Jochen Paleit wird bei der Wahl am 3. Dezember nicht mehr als Bürgermeister der Gemeinde Kappel-Grafenhausen kandidieren. Foto: Bender

Kappel-Grafenhausen wird am 3. Dezember einen neuen Bürgermeister wählen: Amtsinhaber Jochen Paleit gab am Donnerstag bekannt, nicht mehr kandidieren zu wollen. Bei den Fraktionen herrscht Überraschung und Erleichterung, nun Bescheid zu wissen.

Nach fast 16 Jahren als Bürgermeister habe ich mich dazu entschieden, einen anderen beruflichen Weg einzuschlagen und nicht mehr für das Amt des Bürgermeisters in Kappel-Grafenhausen zu kandidieren“, erklärt Paleit am Donnerstagmorgen.

 

Als Grund dafür gibt er gegenüber unserer Redaktion an, mehr in Richtung seines vorherigen Berufs tätig sein zu wollen: „Vor meiner Arbeit als Bürgermeister habe ich als Ingenieur und Ökologe gearbeitet. Gerne möchte ich diese Kompetenzen nun für die ökologische Transformation noch zielgenauer einbringen. Wo und was das sein wird, ist noch unklar“, so Paleit.

Seine zweite Amtszeit als Bürgermeister endet im Februar 2024. „Es war und ist für mich stets eine besondere Ehre, der Gemeinde und den Bürgerinnen und Bürgern in Kappel-Grafenhausen zu dienen“, erklärt der scheidende Bürgermeister. „Mit Herz und Verstand durfte ich in den letzten nun fast 16 Jahren mit engagierten Mitarbeitern, Gemeinderäten und Bürgern unsere Gemeinde gestalten“, zieht Paleit Bilanz.

in 16 Jahren habe mangemeinsam viel erreicht

Die gute Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern und die vielen guten Begegnungen mit den Bürger werden ihm sicherlich fehlen, erklärt der gebürtige Osnabrücker. „Gerade auch vor dem Hintergrund der herzlichen Aufnahme damals in Kappel-Grafenhausen und dem Privileg, in einer der schönsten Landschaften Deutschlands leben zu dürfen.“

Seit seiner Wahl zum Bürgermeister im Januar 2008 seien ihm und den Gemeinderäten Vieles und Gutes gemeinsam gelungen, betont er: die Erweiterung der Betreuungsangebote, der Neubau von Kindergarten- und Schulgebäuden sowie die Begründung einer Gemeinschaftsschule und der Pflege-Einrichtung „Haus Taubergießen“. Darüber hinaus wurde der Radweg an den Rhein gebaut, die Ortsdurchfahrt Grafenhausen dorfgerecht umgebaut und die Trinkwasser-Versorgung ist auf neue Beine gestellt, erklärt Paleit.

Gemeinsames Feuerwehr-Gerätehaus einte den Ort

Ein Projekt ragt für ihn unter all diesen jedoch besonders heraus: der Bau des gemeinsamen Feuerwehr-Gerätehaus. „Ihm verdanken wir das einige Kappel-Grafenhausen. So wurde das Ortsteildenken aufgebrochen. Die Kameraden haben sich so professionalisieren können und dienen mit höchster Leistungsfähigkeit unseren Bürgerinnen und Bürgern. Denn wenn die Kameraden gemeinsam für uns durchs Feuer gehen und auf Eitelkeiten verzichten, ist das auch für Gemeinderätinnen und -räte Pflicht“, erklärt der Bürgermeister der Doppelgemeinde.

Städtebaulich habe man in den vergangenen 16 Jahren viele Baulücken in Wert gesetzt. „Es wurde nachverdichtet und mit unserem Ferienwohnungskonzept schützen wir Wohnraum. Darüber hinaus wurden neue Wohnbau- und Gewerbefläche erschlossen. Der Rhinova-Gewerbepark gab heimischen Betrieben bereits die Möglichkeit zur Erweiterung und weitere prosperierende Betriebe sind in Ansiedlung“, so der Bürgermeister. Die Nahversorgung sei in Kappel-Grafenhausen mit einem neuen Edeka, einem Bäcker, einer Apotheke und drei Ärzten gesichert.

Besonderer Einsatz für Naturschutz

Für das Naturschutzgebiet Taubergießen hatte sich Paleit immer besonders eingesetzt, wofür er und das Naturschutzgebiet im Laufe seiner Amtszeit viele Auszeichnungen erhalten hatten. Mit der Amtsaufgabe darüber nun nicht mehr wachen zu können, falle ihm schwer: „Der Taubergießen mit den letzten Resten echter Naturlandschaft ist einmalig schön und Kraftquelle für viele! Nun gilt es, dieses Naturschutzgebiet gut durch den Klimawandel zu bringen und die Wilden Weiden weiter zu etablieren“, gibt er seinem Nachfolger als Aufgabe mit.

Auf die Frage, welche Eigenschaften er selbst als Bürgermeister der Doppelgemeinde am meisten gebraucht habe, antwortet er: „Geduld und Diplomatie, um das einstige Ortsteil-Denken aufzubrechen und die Gemeinde zu einen. Vielleicht gereichen mir dafür auch meine heimatlichen Wurzeln aus Osnabrück zum Vorteil, dort wurde vor über 400 Jahren ja der Westfälische Friede erfolgreich verhandelt.“ Diese friedensstiftenden Eigenschaften wünsche er auch seinem Nachfolger, um das Erreichte zu bewahren und um Neues zu beginnen.

Frieden und Blick über den Tellerrand als Wunsch an die Bürger

Den Kappel-Grafenhausenern selbst hingegen wünscht er weiterhin eine gute Nachbarschaft mit Rhinau und Frankreich: „Der Oberrhein darf nie wieder zum Schlachtfeld werden“. Außerdem wünscht er „den Blick über den Tellerrand“ hinaus.

Bis zur Übergabe an seinen Nachfolger will Paleit noch vollen Einsatz für seine Bürger zeigen. „Bei einer der zahlreichen Veranstaltungen im weiteren Jahreslauf treffen wir uns sicher, worauf ich mich bereits heute freue“, so Paleit.

Das sagen die Fraktionen

FWV
„Selbst bei Paleits Stellvertreterin sorgte die Nachricht für Erstaunen: „Ich war tatsächlich etwas überrascht über diese Nachricht“, sagte FWV-Gemeinderätin Rebecca Wild im Gespräch mit unserer Redaktion. Ein Nachfolger für ihn ist zumindest bei der FWV-Fraktion nicht im Gespräch, erklärt Wild: „ Wir haben aktuell keinen Bürgermeisterkandidaten. Wir werden uns auch nicht aktiv auf die Suche machen.“

CDU
Dass im Kappel-Grafenhausener Gemeinderat nicht nur Paleit-Anhänger sitzen, machte Frank Andlauer deutlich: „Es ist gut, dass jetzt endlich Klarheit herrscht“, erklärte der CDU-Gemeinderat. Er kritisierte Paleit dafür, dass er so lange gebraucht habe, die Karten auf den Tisch zu legen. „Ich kann mich doch als Bürgermeister zur Gemeinde bekennen oder nicht. Wir Gemeinderäte wurden schon darauf angesprochen.“ Einen konkreten Nachfolge-Kandidaten habe die CDU noch nicht im Blick. „Wir warten erstmal ab“, erklärte er. Er hofft aber, dass sich mehrere ernsthafte Kandidaten bewerben, „damit die Bürger eine Wahl haben“. Das hätte er sich übrigens auch gewünscht, wäre Paleit nochmals angetreten.