Die Bürger der Gesamtgemeinde Zimmern sind zahlreich zur Vorstellung der Bürgermeisterkandidaten erschienen. Foto: Weisser

Den eingeschlagenen Weg will Zimmerns Bürgermeisterin Carmen Merz mit den Bürgern der Gesamtgemeinde weitergehen. Herausforderer Markus Wiese möchte den Bürgern am 23. Februar 2025 „eine Wahl bieten“.

So äußerten sich die beiden bei der Kandidatenvorstellung in der Festhalle zu ihrer Bewerbung. Das Interesse der Bevölkerung war beachtlich. Nur ein kleiner Teil der aufgestellten Stühle im vorderen Bereich blieb unbesetzt.

 

Das vereinbarte Zeitfenster wurde weder vom Kandidaten Wiese noch von den Zuhörern bei den Fragerunden ausgeschöpft. Der Vertreter der Bürgermeisterin, Timo Weber, konnte die Veranstaltung nach einer guten Stunde schließen.

Carmen Merz Foto: Weisser

Die amtierende Rathauschefin wies in ihrer Rede auf das in den vergangenen acht Jahren zusammen Erreichte hin. Dazu zähle nicht nur das von außen Sichtbare, „sondern auch was wir im Innern, in der täglichen Arbeit bewegen konnten“.

Trotz Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg und Energiekrise: Zimmern habe zusammengehalten, auch in äußerst schwierigen Zeiten, betonte die Bürgermeisterin. Herausforderer Wiese trug vor, „nochmals was Neues machen zu wollen“. Er hielt sich bei der Vorstellung meistens allgemein und hatte seine Stichwörter auf wenigen kleinen Zetteln notiert.

Streitthema „Inkom“

Carmen Merz verteidigte die Erweiterung des Industrie- und Gewerbegebiets Inkom wie auch die Änderung des Gewerbesteuerverteilungssatzes um fünf Prozentpunkte zugunsten von Rottweil.

Im Jahr 2024 habe die Minderung der Gewerbesteuer aus dem „Inkom“ unter Berücksichtigung aller Faktoren (unter anderem Erhöhung der Grundsteuereinnahmen aus dem Gebiet) knapp 25 000 Euro betragen. Zukünftig profitiere man von der höheren Kostenbeteiligung der Stadt Rottweil.

Die Gemeinde Zimmern habe „an den Mitgesellschafter ein bisschen viel abgegeben“, stellte der Herausforderer dagegen fest. Dieser Meinung war auch Walter Schwer, der in der Fragerunde einmal mehr die Neuaufteilung der Inkom-Gewerbesteuer anprangerte und in diesem Zusammenhang die von Merz versprochene Transparenz und Bürgerbeteiligung vermisste. Auch habe man nicht den Rat des früheren Bürgermeisters dazu eingeholt.

Carmen Merz erinnerte an etliche Sitzungen der Zimmerner und Rottweiler Gremien zu diesem Thema. Die Verhandlungen zum Flächennutzungsplan seien Ausgangsbasis für die Änderung gewesen. Nach einem Gutachten stünde Rottweil als Mittelzentrum sogar zwei Drittel zu, erwiderte sie an die Adresse von Schwer.

Kinderbetreuung, Jugend und Familien

Die Bürgermeisterin erwähnte die enormen Investitionen im Kindergarten- und Schulbereich. Zwei Kindertagesstätten seien gebaut worden. Die Anzahl der Plätze sei von 244 auf 414 gestiegen. Die Ganztagsbetreuung an der Schule wolle man noch weiter ausbauen. Die Jugendarbeit, so Merz, habe die Gemeinde mit dem Ausbau des Jugendraums verbessert.

Im Bereich der Kinderbetreuung sei Zimmern gut aufgestellt, räumte der Mitbewerber ein. Auf die Nachfrage von Anna-Katharina Riesener („Wie wollen Sie Zimmern für Familien attraktiver machen?“) meinte der Herausforderer: „Bei der Jugendarbeit kann man noch mehr tun.“ Wiese nannte als Beispiel die Einrichtung eines Jugendgemeinderats.

Die Bürgermeisterin zählte als nächste Projekte im Freizeitbereich das Basketballfeld und den Soccer-Court in Stetten auf.

Kommunikation und Bürgernähe

Das Rathaus scheine ihm verschlossen zu sein, sagte Wiese. „Mir fehlt die Ehrlichkeit, es wird nicht mit offenen Karten gespielt“, stellte der Bewerber in den Raum, ohne dabei konkret zu werden. Bei wichtigen Themen plädierte der Kandidat für die Durchführung von Bürgerentscheiden. Im Falle seiner Wahl stellte er regelmäßige Bürgergespräche in Aussicht.

Markus Wiese Foto: Weisser

Dazu kam später die Frage von Pascal Teufel: „Warum haben Sie bisher im Wahlkampf nicht die Bürgernähe gesucht?“ Das sei der knappen Zeit geschuldet, werde aber noch passieren, versicherte Wiese. So sei er am kommenden Sonntag ab 16 Uhr im Sportheim.

Bisher habe Markus Wiese keine Fragen bei Gemeinderatssitzungen gestellt, noch habe man ihn bei den Vereinen gesehen, warf Hans-Georg Scherfer in einem kurzen Statement zum selben Thema dem Bewerber vor.

Carmen Merz („Der Mensch im Mittelpunkt, das bleibt meine Devise“) erwähnte die angepassten Servicezeiten. Damit könne sich jeder an das Rathaus wenden.

Neue Dreifeldsporthalle

Mit dem Beginn der Bauarbeiten für die neue Sporthalle sei den Sportvereinen ein seit mehr als 30 Jahren bestehender Wunsch erfüllt worden, hob Merz hervor und ergänzte: „Zimmern kann sich die geplante Kreditaufnahme leisten, ohne deshalb auf Notwendiges verzichten zu müssen“.

Hinsichtlich der Schuldenaufnahme sprach Markus Wiese von „einem unüberlegten Umgang mit Geld“.

Er hätte es besser gefunden, die Zimmerner Festhalle zu einer Mehrzweckhalle umzubauen, als in eine neue Sporthalle zu investieren, äußerte Bürger Konrad Flaig. Sein weiterer Kritikpunkt: Die Kinder müssten mit dem Bus zur neuen Sporthalle gefahren werden. Anders sei dies nicht möglich, entgegnete Merz. Eine Standortalternative habe sich im Ort nicht finden lassen. Schon vor vielen Jahren sei der Grundstein für den Standort beim Sportgelände gelegt worden.

Die Teilorte

Er wolle die eigene Identität der Teilorte stärken und sich für ein gleichgewichtiges Miteinander einsetzen, versprach Bewerber Wiese. Wie er sich das im Einzelnen vorstelle, wollte Horgens Ortsvorsteherin Frauke Ohnmacht von ihm in der Fragerunde wissen. Dieser („Der Fokus wird zu sehr auf den Kernort gelegt“) forderte allgemein eine Forcierung der „Entwicklungsarbeit im Eschachtal“.

Ärztliche Versorgung

Bei der medizinischen Versorgung bietet Zimmern laut der Bürgermeisterin „ein solides Fundament“. Trotz großer Bemühungen der Verwaltung sei bisher keine Nachfolge für die Kinderärztin gefunden worden, bedauerte die Rathauschefin. Weitere Gespräche würden geführt. Eine Kommune könne dieses Problem jedoch nicht allein lösen. Interkommunale Zusammenarbeit sei gefordert, um nach Lösungen zu suchen. Anna-Katharina Riesener hatte zur medizinischen Versorgung der Kinder nachgehakt.

Visionen

Alle Bürger hätten Visionen, diese müssten zum Ausdruck kommen, erwiderte Wiese auf die Frage von Rosetta Flaig, welche Zukunftsvorstellungen er für Zimmern habe. Wiese kündigte an: „Ich werde mir noch was überlegen.“

Christine Löffler wollte wissen, wie lange Zimmern bei einem länger anhaltenden Stromausfall mit Wasser und Strom sich versorgen könne, was die Bürgermeisterin so nicht beantworten konnte.

Zu großer Gemeinderat

Der Gegenkandidat prangerte die Größe des Gemeinderats an. Das Zimmerner Gremium zähle 25 Sitze, dem Rottweiler Gemeinderat gehörten 26 Mitglieder an. Er wisse um die Situation der Ausgleichsmandate, doch könnte man die grundsätzliche Zahl von 18 auf 14 Sitze reduzieren, antwortete Wiese auf Nachfrage von Jürgen Kramer.

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