Zahlreiche Gratulanten stehen an, um dem neu gewählten Hüfinger Bürgermeister Patrick Haas zu seinem Wahlerfolg zu gratulieren. Foto: Roland Sigwart /Roland Sigwart

Hüfingen hat einen neuen Bürgermeister. Mit 61,33 Prozent – und damit der eindeutigen Mehrheit – wurde Patrick Haas gewählt. Für Amtsinhaber Michael Kollmeier heißt das Schreibtisch und Rathaus räumen – Hüfingen wird er jedoch nicht verlassen. Welche Pläne der Noch-Bürgermeister nun hat.

Die Hüfinger Bürgermeister-Wahl ist vorbei, schneller als erwartet. Noch am Sonntag hatten eigentlich alle damit gerechnet, dass es aufgrund der fünf Kandidaten zu einem zweiten Wahlgang mit Stichwahl kommen würde. Jetzt hat aber Patrick Haas das Rennen gemacht. Er wird der zukünftige Bürgermeister von Hüfingen sein.

 

Bereits um 18.30 Uhr standen zahlreiche Besucher mit erstaunten Gesichtern im Hüfinger Ratssaal. Die Ergebnisse zeigten: Patrick Haas liegt weit vorne. Doch was sagen die unterlegenen Bürgermeister-Kandidaten zum Wahlausgang?

Amtsinhaber zeigt sich gefasst

Richtig abgestraft wurde der Amtsinhaber: 61,3 Prozent Haas und für Michael Kollmeier mit 10,3 Prozent nur der dritte Platz. Trotz des deutlichen Ergebnisses, mit dem die Hüfinger seine acht Jahre Amtszeit quittiert haben, zeigt sich Amtsinhaber Michael Kollmeier am Sonntagabend gefasst. Insgeheim habe er gehofft, dass er es bei fünf Kandidaten in den zweiten Wahlgang schaffen würde.

Doch schon seit der Kreistagswahl habe er gewusst, dass sein Wahlkampf schwierig würde. Die Tatsache, dass die Hüfinger den amtierenden Bürgermeister nichts ins Gremium gewählt hatten, sei doch sehr überraschend gewesen. Zum Vergleich: Kollmeier hatte bei der Kreistagswahl nur 2426 Stimmen erzielt, während Michael Bächle (Bürgermeister Bräunlingen) auf 5653, Markus Keller (Bürgermeister Blumberg) 7089 Stimmen und Erik Pauly (OB Donaueschingen auf 8907 Stimmen kamen.

Für Kollmeier war es „schwer mitzuhalten“

Auch aufgrund einer nicht aufschiebbaren Operation an der Hüfte sei er spät in einen Wahlkampf reingekommen, in dem es „stark um Persönliches und weniger um Inhalte“ gegangen sei. Insgesamt habe er eine Wechselstimmung wahrgenommen. Weder die Erfolgsbilanz noch die Möglichkeit, die eigenen Themen in aller Ruhe der Bürgerschaft zu präsentieren, seien gegeben gewesen.

Wahlsieger Patrick Haas habe es sehr gut gemacht. „Da war es schwer, dagegenzuhalten.“ Auch aufgrund der gleichen gesellschaftlichen Ausrichtung – beide sind CDU-Mitglieder, habe er ihm Stimmen weggenommen. Am Ende sei ein Ergebnis zustande gekommen, das dem Kandidaten guttut. „60 Prozent ist ein Mega-Wort.“

Das Debakel zeichnet sich auf der Leinwand ab. Landrat Sven Hinterseh (links), Barbara Kollmeier und Michael Kollmeier. /Roland Sigwart

Kollmeier sieht sich trotz der deutlichen Niederlage weiter in der Spur. Er werde in den nächsten 15 Jahren sehr aktiv sein und in einem zur Ausbildung passenden Berufsfeld tun, was er gewohnt ist: arbeiten, leisten und das über das 40-Stunden-Maß hinaus.

Für die Familie gebe es keine Veränderung. In Hüfingen habe sie sich ein tolles Heim geschaffen. Für einen Umzug müsste schon „der Wahnsinnsjob um die Ecke kommen“. Nein, hier bleibe man. „Wir sind aus der Südbaar. Wir ziehen nicht herum wie die Vagabunden“, bekräftigt Michael Kollmeier.

Christina Meckes hat schlussendlich mit 18,9 Prozent der Stimmen hinter Patrick Haas den zweiten Platz erreicht. „Meine Einschätzung im Vorfeld wäre gewesen, dass wir in eine Stichwahl gehen müssen“, sagt sie. „Ich hätte nicht gedacht, dass es einem Kandidaten gelingt, gleich so viele Stimmen zu holen.“

Der Mitbewerber gratuliert: Andreas Hofmann (rechts) mit Patrick Haas und dessen Partnerin Nele Schmalbach. /Roland Sigwart

Die komplette Erfahrung rund um den Wahlkampf, die vielen Gespräche und Erlebnisse seien eine intensive Reise gewesen und es werde sich bei Meckes sicher auch beruflich einiges ändern, wie sie wissen lässt. „Großer Dank gebührt meinem Team und meiner Familie. Ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen.“ Sie freue sich jetzt darauf, sich auf den Alltag fokussieren zu können und auf die Projekte, mit denen sie sich sonst beschäftigt.

Tassilo Koch tauchte nicht auf

Tassilo Koch war am Sonntagabend nicht im Hüfinger Rathaus zu sehen. Er bildet mit 2,35 Prozent das Schlusslicht: „Einerseits bin ich froh, dass es in Hüfingen eine Veränderung gibt, jedoch bin ich über meine Stimmzahlen natürlich sehr enttäuscht“, teilt er mit. Aber so sei es nun einmal.

Wie Koch sagt, habe er viel lernen können, hatte tolle Einblicke erhalten und habe einige wirklich großartige Menschen kennengelernt, „mit denen der Kontakt auch weiterhin bestehen bleibt.“ Jetzt gehe es darum, das Gelernte zu sortieren, neue Energie zu tanken und liegengebliebene Aufgaben in der Firma zu erledigen. „Für die nächste Wahl mit mir, die definitiv stattfinden wird, sind einige Änderungen in meinem Wahlkampf geplant – denn man lernt ja nie aus. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen in Hüfingen von Herzen alles Gute für die Zukunft“, sagt Koch weiter.

Auch Andreas Hofmann hält sich zurück

Andreas Hofmann hätte sich aufgrund der Stimmung in den vergangenen Tagen mehr erwartet als die 7,1 Prozent der Stimmen, die auf ihn abfielen. „So ist das eben in der Demokratie.“ Das oberste Ziel sei als geschlossenes Bollwerk gegen den Amtsinhaber erreicht worden und mit Patrick Haas habe es der beste geschafft. „Und hätte ich ihn vorher gekannt, hätte ich gar nicht kandidiert“, fügt der frühere Bundeswehr-Offizier an, der im September seinen 62. Geburtstag feiern wird.

In seinem Alter sei die Bewerbung eine tolle Erfahrung gewesen, die er nicht missen möchte. Was ein künftiges kommunalpolitisches Engagement anlangt, werde er sich, auch nach einem knapp verfehlten Kreistagsmandat, zunächst einmal zurückhalten. Gut denkbar sei aber, dass er sich in fünf Jahren von der FDP ansprechen lassen wird.

Das Ergebnis

Wahlsieger Patrick Haas sammelte 61,33 Prozent der Stimmen ein. Auf den zweiten Platz bei der Hüfinger Bürgermeisterwahl kam Christina Meckes mit 18,93 Prozent. Amtsinhaber Michael Kollmeier vereinigte 10,27 Prozent auf sich, Andreas Hofmann (7,09 Prozent) und Tassilo Koch (2,35 Prozent) folgen auf den Plätzen. Die Wahlbeteiligung lag bei 58,33 Prozent.