerwesen, Personalausweise und Passangelegenheiten zuständig. Momentan gibt es nur noch das Standes- und das Ordnungsamt in Calmbach.

Laut dem Bad Wildbader Hauptamtsleiter Alexander Rabsteyn hat die Schließung „pragmatische Gründe“. Es gebe nicht genug Personal, um sowohl das Bürgerbüro in Wildbad als auch das in Calmbach aufrechtzuerhalten.

Knapp 1300 Einwohner mehr

Warum also ist die Entscheidung für Wildbad gefallen? „Wildbad ist barrierefrei“, erklärt Rabsteyn. Einwohner habe Wildbad auch knapp 1300 mehr. Die Entscheidung sei mit den Fraktionen im Gemeinderat abgesprochen, stellt Rabsteyn fest.

Rita Locher von der FWV/FDP-Fraktion im Gemeinderat sagt auf Anfrage unserer Redaktion: „Ich kann es so weit nachvollziehen“. Locher begründet die Plausibilität des Standorts in Wildbad an der fehlenden Barrierefreiheit in Calmbach. Die davon Betroffenen suchten dadurch wohl sowieso eher das Bürgerbüro Wildbad auf, schlussfolgert sie. Diesen komme ein gut besetztes Bürgerbüro auch entgegen. Denn es ist besser für „Kontinuität, weniger Probleme und Wartezeit“.

Auch sei das Bürgerbüro in Wildbad gut zu erreichen. Ob mit der Bahn oder durch nahe gelegene Parkplätze. Alles in allem sieht Locher die Situation „als Konsequenz der Personalknappheit“.

Birgit Kraft von der SPD-Fraktion berichtet im Gespräch mit unserer Redaktion, dass es praktisch war, in Calmbach einen Bürgerservice fußläufig zu haben. Denken muss sie bei der Schließung vor allem an Ältere und Leute, die nicht so mobil sind – beispielsweise kein Auto mehr haben oder Schwierigkeiten haben, mit der Bahn zu fahren.

Der Bürgerservice Wildbad werde außerdem als Folge der Schließung einer höheren Belastung ausgesetzt. Für Barrierefreiheit sei Wildbad allerdings schon besser ausgestattet, da es dort auch einen Aufzug gibt. Kraft sagt: „Wenn das Personal nicht da ist, kann man da nichts machen.“ Sie betont aber dennoch: „Wir bedauern das sehr.“

Jochen Borg von der CDU-Fraktion sagt zu der Schließung: „Ich find’s sehr positiv.“ Das Bürgerbüro Wildbad sei „barrierefrei, das ist für mich der Hauptgrund“. So könnten auch Ältere und beispielsweise Eltern mit Kind und Kinderwagen problemlos zum Bürgerbüro gelangen. Wie auch Locher betont er die verkürzten Wartezeiten und spricht sich für „eine zentrale Anlaufstelle“ aus. Jetzt brauche man keinen Termin mehr. Auch sei die Haltestelle der Straßenbahn direkt gegenüber.

Umbau im Wildbader Rathaus

Erwähnen will Borg noch, dass Bürger in Calmbach, die ein „Riesenproblem“ und nicht die Möglichkeit haben, nach Wildbad zu kommen, im Notfall auch im Calmbacher Rathaus Hilfe bekommen würden. Dies sollte aber nicht die Regel sein.

Er betont ebenfalls die „immer größeren personelle Probleme“. Vonseiten der CDU sagte er: „Wir haben uns ganz klar dafür entschieden.“ „Und wenn’s net klappt, des seh ma dann, wenn’s net klappt“, schlussfolgert er.

Borg berichtet auch über den Umbau des Bürgerservice in Wildbad. Das Bürgerbüro befindet sich aktuell im vierten Stock des Wildbader Rathauses und ist mit einem Aufzug zu erreichen. Bis September geht laut Borg die „Umbauphase“ in den alten Räumen (Erdgeschoss) des Bürgerbüros. Im Oktober soll dieses dann vom vierten Stock wieder in die „neuen alten“ Räume zurückziehen.

An der jetzigen Situation mit nur einem Bürgerservice wird sich auch in Zukunft nichts ändern, auch wenn neues Personal gefunden würde. Hauptamtsleiter Rabsteyn betont es mit den Worten: „Es bleibt so!“ Man fokussiert sich auf Bad Wildbad, da „der Fachkräftemangel nicht von heute auf morgen behoben sein“ wird. Das merkt man laut Rabsteyn permanent. Obwohl ständig Stellen ausgeschrieben würden, „wird es immer schwieriger, auch in der Verwaltung neues Personal zu bekommen“.