In Lauterbach blieb sein Stuhl hingegen leer. Foto: Dold

Er ist zur Bürgermeisterwahl zugelassen und somit der vierte Kandidat. Allzu viel Interesse scheint Samuel Speitelsbach aber nicht daran zu haben, Bürgermeister von Lauterbach zu werden.

Lauterbach - Bei der Kandidatenvorstellung am vergangenen Freitag blieb sein Stuhl leer. Die Anreise wäre zugegebenermaßen auch ziemlich weit gewesen, lebt Speitelsbach doch in Ravenstein-Hüngheim, das zwischen Heilbronn und Würzburg liegt. Die 200 Kilometer Anfahrt sparte er sich also.

Seine Chancen auf den Chefsessel im Lauterbacher Rathaus dürften ohnehin gering sein: Speitelsbach trat seit 2019 bei mehr als 100 Bürgermeisterwahlen an – viele Stimmen holte er nie. In Kolbingen erhielt er nicht eine einzige Stimme, in Münsingen hingegen waren es immerhin 11,69 Prozent. Angetreten ist er in der Region schon in Eschbronn, Gutach, Schömberg und Rosenfeld.

Der Polizei übergeben

Dass es nicht zu mehr reichte, dürfte vor allem am "Wahlprogramm" und kuriosen bis bizarren Äußerungen und Handlungen liegen. Bei der Kandidatenvorstellung in Weinsberg zeigte er beispielsweise während seiner Rede mehrfach den Hitlergruß – zwar mit der linken Hand, aber eindeutig als solchen zu erkennen. Das Ende vom Lied: Er wurde des Saales verwiesen und der Polizei übergeben. Speitelsbach selbst hat diesen Vorwurf Medienberichten zufolge zwar dementiert, ein Video der Rede ist jedoch unter anderem auf YouTube noch heute zu sehen. Zudem geriet er schon mehrfach ins Visier der Staatsanwaltschaft wegen Volksverhetzung. Die Verfahren wurden aber wieder eingestellt.

Bei früheren Gesprächen mit unserer Redaktion sagte er, er kandidiere zum eigenen Schutz. An einem Ostersamstag hätten zwei Neonazis versucht, ihn umzubringen. Da Polizei und Staatsanwaltschaft diese Tatsache vertuschen würden, sei klar, dass es sich hier um V-Männer gehandelt habe.

Fridi Miller als Chefdiplomatin

Kontakt gibt es auch zur Dauerkandidatin Fridi Miller, die zur Bürgermeisterwahl in Hardt angetreten war – mit bescheidenem Erfolg. Diese hätte Speitelsbach diplomatisch vertreten, so seine Vorstellung.

Eine weitere Aussage: Geld werde überschätzt. Stattdessen würde er wieder den Tauschhandel einführen und Wölfe zum Verzehr züchten. Auch die Einführung des Kommunismus schwebte ihm schon vor und die Taufe von Flüchtlingen in Seenot.

Wasserstoff aus Süditalien?

Für Bad Liebenzell wollte er eine Partnergemeinde in Süditalien finden und dort durch Solarenergie Wasserstoff produzieren lassen. Dieser solle mit Luftschiffen nach Bad Liebenzell transportiert werden. Dazu wollte er aus mit Sonnenspiegeln betriebenen Dampfmaschinen Energie und Wasser gewinnen.

Für das letzte Drittel des Jahres 2022 hat er sich bereits jetzt in mindestens fünf weiteren Gemeinden – unter anderem Lauterbach, Sulz und Wolfach – um den Rathaus-Sessel beworben. Fridi Miller hat er mit dann 106 Wahlen längst überholt – sie hatte sich in Baden-Württemberg lediglich 64 mal auf den Posten des Schultes beworben.

Was Speitelsbach für Lauterbach vorgehabt hätte? Das bleibt im Ungewissen: "Der Teilnehmer ist nicht erreichbar, wird aber per SMS über Ihren Anruf informiert", sagt eine Stimme vom Band beim Anruf auf seiner Nummer.