Dauerkandidat Samuel Speitelsbach versucht nun auch in der Gemeinde Waldachtal sein Glück, wo er einer von vier Bürgermeister-Kandidaten ist. Foto: Maier

Im Rahmen der öffentlichen Sitzung des Waldachtaler Gemeindewahlausschusses wurde bekannt, dass Samuel Speitelsbach aus Ravenstein der dritte Bewerber um das Bürgermeisteramt in der Gemeinde Waldachtal ist.

Waldachtal - Speitelsbach ist in Baden-Württemberg längst kein Unbekannter mehr. Seit 2019 kandidierte er bei über 100 Bürgermeisterwahlen. In diesem Jahr reichte der umstrittene Dauerkandidat seine Bewerbung unter anderem in Lauterbach, Sulz, Dobel, Wolfach – und nun auch in Waldachtal ein. Speitelsbach will Bürgermeister werden, egal wo. Aber warum?

Er kandidiere zu seinem eigenen Schutz, erklärte Speitelsbach mehrfach bei früheren Gesprächen mit der Redaktion des Schwarzwälder Boten. Denn, an einem Ostersonntag hätten zwei Neonazis versucht, ihn umzubringen. Da Polizei und Staatsanwaltschaft diese Tatsache vertuschen würden, sei klar, dass es sich hier um V-Männer gehandelt habe.

Kuriose Äußerungen in der Vergangenheit

Speitelsbach sorgte mit weiteren kuriosen Äußerungen und Ideen in der Vergangenheit für Schlagzeilen. So werde Geld laut Speitelsbach überschätzt. Er würde stattdessen den Tauschhandel wieder einführen und Wölfe zum Verzehr züchten. In seinem Wahlflyer für die Bürgermeisterwahl in Baiersbronn in 2019 bezeichnete er Eva Braun als einzigen Gott und Adolf Hitler als seinen Propheten. Sich selbst verlieh er den Titel "König von Christi Gnaden".

Bei der Kandidatenvorstellung in 2020 in Weinsberg wurde der Bürgermeister-Kandidat des Saals verwiesen und verabschiedete sich mit dem Hitlergruß – wenn auch mit der linken Hand. Er geriet laut früherer Berichte auch schon ins Visier der Kriminalpolizei wegen Verdachts der Volksverhetzung.

In Münsingen erhielt Speitelsbach 11,69 Prozent der Stimmen

Die wenigsten Stimmen (0 Prozent) erhielt er in Kolbingen am 21. März 2021, die meisten (11,69 Prozent) am 26. September 2021 in Münsingen. Bei keiner Wahl konnte Speitelsbach bisher die Wähler überzeugen.

Der Gemeindewahlausschusssitzung am Montag blieb der 35-jährige Ingenieur fern. Ebenso reagierte Speitelsbach nicht auf die schriftliche Anfrage nach seinem Berufsstand, welcher auf dem Wahlzettel abgedruckt werden muss. Auch telefonische Kontaktversuche von Seiten der Gemeinde blieben unbeantwortet. Der Ausschuss einigte sich daher darauf, dass unter dem Berufsstand "nicht bekannt" aufgeführt wird.

Drei weitere Kandidaten neben Speitelsbach

Außer dem umstrittenen Bürgermeisterkandidat Speitelsbach wohnten alle Bewerber der Sitzung bei. Die Kandidaten werden gemäß des Eingangsdatums ihrer Bewerbung auf dem Wahlzettel aufgelistet: Annick Grassi, Nikolaus Geiger, Samuel Speitelsbach und Friedrich Hassel.

Am Dienstag, 20. September, wird der Gemeinderat darüber abstimmen, ob eine öffentliche Vorstellung der Bewerber stattfinden soll. Als möglicher Termin hierfür wurde der Freitag, 30. September, 19.30 Uhr, im Haus des Gastes in Lützenhardt anvisiert.