Einzeln hörte sich die Bürgermeister-Kandidatin an, was die Bitzer Bürger bewegt. Foto: Eyrich

Dass Raphaela Gonser mit Geld umgehen kann, wissen die Bitzer schon von ihrer Kämmererin. Doch kann sie auch Bürgermeisterin? Jene, die das wissen wollten, sind zahlreich gekommen zu ihrem ersten Vorstellungsabend im Sportheim.

Ein „Weiter so“ – das hat Raphaela Gonsers erstes Bürgergespräch mit den Bitzern im Sportheim am Mittwochabend gezeigt, wollen viele nicht: „Bürgermeister Hubert Schiele hat fachlich solide gearbeitet, war dadurch unangreifbar, aber eben ein Verwalter“, sagte eine Bitzerin nach dem gut halbstündigen Referat der bisher einzigen Kandidatin für die Bürgermeisterwahl am 25. Februar. Die Wählerin wünscht sich „jemanden mit kreativen Ideen“.

 

Voll besetzt war das Sportheim beim Bürgergespräch der ersten Bürgermeisterkandidatin Raphaela Gonser. /Eyrich

An die Spitze der Ihren stellte die 34-jährige Kämmererin in Bitz, die mit ihrem Mann in Ebingen lebt und aus Winterlingen stammt, ein Thema, „das allen unter den Nägeln brennt“, wie sie aus Rückmeldungen weiß: die ärztliche Versorgung. Mithilfe eines Förderkonzepts, einer Startprämie, Hilfe bei der Suche nach Wohnraum und einer Arbeitsstelle für die Partnerin oder den Partner sowie einem Kita-Platz könne die Gemeinde die Ansiedlung von Ärzten unterstützen, so Gonser.

Ein Treffpunkt für alle Generationen

Ihr ganz wichtig ist die Stärkung des Ehrenamtes und der Vereine – nicht nur durch „Ausbau der Förderrichtlinien“ und die Bereitstellung von Räumen, sondern auch durch sichtbare Auszeichnungen, etwa am Ehrenamtstag, und vor allem durch Unterstützung des Austausches zwischen den Vereinen.

Auch mit den jüngeren Bitzern suchte Raphaela Gonser das Gespräch. Sie sind mit manchem nicht zufrieden. /Eyrich

Überhaupt: die Kommunikation. Für die Generationen schwebt Raphaela Gonser ein Treffpunkt im ehemaligen Volksbank-Gebäude vor, das die Stiftung „Gemeinsam in Bitz“ derzeit sanieren lasse. Betreutes Wohnen könne die Gemeinde gar unterstützen, indem sie ein Gebäude dafür baue und vermiete. Das „Sahnestückle“ dafür habe sie freilich an den Verein Mariaberg für sein Wohnprojekt verkauft, kritisierte eine Bürgerin. „Warum hat die Gemeinde es nicht fertiggekriegt, das Grundstück selbst zu bebauen?“

„Flächengewinnung durch Innenentwicklung“ lautet für Gonser die Lösung der Bitzer Platzprobleme. Außerdem will sie das Supermarkt-Taxi für nicht mobile Bitzer bedarfsgerecht ausbauen.

Nach dem offiziellen Teil sprach die Kandidatin mit den Bürgern an den Tischen. /Eyrich

„Bedarfsgerecht“ lautet ihr Schlagwort auch beim Thema Bildung und Kinderbetreuung, denn ab 2026 müsse das Ganztagsangebot an der Grundschule weiter ausgebaut und Ferienbetreuung nicht nur vormittags, sondern auch nachmittags angeboten werden.

Neben der Quantität kommt es ihr beim Angebot auch auf gute Qualität an, betonte sie auch mit Blick auf die Digitalisierung der Lichtensteinschule, die über Whiteboards und Beamer hinausgehen müsse, um gute Lehrer zu bekommen.

Das Konzept steht – nur der Betreiber fehlt noch

Über die Verbesserung der Gewerbesteuereinnahmen hat sich die Finanzfachfrau ebenfalls Gedanken gemacht und sieht Erweiterungspotenzial für das Gewerbegebiet rund um den Netto-Markt.

Mehrere Bürger wünschten sich freilich auch eine attraktivere Ortsmitte und mehr Einkaufsangebote sowie die Umsetzung des Nahwärmekonzepts Ortsmitte. „Das Konzept steht, aber wir haben noch keinen Betreiber gefunden“, erklärte die Kandidatin.

Das zu schaffen ist einer der Punkte, den sie für den Fall ihrer Wahl als Hausaufgabe mitgenommen hat aus dem Sportheim.

„Die Wertschöpfung sollte im Ort bleiben“

Ein weiterer Punkt: Die Freiflächen-Solaranlage am Hang ist bisher nur als Projekt der Energie- und Wasserversorgung Bitz GmbH geplant. Ein Bitzer wünschte sich freilich, dass sich auch Bürger beteiligen können, und rannte bei Raphaela Gonser offene Türen ein: „Natürlich ist das sinnvoll, damit die Wertschöpfung auch im Ort bleibt.“

Nicht im Ort bleiben können viele Jugendliche, die sich abends noch treffen und in Gruppen zusammensein wollten – und müssen nach Winterlingen ausweichen, wo es solche Treffpunkte, meist Bauwägen, gebe, wie ein junger Bitzer verriet.

Mit ihm und seinen Freunden sprach Gonser nach dem offiziellen Teil am Tisch über ihre Wünsche – genauso wie mit den anderen Besuchern. Nächste Gelegenheit, mit ihr zu sprechen, ist am Mittwoch, 7. Februar, ab 15.30 Uhr im Gasthaus „Plutos Eck“.