Denis Scharwächter ist einer von drei Kandidaten, die sich bei der Bürgermeisterwahl am 13. Oktober in Unterreichenbach zur Wahl stellen. Er wäre ein Quereinsteiger, sollte er gewählt werden.
Welchen Hintergrund bringt Scharwächter mit? Worin liegt seine Motivation, um Bürgermeister in Unterreichenbach zu werden?
Motivation Scharwächter hat keine Erfahrung in der Verwaltung. Doch darin sieht er keinen Nachteil. Im Gegenteil: Als Fachgebietsfremder will er frisches Denken in das Rathaus bringen. Dabei hat Scharwächter die Möglichkeit, sich in der eigenen Familie juristischen Rat zu holen, denn seine Frau ist Richterin. Mit 42 Jahren ist er der jüngste unter den drei Bewerbern und hat damit aller Wahrscheinlichkeit nach die längste Restarbeitszeit. Nach seiner Auffassung ergibt es keinen Sinn, nur für eine Periode von acht Jahren zu kandidieren: „In der ersten Wahlperiode sät man, in der zweiten erntet man.“
Gemeindefinanzen Scharwächter weiß, dass die finanziellen Spielräume der Gemeinde Unterreichenbach nicht allzu groß sind. Das Wichtigste ist für ihn, dass im Ort zusammengearbeitet wird, denn bestimmte Aufgaben muss die Kommune in den nächsten Jahren trotz aller Finanznöte angehen.
Feuerwehr Dazu zählt unter anderem das Feuerwehrgerätehaus. Damit müsse sich ein künftiger Bürgermeister in der nächsten Amtsperiode beschäftigen, ist Scharwächter überzeugt. Hier sei eine bedarfsgerechte Lösung zum Wohle der Gemeinde notwendig. Er erwartet durchaus „heiße Diskussionen“.
Überzeugungsarbeit nötig
Zunächst geht es um das Gebäude selbst. Ein Thema sind die Sozialräume. Es müsse eine Diskussion darüber geführt werden, wer die Räume nutzen dürfe, so Scharwächter. Dabei sei einiges an Überzeugungsarbeit nötig. Darüber hinaus müsse die Gemeinde auch den Fahrzeugbestand der Feuerwehr im Blick haben.
Die Herausforderungen für die Feuerwehr würden wegen des Klimawandels ohnehin noch größer. Sie müsse angesichts der steigenden Hochwassergefahr entsprechend ausgerüstet sein, gibt Scharwächter zu bedenken.
Kooperationen Dabei sei eine kreisübergreifende Zusammenarbeit notwendig. Ohnehin will Scharwächter die Kooperation mit den Nachbarkommunen ausbauen. Mit Bad Liebenzell hat Unterreichenbach ohnehin eine Verwaltungsgemeinschaft.
Bildung Ein weiterer wichtiger Punkt ist für ihn die Bildung. Als werdender Vater mache er die Themen Kindertagesstätte und Schule demnächst ohnehin selbst durch. Ein besonderes Augenmerk hat er auf die Ganztagsschule. Darauf haben Eltern ab 2026 einen Rechtsanspruch. Zu 100 Prozent werde dieser Anspruch aber nie genutzt, ist sich Scharwächter sicher. Davon abgesehen müsse das Schulgebäude zudem laufend instand gehalten werden und energetisch auf dem neuesten Stand sein.
Klima- und Umweltschutz Auch Umweltthemen haben für Scharwächter eine große Bedeutung. Photovoltaikanlagen und Windräder will er nicht ausschließen, wo sie sinnvoll seien.
Ein wichtiges Anliegen ist ihm die Müllbeseitigung. Es soll im Ort regelmäßig eine Landschaftsputzete geben, zum Beispiel vor dem Talhubenfest. Wenn es danach zum Grillen gehe, seien die Bewohner schon wieder an einem Tisch.
Reparieren statt wegwerfen
Im Sinne der Nachhaltigkeit wünscht sich Scharwächter ein Repair-Café. Gegenstände sollen repariert und nicht gleich weggeworfen werden. Dabei könnten handwerklich begabte Leute ihre Fähigkeiten einbringen. Und zudem lernten sich Menschen kennen. Die Gemeinde stelle die Räumlichkeiten zur Verfügung und sorge für Kaffee und Kuchen.
ÖPNV Beim Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) hat Scharwächter ebenfalls Ideen. Er will sich für einen Bedarfshalt der Kulturbahn in Dennjächt stark machen. Dieses Thema dürfte eine Rolle spielen, wenn er sich am Sonntag, 29. September, ab 18 Uhr im Landgasthof Adler in Dennjächt vorstellt.
Neben diesem Bedarfshalt ist ein Ruftaxi ein weiteres Anliegen.
Wirtschaft All diese Vorhaben müssen auf die eine oder andere Weise finanziert werden. Als Mann aus der Automobilindustrie ist Scharwächter klar, dass Wohlstand letztlich von gut gehenden Betrieben abhängt. Deshalb möchte er das Handwerk und die Landwirtschaft im Rahmen seiner Möglichkeiten stärken.
Dabei komme es auf den Einzelfall an, wie er einem Unternehmen unterstützen könne.
Das müsse nicht immer Geld sein. Es sei mitunter schon hilfreich, die entsprechenden Verbindungen herzustellen.
Ortsdurchfahrt Nichts hält Scharwächter von einem durchgehenden Tempo 30 in der Ortsdurchfahrt von Unterreichenbach. Die B 463 sei eine Durchfahrtsstraße. Er hält es für sinnvoller, an Gefahrenpunkten wie Schulen und Altenheimen eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde vorzuschreiben, wie dies jetzt schon der Fall sei. Dabei bleibe die Aufmerksamkeit der Lastwagenfahrer für die Gefährdungsstellen erhalten.
Wohnraum Auch in Unterreichenbach geht es wie fast überall um zusätzlichen Wohnraum. Da müsse es den ein oder anderen Lückenschluss geben, ist er überzeugt.
Scharwächter geht zudem davon aus, dass die Gemeinde weitere Flüchtlinge integrieren muss.
Bürgerdialog Scharwächter wohnt mit seiner Frau zwar erst seit Ende Juli in Unterreichenbach, ist aber schon sehr beeindruckt vom großen Zusammenhalt in der Gemeinde. Vor diesem Hintergrund hält er es für ungemein wichtig zu erfahren, was die Bürger vom Gemeinderat und vom Rathaus erwarten. Scharwächter will deshalb zwei Mal im Jahr einen Bürgerdialog abhalten, sollte er gewählt werden.