Neue Wendung im Alpirsbacher Wahlkampf: Einige Bürger wollen Amtsverwalter Norbert Beck auf den Stimmzettel schreiben. Doch hat das Vorhaben auch Aussicht auf Erfolg?
Offiziell noch zwei Kandidatinnen treten am Sonntag, 21. Juni, bei der Bürgermeisterwahl in Alpirsbach gegeneinander an: Diplom-Verwaltungswirtin Tanja Ewert (53) aus Zweibrücken und die in der Region aufgewachsene und derzeit als Objektleiterin in Heilbronn arbeitende Vanessa Schmidt (34). Ein dritter Kandidat, Robert Vogler (33), steht zwar noch auf dem Stimmzettel, hat seinen Wahlkampf nach einer Erkrankung aber aufgegeben.
Bereits bei der offiziellen Kandidatenvorstellung im Haus des Gastes hatte Vogler krankheitsbedingt passen müssen. Und bereits bei eben jener Kandidatenvorstellung wurde aus den Reaktionen der Anwesenden deutlich, dass zumindest eine der beiden Kandidatinnen nicht überzeugen konnte.
Mittlerweile nimmt eine Kampagne Fahrt auf, die die Bürgermeisterwahl auf den Kopf stellen könnte. Die Idee: Statt bei einem der Kandidaten ihr Kreuz zu machen, könnten die Bürger das freie Feld auf dem Stimmzettel nutzen, um einen Namen einzutragen – nämlich den von Amtsverwalter Norbert Beck.
Beck hatte im Juli des vergangenen Jahres die Amtsgeschäfte in Alpirsbach übergangsweise übernommen. Zu diesem Zeitpunkt war Beck bereits im Ruhestand, nachdem er lange Jahre Bürgermeister von Baiersbronn war (1989 bis 2011) und später für die CDU im Landtag saß (2007 bis 2021). Der mittlerweile 70-Jährige hatte nie einen Zweifel daran gelassen: Ambitionen, das Bürgermeisteramt dauerhaft zu übernehmen, hatte er nicht.
Stürmischer Applaus für Norbert Beck
Doch offenbar hat Beck seine Sache so gut gemacht, dass er mittlerweile in der Stadt äußerst populär ist. Schon bei der Vorstellung der Kandidaten, bei der Beck als Moderator auftrat, erntete der Amtsverwalter stürmischen Applaus.
„Es ist so, dass ein Großteil der Bevölkerung die Arbeit von Herrn Beck sehr gut findet. Er hat gute Entscheidungen getroffen“, meint ein Bürger, der sich für Becks Wahl einsetzt, allerdings anonym bleiben möchte. Und eine andere Bürgerin – die ebenfalls anonym bleiben möchte – meint: „Herr Beck hat uns auf so einen guten Weg gebracht. Wir haben Angst, dass wir diesen Weg verlieren.“
Wie viele Bürger tatsächlich bereit sind, am Sonntag für Beck zu stimmen, lässt sich nur schwer einschätzen. Offizielle Unterstützer, die sich auch namentlich zitieren lassen würden, gibt es bislang offenbar nicht.
Aus den Reihen der Initiatoren der Aktion heißt es, es gebe in Alpirsbach mehrere Gruppen, die derzeit für Beck werben, vor allem mit Whatsapp-Nachrichten, die derzeit in der Stadt die Runde machen. Auch kursiert ein Flugblatt auf dem steht: „Der beste Bürgermeister für Alpirsbach steht gar nicht auf dem Wahlzettel.“
Rechtlich spricht nichts dagegen
Rechtlich würde dem nichts im Weg stehen. Grundsätzlich sei Beck wählbar, stellt Christel Klisch, Leiterin der Stabsstelle Kommunal- und Rechtsprüfung beim Landratsamt Freudenstadt, auf Anfrage unserer Redaktion klar.
Allgemein gelte es aber zu beachten, dass Personen, die in das freie Feld auf dem Stimmzettel eingetragen werden, zweifelsfrei erkennbar sein müssen, damit die Stimme auch zählt. Auf dem derzeit kursierenden Flugblatt wird daher empfohlen, neben dem Namen Norbert Beck auch zusätzlich den Titel „Amtsverwalter Alpirsbach“ einzutragen.
Beck will sich noch nicht festlegen
Und was sagt Beck zu der ganzen Sache? Auf Nachfrage unserer Redaktion schließt er zumindest nicht aus, dass er die Wahl annehmen könnte, sollte er wirklich gewählt werden. Doch festlegen will er sich nicht. „Falls ich tatsächlich die meisten Stimmen bekomme, werde ich sehr ernsthaft darüber nachdenken, ob ich die Wahl annehmen kann – oder auch nicht.“