Der 61-Jährige will es im Hüfinger Rathaus besser als Bürgermichael Kollmeier machen und bei der Wahl antreten Acht Punkte stehen auf seinem Programm, mit dem er die Bürger überzeugen will.
Freitagmorgen, 7 Uhr. Andreas Hofmann öffnet die Seite des Staatsanzeigers. Er ist auf der Suche nach einer besonderen Stellenausschreibung – die für das Bürgermeisteramt in Hüfingen. Heute soll sie veröffentlicht werden. Doch da ist nichts.
34 Minuten später ist sie endlich da. Am Abend kann er seine Unterlagen in den Briefkasten des Rathauses werfen. Ein spontaner Entschluss ist es allerdings nicht. „Im Sommer des vergangenen Jahres hat sich die Entscheidung manifestiert“, blickt er zurück.
Warum will der 61-Jährige Bürgermeister werden? „Weil ich es besser kann“, sagt er selbstbewusst. Es geht ihm weniger um seine Person, sondern um Hüfingen. Sein Leitspruch: „Weil es um Hüfingen geht.“ Genauer gesagt: „Hüfingen kann mehr, Hüfingen verdient mehr und Hüfingen bekommt auch mehr – wenn ich Bürgermeister werde.“
Vertrauen spielt für den Bewerber eine wichtige Rolle
Seine Person möchte er da eher in den Hintergrund stellen. Etwas, das er in seiner beruflichen Laufbahn 40 Jahre lang gemacht hat. Hofmann war bei der Bundeswehr. Er hat gedient – für das Allgemeinwohl. Das ist für ihn die Parallele zum Bürgermeisteramt. Auch da müsse man sich in den Dienst stellen – den der Bürger. Schließlich hätten diese einem mit der Wahl das Vertrauen geschenkt. Wobei das keine Einbahnstraße sein soll, auch das Stadtoberhaupt müsse seinen Bürgern vertrauen. Nur eines will er nicht, sich für den Wahlkampf verbiegen. „Ich werde ich selbst bleiben.“
Wer ist dieser Andreas Hofmann? 1962 in Heilbronn geboren, ging er nach der Mittleren Reife zur Bundeswehr. Der Deutsche Herbst hatte ihn zu dieser Entscheidung gebracht. Polizisten, die mit Maschinengewehren an der Straße standen. „Da wusste man, es ist wieder etwas passiert“, blickt Hofmann zurück.
Führungsverantwortung bei der Bundeswehr gesammelt
Von 1979 bis 2019 war sein Leben geprägt von der Bundeswehr. Beispielsweise seine berufliche Ausbildung. Um Feldwebel zu werden, war eine Berufsausbildung Voraussetzung. Die Entscheidung haben andere getroffen, und so wurde er Verwaltungsfachangestellter für Kommunalverwaltung. „Ich hätte nie gedacht, dass ich das noch brauchen werde.“ Auch staatlich geprüfter Betriebswirt für Logistik ist er. Führungsverantwortung hat er in den Materiallagern Königswinter und Hardheim gesammelt. Dort war er der Leiter der Betriebsführung. In Hardheim war das eine Aufgabe, die 70 Mitarbeiter umfasste. Dabei waren es weniger Soldaten, sondern zivile Angestellte.
Wie passt das alles nun zu Hüfingen? Wie so oft war es der Liebe wegen. Hofmanns Mann Marco stammt aus Tannheim, hatte in Donaueschingen einen Friseursalon – mittlerweile ist dieser an der Hüfinger Hauptstraße zu finden. Das Paar hat seit 2016 eine gemeinsame Wohnung – auf Hohen. Und geheiratet hat es gleich zwei Mal. 2009 – damals war für das Paar rechtlich eine gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft möglich, und als sich die Gesetze geändert haben, wurde 2017 noch gleich noch einmal richtig geheiratet.
In seinem Alter sieht er kein Hindernis
Hofmann spricht offen über mögliche Vorurteile. „Das Alter und meine gleichgeschlechtliche Orientierung könnten durchaus Thema sein.“ Darauf hat er allerdings Antworten parat: „Das muss in der heutigen Zeit normal sein.“ Schließlich macht Wutach es mit seinem Bürgermeister vor. Und auch im Alter sieht er kein Hindernis – und das nicht nur, weil er oft viel jünger als 61 Jahre geschätzt wird. „Ich trete nicht nur für eine Amtszeit an.“
Acht Punkte stehen auf seinem Wahlprogramm. Grundsätzlich will er die Probleme anpacken. Wobei er nicht von Problemen sprechen will. „Das ist immer gleich negativ behaftet.“ Er spricht lieber von Situationen. Die könne man nämlich lösen. Bürgernähe ist ihm wichtig. „Ich werde zu Fuß in der Stadt unterwegs sein – mit offenen Augen und Ohren.“ Missstände will er nicht nur entdecken, sondern sich dann auch darum kümmern – und nachhelfen, dass sie beseitigt werden. Transparente Politik, verständliche und vor allem offene Kommunikation und Bürgerbeteiligung sind seine Stichworte. Und Hofmann will unabhängig, authentisch, ehrlich und bürgernah sein. Zwar tritt er für den Kreistag auf der FDP-Liste an – aber das als unabhängiger Kandidat, was er auch für Hüfingen sein möchte.
Wir-Gefühl ist ihm wichtig
Das Arbeitsklima und der Teamgeist: „Angefangen vom Amtsleiter bis zum Bauhofmitarbeiter – sie sollen stolz sein, dass sie für Hüfingen arbeiten.“ Deshalb brauche es ein gutes Arbeitsklima und dazu sei Augenhöhe notwendig. Und noch etwas Weiteres: Bei Fehlern müsse sich der Bürgermeister vor seine Mitarbeiter stellen, und wenn sie etwas gut machen, hinter sie. Das gelte auch für die Ortsvorsteher. Das Verhältnis zwischen diesen und Bürgermeister sei wichtig. „Mir ist erst durch die Diskussion um die Unechte Teilortswahl bewusst geworden, dass Hüfingen Ortsteile hat“, blickt Hofmann zurück. Ein Wir-Gefühl ist ihm wichtig.
Das Hallenbad und die Sauna: Dauerthema in Hüfingen ist das Aquari und dessen Sanierung. „Ein Hallenbad ist immer eine Attraktion, aber leider auch ein Klotz am Bein.“ Hofmann hat aber eine klare Linie: Das Aquari und auch die Sauna müssen erhalten bleiben. Die Idee: Mit anderen Kommunen, die beispielsweise kein Hallen-, sondern nur ein Freibad haben, eine Kooperation einzugehen. Und dann gibt es das zweite Dauerthema in Hüfingen: die fehlenden Kitaplätze. Hier ist Hofmann für eine schnellstmögliche und von breiter Mehrheit getragenen Lösung.
Gründung eines Jugendgemeinderats im Blick
Der Jugendgemeinderat: „Früher sagte man, man muss die Jugend von der Straße holen, heute muss man sie aus der Komfortzone – sprich vom Sofa – bringen.“ Eine Idee von Hofmann ist ein Jugendgemeinderat, der das Grundverständnis und die Verantwortung gegenüber der Demokratie stärken soll. „Wir müssen die Jugend wieder für Demokratie begeistern.“ Und vielleicht komme der eine oder die andere auf den Geschmack und setze die Arbeit im Gemeinderat fort. Neu erfinden müsse man nichts. Beispielsweise sei der Jugendgemeinderat in seiner Heimatstadt ein solches Erfolgsmodell.
Die Innenstadt: Sie soll wieder attraktiver werden. „Ich würde gerne einen Gewerbeverein gründen und den Handel, das Gewerbe und die Gastronomie ins Boot holen.“ Warum nicht eine Veranstaltung organisieren, wie die Musiknacht in Donaueschingen? Und dann der Leerstand. Hofmann möchte mit den Inhabern von gewerblichen Immobilien ins Gespräch kommen. Warum sie denn nicht vermieten? Als Beispiel nennt er den ehemaligen Schlecker, der noch immer leer steht. Der biete Perspektiven – vor allem, da die Hüfinger mit der Real-Schließung ihren Vollsortimenter verloren.
Kommunale Wohnungsbaugesellschaft als Herzensprojekt
Die Ärzte: Konkret: Hüfingen braucht ein Ärztehaus. Das passende Grundstück hat Hofmann auch schon im Blick. „Ich würde unser Filetstück nicht verkaufen“, sagt er und meint damit die noch unbebaute Fläche an der Friedensstraße.
Der Wohnraum: „Beim Thema Wohnraum müssen wir das Rad nicht neu erfinden“, sagt Hofmann und verweist auf die Gemeinde Hebertshausen, die eine Kommunale Wohnungsbaugesellschaft gegründet hat. Das biete viele Vorteile zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums. Natürlich sei die Frage, ob das in Hüfingen rechtlich möglich sei, aber „das ist schon ein Herzensprojekt von mir, weil es etwas Neues ist“.
Sein Hausberg ist der Watzmann
Was macht Andreas Hofmann sonst? Wichtig sind für ihn sein Mann Marco, die beiden Hunde Cliff – ein Beagle – und Lina – eine französische Bulldoge – und die Berge. Schließlich war er einst Gebirgsjäger. Bereits im Alter von fünf Jahren hat er mit seinem Vater den Wilden Kaiser bestiegen, heute ist sein Hausberg der Watzmann.
Bewerbungsstart
Ablauf
Die Hüfinger haben am 30. Juni die Entscheidung über den nächsten Bürgermeister. Amtsinhaber Michael Kollmeier hat bereits signalisiert, dass er für eine weitere Amtszeit zur Verfügung stehen würde. Offizieller Bewerbungsstart für das Rennen um den Sitz im Büro des Bürgermeisters ist an diesem Samstag, 20. April. Die Bewerbungsfrist für Kandidaten hat also um Mitternacht offiziell begonnen. Viele Bewerber nehmen das als ersten symbolischen Auftritt wahr.