Bürgermeisterin von Furtwangen möchte Isolde Grieshaber werden – ein Amt, in dem sie das Leben einer ganzen Stadt mitgestalten kann. Doch wie lebt sie eigentlich selbst?
„Stark für Furtwangen. Nah bei den Menschen“ steht auf dem Wahlkampfplakat, das am Eingangsbereich des Hauses am Furtwanger Sommerberg hängt. Die Haustür daneben ist bereits offen.
„Kommen Sie rein“, sagt Isolde Grieshaber. Und erklärt auch gleich die offene Tür: „Ich wollte die Zeit nutzen.“ Das Treppenhaus wischen, den Müll rausbringen und, und, und – im Bürgermeisterwahlkampf, der in diesen Tagen in die ganz heiße Phase geht, bleibe dafür nicht so viel Zeit.
Einen Besuch unserer Redaktion ihn ihren vier Wänden plant die Bürgermeisterkandidatin trotzdem ein. Auch wenn sie schon vorab ankündigt, dass man für die Homestory nicht allzu viel Zeit einplanen müsse. „Habe kein riesiges Areal zu bieten, aber das bin ich halt – bescheiden und mit wenig zufrieden.“
Der Cappuccino, den sie serviert, kommt aus einem modernen Kaffeevollautomaten – ein Geschenk ihrer Kinder und Patenkinder zum 60. Geburtstag, wie Grieshaber berichtet. Ein angenehmer Luxus, zu dem sie lachend meint: „Ich selbst hätte mir das ja nie gegönnt.“ Vor dem runden Geburtstag gab es morgens Filterkaffee.
Ein Kind der Stadt
Grieshaber lebt alleine, teilt sich ihr Haus aber noch mit einer Mieterin. Beide Kinder sind bereits erwachsen; die Tochter lebe in Schonach, während der Sohn derzeit für ein Jahr in Kanada ist. Seit zwölf Jahren lebe sie nun in diesem Haus mit dem tollen Blick über ihre Heimatstadt, sagt Grieshaber. Davor habe sie 20 Jahre lang in Rohrbach gewohnt.
Aufgewachsen ist Grieshaber ebenfalls in Furtwangen, in der Friedrichstraße. „In bescheidenen Verhältnissen“, wie sie sagt. Der Vater erlitt mit 37 Jahren einen Schlaganfall, war danach arbeitsunfähig. „Für mich war schon damals klar: Ich tue alles für ein gutes Leben“, erinnert sich Grieshaber. Gegen den Widerstand der Eltern ging sie, bestärkt durch ihren damaligen Mathelehrer, aufs Gymnasium, machte Abitur – und entschied sich für ein Studium in Sigmaringen.
„Eigentlich wäre ich liebend gern Lehrerin geworden“, sagt Grieshaber – doch Freiburg war als Wohn- und Studienort zu teuer. Und zu weit weg von den Eltern, die noch in Furtwangen lebten, wollte sie nicht ziehen.
Immer einen „Türöffner“ gefunden
Beruflich ging es für Grieshaber dann in den Lokaljournalismus – über die freie Mitarbeit als „Türöffner“. Und als sie sich vor mehr als 20 Jahren beruflich umorientierte, waren es ihre Französischkenntnisse, die ihr zur Anstellung als Finanzbuchhalterin verhalfen. Wobei: „Zahlenaffin war ich auch schon immer“, erklärt Grieshaber, die berufsbegleitend und als alleinerziehende Mutter den internationalen Finanzbuchhalter aufsattelte.
„Jeder hat seinen Weg – und das war eben meiner“, sagt sie heute – und blickt positiv auf ihren Werdegang. „Ich war schon immer offen für Neues.“
Auch mit der Kandidatur als Bürgermeisterin wagt Grieshaber nun einen Schritt in eine neue Richtung. Der Türöffner diesmal: neben ihrem buchhalterischen Wissen und der Arbeit im Gemeinderat – seit 2019 ist sie Stadträtin und Bürgermeisterstellvertreterin – auch „alles, was ich schon über Furtwangen weiß, was ich mitbekommen und erlebt habe“.
Freizeit bedeutet Ehrenamt
Einst als Wirtin der „Alten Färbe“, nun schon seit Jahren als Helferin bei Vereinsfesten, als stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende des Vereins Altenheim Furtwangen, als Buchhalterin des Weltladens, und, und, und – nicht umsonst entgegnet Grieshaber, danach gefragt, was sie gerne in ihrer Freizeit macht: „Es kommt darauf an, was man als Freizeit definiert.“ Die Ehrenämter, sagt sie, „sind meine Freizeit“.
Fahrrad bislang noch ohne E-Antrieb
Und wenn doch einmal Zeit darüber hinaus bleibt? Dann gehe sie im Winter gerne Ski fahren und das ganze Jahr über im Wald spazieren. Zudem fahre sie Fahrrad – gerne auch nach Vöhrenbach zur Arbeit. Bislang sei sie ohne elektrische Unterstützung unterwegs. „Ich habe auch noch den Ehrgeiz, dass ich es so den Sommerberg hoch oder auf den Kussenhof schaffen möchte.“ Was nächstes Jahr sei, müsse man sehen. „Mit 60 kann ich es mir auch erlauben, aufs E-Bike umzusteigen“, findet sie – auch, weil sie dann das Auto noch öfter stehen lassen könne.
Für Heimspiele und gelegentlich Auswärtsspiele des SC Freiburg nimmt sich Grieshaber, die bekennender Fan des Fußballvereins ist, ebenfalls immer mal wieder Zeit. „Und ich lese gerne“ – besonders Bücher von Isabel Allende. Im Winter zieht sie sich dafür am liebsten auf ihr Sofa zurück, wenn im Speicherofen ein wärmendes Feuer prasselt.
Garten: Erholung und Gemüse
Im Sommer locken der Wintergarten, die Terrasse mit Blick über Furtwangen – oder der Garten, in den Grieshaber auch sonst viel Arbeit steckt. Denn der ist mit Grillplatz und viel Grün nicht nur ein Ort zum Erholen und Kraft tanken, sondern dient auch dem Anbau von Salat, Kohlrabi, Radieschen und Bohnen.
Die Ernte aus dem Garten verarbeitet Grieshaber gerne in der eigenen Küche, wo sie gerne kocht und backt. Ab und zu koche sie auch mehrere Gänge für größere Runden, berichtet sie. Bürgerliche Hausmannskost kommt dann gerne auf den Tisch, auch mal Wild – eben das, was Region und Jahreszeit gerade hergeben. Neben lokal eingekauften Zutaten ist Grieshaber vor allem eines wichtig: Alles ist „von A bis Z selbst gemacht“.