Steinens Bürgermeister Gunther Braun (rechts) überreicht Wahlsieger Andreas Spicker ein Glas Honig. Im Hintergrund spielt der Musikverein „Edelweiß“ auf. Foto: Gerald Nill

Dass die Bürgermeisterwahl in Malsburg-Marzell bei vier Bewerbern im ersten Wahlgang so eindeutig ausfiel, überraschte viele – auch Amtsinhaber Mario Singer, der sich „entsetzt“ zeigt.

Der künftige Bürgermeister von Malsburg-Marzell, Andreas Spicker, trat nach der Ergebnisverkündung nach vorne, dankte den Wählern sowie der Familie und bat die Bürger um Nachsicht, wenn anfangs noch nicht alles rund laufe. Zu den abgegeben Wahlversprechen stehe er ausdrücklich und werde sich voll für den Ort einsetzen: „Ich werde ab morgen die Ärmel hochkrempeln und mich auf das Amt vorbereiten“, versprach Spicker.

 

Noch ehe der künftige Bürgermeister der Berggemeinde die zahlreichen Glückwünsche entgegen nahm, war der deutlich unterlegene Amtsinhaber aus der Halle gerauscht. Auf telefonische Nachfrage am Folgetag erklärte Mario Singer sein rasches Verschwinden am Sonntagabend aus dem Bürgerhaus Edenbach nach dem Wahlergebnis mit: „Entsetzen. Es war nicht Enttäuschung, es war Entsetzen.“

Er habe als Bürgermeister darauf hingearbeitet, „immer das Maximum für die Gemeinde herauszuholen“. Er verwies auf die Wasserversorgung, die Bemühungen, Windparks im Kandertal einzudämmen, und die Ausweisung zweier Neubaugebiete. Dass er sich auch woanders beworben habe, habe mit „persönlichen Anfeindungen im Gemeinderat“ zu tun gehabt.

Singer war am Wahlabend rasch verschwunden

Auf die Frage, ob er jetzt einen „Plan B“ in der Tasche habe, antwortete Singer: „Ich setze nie auf nur ein Pferd.“ Er ließ durchblicken, dass es neue Perspektiven gebe: „Es gibt so viele Sachen, die man angehen kann, um zu neuen Ufern aufzubrechen.“ Unter Hinweis auf sein Alter, 63 Jahre, könne man neue Beschäftigungen nun – nach einer „60-Stundenwoche“ als Bürgermeister – auch mal etwas ruhiger angehen lassen.

Wann er seine Funktion im Bürgermeisteramt wieder ausführen werde, könne er aktuell nicht sagen. Er sei derzeit nicht krank geschrieben, habe aber noch Urlaub und Überstunden.

Die anderen beiden Herausforderer, Uwe Oehlschläger und Ralf Agast, gaben sich am Wahlabend als faire Verlierer: Oehlschläger versicherte, das Ergebnis sei für ihn keine Enttäuschung, er könne mit dem Wahlausgang gut leben. Und Argast betonte: „Das ist Demokratie.“ Er würdigte den fairen Wahlkampf und wünschte Spicker „alles Gute für seine schwere Aufgabe“.

Ergebnis wird um 19.08 Uhr verkündet

Die Spannung am Wahlabend war zuvor ins schier Unermessliche gewachsen, als Wahlleiter Patrick Seemann um 19.08 Uhr ans Mikrofon im Bürgerhaus Edenbach trat. Er dankte den Wahlteams, nannte die Wahlbeteiligung in Höhe von 65,8 Prozent, „die noch etwas Luft nach oben hatte“, und verkündete dann das Ergebnis.

Seemann begann bei Amtsinhaber Mario Singer, der lediglich 90 Stimmen oder knapp 11,7 Prozent der Stimmen auf sich vereinen konnte. Die beiden Herausforderer Uwe Oehlschläger und Ralf Argast verbuchten 26 Stimmen (knapp 3,4 Prozent) beziehungsweise 47 Stimmen (6,1 Prozent).

Klarer Wahlsieger des Abends: der 43-jährige stellvertretende Leiter des Finanzamts Lörrach, Andreas Spicker (605 Stimmen, knapp 78,6 Prozent). Im Moment des Triumphs verbarg er sein Gesicht in den Händen, umarmte dann innig seine Ehefrau.

Bürgermeister gratulieren

Das restlos gefüllte Bürgerhaus Edenbach spendete herzlichen Applaus, darunter die gratulierenden Bürgermeister: aus dem Kleinen Wiesental, Stefan Niefenthaler, aus Steinens Gunther Braun und aus Schliengen Christian Renkert.

Hauptamtsleiter Seemann am Mikrofon wertete das eindeutige Resultat als „Zeichen für den Aufbruch“. Landrätin Marion Dammann hielt ein kurzes Plädoyer für den ländlichen Raum, dankte kurz dem Noch-Amtsinhaber Singer und lobte dann die Qualitäten des Nachfolgers: Spicker sei nicht nur ein „Mann der Zahlen“, sondern Gemeinderat, Familienmensch, Sportler und Ehrenamtler. Das werde ihm als Bürgermeister von Nutzen sein. Die Eindeutigkeit des Wahlergebnisses sei gut für Malsburg-Marzell. Sie freue sich auf die Zusammenarbeit, schloss Dammann.

Der Wahlsieger lädt zum Umtrunk ein

Der Männergesangverein stimmte schließlich den Schlager „Über den Wolken“ an, über denen Spicker an diesem Abend sicherlich schwebte, und der Musikverein „Edelweiß“ Malsburg-Marzell spielte das Badner Lied, bei dem das ganze Bürgerhaus Edenbach mitsang.

Dann wurde ausgiebig gefeiert. Der Wahlsieger lud spontan alle Gäste zum gemeinsamen Umtrunk ein.