Herausforderer Samuel Speitelsbach überraschte bei der Vorstellungsrunde mit einem kuriosen Vortrag. Foto: Jänsch

Noch bis zuletzt hatte es sich Herausforderer Samuel Speitelsbach offen gehalten, ob er an der Kandidatenvorstellung vor der anstehenden Bürgermeisterwahl in Straubenhardt teilnehmen wird. Am Mittwochabend war er dann tatsächlich zu Gast in der Straubenhardthalle. Ob ihm sein kurioser Auftritt allerdings große Sympathiepunkte bei den Wählern eingebracht hat, darf bezweifelt werden.

Straubenhardt - Es gehe hier nicht um eine Reichskanzlerwahl sondern lediglich um eine Bürgermeisterwahl, stellte Dauerkandidat Samuel Speitelsbach in seiner gut zehnminütigen Rede fest. "Welchen Schaden kann ich da schon anrichten?", fragte er in Richtung der gekommenen Zuhörer. Geht es also rein um Schadensbegrenzung? Auch im weiteren Verlauf seiner Vorstellung konnten die potenziellen Wähler nicht wirklich schlau daraus werden, welche Expertise der 34-jährige Diplom-Ingenieur für das Amt des Rathauschefs mitbringt.

Stattdessen berichtete Speitelsbach davon, dass in der ehemaligen DDR längst nicht alles schlecht gewesen sei, der Wohlstand sogar gestiegen sei und die Menschen sicher zufriedener gewesen wären, wenn sie nicht davon Wind bekommen hätten, dass es der Bevölkerung im kapitalistischen Westdeutschland noch besser geht. Zudem will er, im Falle eines Sieges, eine eigene Währung in der Gemeinde einführen, um die heimische Wirtschaft zu stärken. Eine innovative Idee bot der Herausforderer dann aber auf die Frage zur Wohnraumknappheit an: Er zeigte sich davon überzeugt, dass Wohnraum nicht nur überirdisch sondern auch unter der Erde geschaffen werden kann.

Herausforderer berichtet von gescheiterten Mordversuchen

Aber ob ihn für diese Überzeugungen wirklich jemand umbringen wollte? Speitelsbach, der bereits in mehr als 70 Bürgermeisterwahlen in ganz Baden-Württemberg krachend gescheitert ist, behauptete das jedenfalls. Weil man ihn für einen "zweiten Hitler" halte. Schuld daran sei die Presse, die Lügen verbreite, hatte Speitelsbach die Erklärung bereits im Schlepptau. Dieser Gefahr wolle er aber weiterhin entschlossen mit seinen Kandidaturen und Auftritten begegnen, gab der Diplom-Ingenieur preis – jedenfalls so lange, bis ihm eine "junge Frau" Kinder schenke, die er "auf diesem Wege" suche. Dann würde sich Speitelsbach nach eigenen Angaben aus der Politik zurückziehen.

Als Wahlvorstand und Bürgermeister-Stellvertreter Hans Vester Herausforderer Speitelsbach an das Ende seiner Redezeit erinnerte, erklärte der Diplom-Ingenieur abschließend, warum er seine Ideen ausgerechnet in Straubenhardt umsetzen möchte: "Ich liebe Bäume, ich würde bevorzugt deshalb gerne im Schwarzwald Bürgermeister werden. Und Straubenhardt ist auch eine Gemeinde." Mehr könne er leider nicht mehr sagen. Für die Zuschauer dürfte es aber gereicht haben, um sich einen Eindruck von Speitelsbach zu verschaffen.

Rückblick und Ausblick von Bürgermeister im Amt

Helge Viehweg, den die meisten der Straubenhardter Zuhörer aufgrund seiner schon acht Jahre andauernden Amtszeit als Bürgermeister im Ort sehr viel besser kennen dürften, nutze seine Redezeit, um einen Rückblick auf das bisher Erreichte sowie einen Ausblick auf die Visionen zu geben, die der Amtsinhaber noch umsetzen möchte. Ganz oben auf der Agenda für die kommenden Jahre: die Digitalisierung weiter voranbringen, den Glasfaserausbau vorantreiben, vorhandene Flächen für Wohnbau und Gewerbe verantwortungsvoll nutzen, die Wirtschaft stärken sowie die Mobilität verbessern – Stichworte Carsharing, Radwegekonzepte und S-Bahn-Anschluss.

Mit der bisherigen Arbeit der Verwaltung zeigte sich Viehweg zufrieden. Gemeinsam mit den Verwaltungsmitarbeitern und dem Gemeinderat habe man "viel erreicht" und "viel angepackt", wofür sich der Rathauschef bedankte. Unter anderem habe man die Flüchtlingssituation und die Integration im Jahr 2015 gut gemeistert, die Verwaltung modernisiert, Friedhöfe, Straßen und Kreisel saniert, die Bürgerbeteiligung vorangetrieben, die Innenverdichtung verbessert, den Jugendgemeinderat ins Leben gerufen und den Breitbandausbau gestartet. "Ist davon alles gelungen?", fragte Viehweg und gab sogleich die Antwort: "Sicherlich nicht." Doch Fehler seien dazu da, um aus ihnen zu lernen. Dieser Verantwortung will sich Viehweg auch in Zukunft stellen.

Es war die erste und letzte Vorstellungsrunde für die beiden Kandidaten am Mittwochabend. Eine weitere wird aufgrund der geringen Nachfrage nicht stattfinden. Am Mittwoch kamen lediglich rund 60 Zuhörer, 112 wären zugelassen gewesen. Zudem wurde die Veranstaltung ins Netz übertragen. Dort wurden immerhin etwas mehr als 220 Nutzer registriert.

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