Uwe Oehlschläger würde gerne Bürgermeister von Malsburg-Marzell werden. Foto: Oehlschläger

Uwe Oehlschläger, der bei der Malsburg-Marzeller Bürgermeisterwahl kandidiert, stellt sich den Fragen der Redaktion.

Welche Schwerpunkte wollen Sie in Ihrer künftigen Arbeit setzen?

 

Mir ist wichtig, dass das tägliche Leben bei uns funktioniert: sichere Straßen, verlässliche Kinderbetreuung und Unterstützung für ältere Menschen. Gerade im Berggebiet merkt man schnell, wenn etwas fehlt – etwa beim Bauen für die eigenen Kinder oder bei Fahrdiensten und Mitnahmebänken für Ältere. Außerdem will ich die Infrastruktur stärken und unsere Landwirte besser unterstützen.

Die finanzielle Handlungsfähigkeit der Gemeinde ist stark eingeschränkt. Was können Sie noch gestalten?

Auch mit wenig Geld kann man gestalten: durch klare Prioritäten und konsequentes Nutzen von Fördermitteln. Wir müssen uns auf das Wesentliche konzentrieren – Infrastruktur, Sanierungsmaßnahmen an Kindergarten und Grundschule sowie gemeindeeigenen Gebäuden. Auch Fahrdienste oder Mitnahmebänke für Ältere können wir unterstützen. Wichtig ist, sinnvoll zu planen und zusammenzuarbeiten.

Sehen Sie Malsburg-Marzell als Teil des ländlichen Raums im Landkreis finanziell angemessen berücksichtigt?

Teilweise, aber noch nicht ausreichend. Kleine Gemeinden haben höhere Kosten, etwa bei Straßen, Wasser oder Winterdienst im Berggebiet. Auch die Grundschule kostet mehr, wenn die Kinderzahlen steigen. Hinzu kommen Sanierungen und teure Anschaffungen für die Feuerwehr. Förderprogramme sind wichtig, aber oft kompliziert. Sonst bleibt der ländliche Raum im Nachteil.

Was kann der Landkreis tun, damit die ländliche Region gefördert und nicht abgehängt wird?

Der Landkreis sollte vor allem die Mobilität weiter verbessern und kleine Gemeinden stärker unterstützen. Die Digitalisierung ist bei uns weitgehend umgesetzt. Wichtig ist aber auch, dass Orte wie Malsburg-Marzell als Erholungsgebiet für umliegende Städte anerkannt werden. Viele nutzen das Angebot, ohne dass wir zusätzliche Einnahmen haben. Hier braucht es gerechtere Lösungen.

Was müsste sich in Sachen Verkehrsanbindung der Gemeinde verbessern?

Wir brauchen bessere Taktungen, verlässliche Verbindungen und gute Anschlüsse. Gerade für Pendler, Schüler und ältere Menschen ist ein alltagstauglicher ÖPNV entscheidend. Viele würden gern auf Bus oder Bahn umsteigen, gerade aus Umweltgründen, können es aber nicht, weil die Angebote fehlen. Mobilität darf nicht davon abhängen, wo man wohnt.

Wie stehen Sie zum Thema Windkrafträder im Südschwarzwald?

Ich bin für erneuerbare Energien, auch für Windkraft – aber mit Augenmaß. Niemand hat etwas dagegen, aber die Menge macht es. Gerade in Vorranggebieten für Natur- und Wasserschutz muss besonders sorgfältig abgewogen werden. Viele haben das Gefühl, dass Entscheidungen von oben getroffen werden. Deshalb braucht es echte Mitsprache, Transparenz und einen fairen Nutzen für die Gemeinde.

Kann sich Malsburg-Marzell im Tourismusgebiet Südschwarzwald noch besser positionieren?

Ja, mit einem klaren Profil. Malsburg-Marzell kann sich als Ort für naturnahen, ruhigen Tourismus positionieren. Qualität statt Masse sollte im Vordergrund stehen. Dazu gehören gute Vermarktung, gepflegte Wege, attraktive Angebote und eine enge Zusammenarbeit mit der Region. So können wir unsere Stärken gezielt sichtbar machen und Gäste langfristig gewinnen.

Stichwort Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder: Was kann Malsburg-Marzell leisten?

Wir müssen die Ganztagsbetreuung schrittweise ausbauen, da der Anspruch ab 2026 eingeführt wird und nach und nach alle Klassen betrifft. In Malsburg-Marzell gibt es bereits eine Kernzeitbetreuung, auf der wir aufbauen können. Wichtig sind ausreichend Personal und passende Räume. Als kleine Gemeinde brauchen wir dabei Unterstützung, um ein verlässliches Angebot für Familien zu schaffen.

Warum sollten junge Familien nach Malsburg-Marzell ziehen?

Malsburg-Marzell bietet Natur, Sicherheit und eine starke Gemeinschaft. Kinder wachsen hier mit der Natur auf und in einem überschaubaren Umfeld. Gleichzeitig brauchen Familien verlässliche Betreuung, gute Infrastruktur und bezahlbaren Wohnraum. Wenn wir das sichern, bleibt unsere Gemeinde ein attraktiver Wohnort für junge Familien und neue Zuziehende.

Welche Ursache hat aus Ihrer Sicht das hohe AfD-Ergebnis bei der Landtagswahl?

Das Ergebnis hat viele Ursachen: Unzufriedenheit mit der Politik, Sorgen um steigende Kosten, Migration und das Gefühl, nicht ausreichend gehört zu werden. Entscheidend ist, diese Themen ernst zu nehmen, transparent zu kommunizieren und konkrete Lösungen anzubieten. Politik muss wieder näher an den Menschen sein und Vertrauen durch verlässliches Handeln schaffen.