Samuel Speitelsbach erhält bei der Bürgermeisterwahl in Straubenhardt 5,7 Prozent der Stimmen. Foto: Jänsch

Die Entscheidung in Straubenhardt um den neuen Bürgermeister ist gefallen. Helge Viehweg bleibt für eine zweite Amtsperiode Rathauschef. Welche interessanten Details und Hintergründe aus den Wahlergebnissen herausgelesen werden können, hat der Schwarzwälder Bote erarbeitet.

Straubenhardt - Der Tag nach der Wahl – Anruf beim unterlegenen Herausforderer Samuel Speitelsbach: "Hallo Herr Speitelsbach, wie zufrieden sind Sie denn mit dem Ausgang der Wahl, es dürfte ja Ihr bislang bestes Wahlergebnis sein?" "Ja? Was habe ich denn bekommen?", fragt dieser prompt zurück. "Ich habe es noch gar nicht gesehen." "5,7 Prozent!" Ja, doch, das sei das beste Wahlergebnis, das er bislang einfahren konnte, bestätigt der Herausforderer. "Bei einer Landtagswahl hätte ich damit die Fünf-Prozent-Hürde genommen", witzelt er. Trotzdem sei das Ergebnis eher "mittelmäßig", bis zu seinem Ziel von mehr als 50 Prozent der Stimmen sei es noch ein langer Weg.

"Aber dass am Sonntag die Wahl in Straubenhardt war, wussten Sie schon, Herr Speitelsbach?" "Ich hab’ das gar nicht mehr so genau im Blick", antwortet der Diplom-Ingenieur. "Wissen Sie, wenn man sich auf so viele Posten bewirbt..." Noch gehe ihm die Luft für weitere Bewerbungen jedenfalls nicht aus, sagt Speitelsbach. Er wolle es genau so halten, wie er es in Straubenhardt gesagt habe: Entweder er wird irgendwann, irgendwo Bürgermeister. Oder er findet eine Frau, die mit ihm Kinder zur Welt bringt. In beiden Fällen würde er seine Bewerbungen aussetzen. Und welche Bewerbungen sind jetzt noch offen? "Philippsburg", sagt Speitelsbach. Und wann ist dort die Wahl? "Demnächst."

Ob es seine ehrliche Art ist, für die ihn immerhin 187 Straubenhardter gewählt haben, oder ob das Kreuzchen hinter Speitelsbachs Namen doch eine Art Protest war, man wird es nicht mit Sicherheit sagen können. Fakt ist aber, dass der Herausforderer im Wahlbezirk Langenalb sein bestes Ergebnis eingefahren hat: 8,4 Prozent. Gefolgt von den beiden Briefwahlbezirken 02 (7,4 Prozent) und 03 (6,9 Prozent).

Amtsinhaber und Wahlsieger Helge Viehweg hatte seine Nase bei 91,2 Prozent der Stimmen zwar in jedem Bezirk uneinholbar vorne. Vor allem in den Bezirken Ottenhausen (96,1 Prozent) und Schwann (02: 95,0 Prozent; 01: 93,6 Prozent) konnte er aber besonders punkten. Viehweg bezeichnet seinen Erfolg als "ehrliches und überzeugendes Ergebnis", das für ihn "Ansporn für die nächsten Jahre ist". "Vielleicht", so sagt er, ist es nach seinem Geschmack "die eine oder andere Proteststimme zu viel".

Kreatives Conweiler

Erwartungsgemäß schnitt Viehweg dort schlechter ab, wo Speitelsbach punkten konnte: Bei der Briefwahl. Im Briefwahlbezirk 02 holte der Amtsinhaber 89,7 Prozent, im Briefwahlbezirk 03 89,1 Prozent. Herausforderer Speitelsbach fuhr in Conweiler 01 (2,63 Prozent) sein schlechtestes Ergebnis ein, gefolgt von Ottenhausen (3,9 Prozent) und Schwann 02 (4,1 Prozent).

Insgesamt entfielen 3,1 Prozent der Stimmen auf weitere, nicht auf dem Stimmzettel enthaltene Namensnennungen. Das sind 102 Stimmen, die sich insgesamt auf 53 Personen verteilten. Die meisten Nennungen erhielt dabei der ehemalige, jahrzehntelange Gemeinderat und stellvertretende Bürgermeister Horst Reiser mit neun Stimmen. Besonders kreativ zeigten sich dabei offenbar die Wähler in Conweiler und bei der Briefwahl. In Conweiler 01 wurden gar 4,4 Prozent der Stimmen für freie Kandidaten gezählt. Im Briefwahlbezirk 03 waren es vier Prozent, im zweiten Wahlbezirk Conweilers immerhin noch 3,9 Prozent.

Auffällig war auch die große Anzahl der ungültigen Stimmzettel. Das waren 152 Stück (4,4 Prozent). Die Hauptgründe für die Ungültigkeit: Ganz viele seien leer abgegeben worden, einige Stimmzettel wurden im Ganzen gekennzeichnet oder die vom Wähler hinzugefügten Personen waren nicht identifizierbar, erklärt Jasmin Becht, Abteilungsleiterin der Straubenhardter Verwaltung.

Die Wahlbeteiligung war mit 37,5 Prozent insgesamt erwartbar schwach. Mit 24,8 Prozent schnitt der Bezirk Pfinzweiler in dieser Kategorie am besten ab. Schlusslicht war Langenalb mit 10,8 Prozent. Dieser Wert trügt aber ein wenig, da die meisten abgegebenen Stimmen ohnehin über die Briefwahl übermittelt wurden. Genau genommen waren es 2093 der 3433 abgegebenen Stimmen: Mehr als 60 Prozent also. Im langjährigen Landesmittel (2010 bis 2017) liegt die Wahlbeteiligung bei Bürgermeisterwahlen in Gemeinden dieser Größenordnung bei 46,1 Prozent. Das hat das Statistische Landesamt ermittelt.

Die Faustregel heißt: Je kleiner die Kommune, desto höher die Wahlbeteiligung. Tritt aber der Amtsinhaber erneut an und ist die Konkurrenzsituation überschaubar, wie hier in Straubenhardt, so schlägt das negativ auf die Wahlbeteiligung durch, zeigt die Statistik. Historisch schlecht war die Wahlbeteiligung in Straubenhardt im Übrigen nicht. Mindestens die Oberbürgermeisterwahl in Heidelberg im Jahr 2014 lag mit einer Wahlbeteiligung von 21,8 Prozent weit darunter. Auch dort trat der klar favorisierte Amtsinhaber gegen einen einzigen Gegenkandidaten an und setzte sich ebenfalls deutlich (85,2 Prozent) durch.

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