Samuel Speitelsbach hat es in Baden-Württemberg zu einiger Prominenz gebracht. Das liegt daran, dass er hier schon bei mehr als 70 Bürgermeisterwahlen angetreten ist – freilich ohne Erfolg. Jetzt versucht er es in Bad Liebenzell und zwar zu seinem eigenen Schutz, wie er erklärt.
Bad Liebenzell - Land auf, Land ab versucht Samuel Speitelsbach, Bürgermeister zu werden. So ist der aus Ravenstein im Neckar-Odenwald-Kreis stammende Diplom-Ingenieur schon in Calw, Bad Herrenalb oder in Straubenhardt angetreten. Dabei ist der Dauerkandidat vor allem durch – gelinde gesagt – originelle Thesen aufgefallen. Manche unterstellen ihm auch eine rechte Gesinnung.
Bei seiner Kandidatur in Baiersbronn verteilte er Flyer, auf denen er Eva Braun als Gott und Adolf Hitler als ihren Propheten bezeichnete. Das hatte eine Anzeige wegen Volksverhetzung zur Folge. Das Verfahren wurde von der betreffenden Staatsanwaltschaft jedoch eingestellt. In Weinsberg bei Heilbronn wurde er wegen verbaler Entgleisungen und eines angeblichen Hitlergrußes bei der Kandidatenvorstellung des Saales verwiesen.
Bei seiner Präsentation in Rosenfeld im Zollernalbkreis vertrat er laut Presseberichten die Einführung einer Islamsteuer. Außerdem plädierte er dafür, den Ort mit einem Wolfschutzzaun zu umranden. Dazu erklärte er dort die ökologische Schädlingsbekämpfung als Ziel. Kartoffelkäfer sollten so umgezüchtet werden, dass sie den Vögeln besser schmeckten. Er bezeichnete sich in Rosenfeld auch als professioneller Bürgermeisterkandidat, der vom Staat durch Hartz IV finanziert werde.
Speitelsbach fühlt sich bedroht und verfolgt
Trotzdem hat Speitelsbach eine eigene Firma. Mit "TaSSau Automatisierungstechnik" bietet er Hilfe bei der Lagerverwaltung, Ingenieurdienstleistungen, Computertomografien oder Schulungen zur selbst entwickelten Programmiersprache DE an. Dazu versucht er seine eigene Kryptowährung, den "TaSSau-Taler", unter die Leute zu bringen. Diesen habe er, so ist der Homepage zu entnehmen, entwickelt, nachdem er mit Geschäftspartner in einen finanziellen Disput geraten war. Diese Erklärung unterschreibt er dort mit "Heil Christi".
Von diesem Geschäftspartner fühlt sich Speitelsbach laut einem Statement auf seiner Homepage zudem bedroht und verfolgt. Das ist ein Motiv, dass sich generell durch viele Aussagen Speitelsbachs zieht. Wenn er seine Kandidaturen aufgeben würde, würde man ihn wohl beseitigen, erklärt er in einer Wahlkampfrede, die dem Schwarzwälder Boten vorliegt.
Eltern sollen sich selbst um Kinderbetreuung kümmern
Ähnlich äußerte er sich auch in einem vom Schwarzwälder Boten per E-Mail an ihn geschickten Fragenkatalog zur Bürgermeisterwahl in Bad Liebenzell. "Eigentlich bin ich der Bürgermeisterwahlen langsam überdrüssig", meint er da. Er brauche die öffentliche Aufmerksamkeit der Kandidaturen aber zu seinem Schutz. Denn am Ostersonntag um 11 Uhr hätten zwei Neonazis versucht, ihn umzubringen. Da Polizei und Staatsanwaltschaft diese Tatsache vertuschen würden, sei klar, dass es sich um hier V-Männer gehandelt habe. Auch einen Bezug zu "Väterchen Kretschmann" stellt er dabei her.
Dass er neben Bad Liebenzell noch in anderen Kommunen kandidiere, begründete Speitelsbach auch damit, dass er der Geldgier entgegentreten wolle. Und er bekomme, entgegen mancher Unterstellungen, kein Geld für seine Kandidaturen. Wäre dies so, würde er zu jeder Kandidatenvorstellung gehen. Die Frage, ob er zu der Kandidatenvorstellung nach Bad Liebenzell kommen wird, ließ er unbeantwortet.
Korruption durch Tauschhandel verhindern
Ideen für eine pozentielle Amtszeit in der Kurstadt hat er jedenfalls. Er wolle eine Partnergemeinde in Süditalien finden, und dort durch Solarenergie Wasserstoff produzieren lassen. Dieser solle dann mit Luftschiffen nach Bad Liebenzell transportiert werden. Dazu will er aus mit Sonnenspiegeln betriebenen Dampfmaschinen Energie und Trinkwasser gewinnen. "Bad Liebenzell braucht einen Bürgermeister, der von Technik Ahnung hat und sich nicht von den Kartellen hinters Licht führen lässt", bringt er sein Vorhaben auf den Punkt.
Die finanzielle Lage der Stadt zu verbessern, halte er nicht für nötig. Geld werde überschätzt. Er wolle ohnehin den Tauschhandel wieder einführen. Denn so ließe sich Korruption verhindern. Auch beim Ausbau der Kinder- und Ganztagsbetreuung sieht er keinen Handlungsbedarf. "Wenn Eltern das für nötig halten, sollen sie sich selber darum kümmern, sind schließlich nicht meine Kinder", meint er zu dieser Thematik.
Rückzug aus der Politik?
Den Job als Bürgermeister traut er sich zu. In größeren Gemeinden sei das sogar noch einfacher, weil man mehr Mitarbeiter habe. Berufspolitiker hätten das Problem, dass sie die Wege kennen, aber nicht das Ziel, meint der parteilose Kandidat. Doch er wisse, wohin es gehen soll. Wohin genau lässt er in seiner Antwort jedoch offen. Andere Fragen, zum Beispiel nach seiner Idee für den Tourismus, ließ er gänzlich unbeantwortet.
Eine Option, dass Speitelsbach nicht mehr als Kandidat antritt, gibt es wohl. Laut Medienberichten hatte der 34-Jährige bei der Kandidatenvorstellung Anfang des Jahres in Straubenhardt angekündigt, sich aus der Politik zurückzuziehen, sobald er eine Frau und Kinder habe.
Info: Artikel-Reihe
Dieser Artikel ist Teil einer Reihe über die Kandidaten der Bad Liebenzeller Bürgermeisterwahl am 17. Oktober. Jeder Kandidat bekommt die Chance, seine Positionen vorzustellen. Die Artikel werden in der Reihenfolge veröffentlicht, in der die Interviews geführt wurden.