Andreas Spicker, der für das Bürgermeisteramt kandidiert, präsentierte sich freundlich und realistisch beim Kennenlerngespräch in Marzell.
26 Bürger waren am Montagabend der Einladung in die Gmeistube gefolgt. Zu seinen vorhergehenden Terminen in Vogelbach, Kaltenbach und Lütschenbach seien jeweils 20 bis 30 Bürger gekommen, sagte er auf Anfrage.
Der 43-jährige Jurist arbeitet seit sieben Jahren im Lörracher Finanzamt, aktuell als stellvertretender Leiter. „Ich hab’ da einen guten, wichtigen Job und gute Bezahlung“, fand er. Er wäre jedoch gerne etwas näher dran an den Menschen: „Es gibt wenig Jobs, die schöner sein könnten, als Bürgermeister in einer kleinen Gemeinde zu sein – so schwierig die Umstände mitunter auch sind.“
Seit 2024 habe er als Kanderner Gemeinderat und Tannenkircher Ortschaftsrat einen Einblick in die Kommunalpolitik gewonnen. Zur Kandidatur in Malsburg-Marzell habe er sich wegen seiner engen persönlichen und familiären Verbundenheit zur Gemeinde entschieden.
Zu den vielen Fragen der Bürger gehörte auch die, ob er im Fall eines Wahlsiegs zwei Jahre später zur Bürgermeisterwahl in Kandern antreten wolle. Das verneinte Spicker energisch. Antreten wolle er zu den Kreistagswahlen 2029. Wie wichtig der direkte Draht zum Kreistag sei, erlebe er im Kanderner Stadtrat mit seinen zwei Kreisräten.
Für Mehreinnahmen
Was das Anzapfen von Fördertöpfen betreffe, müsse er sich da hineinarbeiten und fürs Erste auf die Kompetenz der Verwaltungskräfte vertrauen, sagte Spicker auf Nachfrage. Zur Verhinderung von Kostenüberschreitungen bei Baumaßnahmen versprach er, bei Ausschreibungen ganz genau hinzusehen. Sein großes Ziel sei es, neue Einwohner zu gewinnen, das bringe Mehreinnahmen über den Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer.
Medienberichte über den Ausfall des Schülerbusses in den Ortsteilen indes könnten junge Familien davon abhalten, sich hier anzusiedeln – und für einen Bürgermeister sei es schwierig, eine schnelle Lösung für das zeitlich begrenzte Busproblem zu finden.
Laut Landratsamt Lörrach wird das Linienbündel Markgräflerland ab 13. Dezember von der Bietergemeinschaft Regio Verkehrsgesellschaft Oberrhein/SWEG Bus betrieben und auch den Schülerverkehr in Malsburg-Marzell integrieren.
Ganztagsbetreuung: Nach Tannenkirch ausweichen?
Ab September haben Erstklässler das Recht auf einen Ganztagsschulplatz, den Malsburg-Marzells Grundschule nicht anbieten kann. Eventuell, meinte Spicker, ließen sich einige Plätze in Tannenkirchs Ganztagsschule ermöglichen.
Ein Bürger schlug einen Platz der Gemeinde am runden S-Bahn-Tisch vor, da es bei Verwirklichung der S-Bahnlinie durch das Kandertal eine gute Busanbindung vom Kanderner Bahnhof nach Malsburg-Marzell brauche. Der Vorschlag sei gut, fand Spicker, versprechen könne er jedoch nichts.
Windkraft ist Thema
Zur Windkraft sagte er: „Wir als Wohlstandsgesellschaft haben einen hohen Energieverbrauch.“ Setze man auf fossile Energieträger, sei man „Spielball der Weltmächte“.
Zur Verhinderung einer großen Zahl von Windrädern sehe er lediglich die Möglichkeit, potenzielle Zuwegungen durch Privatwald zu verhindern. Im Falle seiner Wahl werde er diese Eigentumsverhältnisse genau abklären: „Aber ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich Windradstandorte verhindern kann.“