Wird es eine One-Man-Show am 8. März? An diesem Tag wird in Hechingen das Stadtoberhaupt gewählt. Hat sich noch ein zweiter Kandidat neben dem Amtsinhaber gemeldet?
Als es im Turm der St.-Jakobus-Kirche Mitternacht geschlagen hatte, hat Philipp Hahn seine Bewerbung fürs Hechinger Bürgermeisteramt in den Briefkasten des Rathauses eingeworfen. Ganz analog. In diesem Fall ist die Papierform sogar vorgeschrieben.
Das war just an Heiligabend, und früher ging es nicht, weil die Stelle erst am Vortrag ausgeschrieben worden war. Mit der nächtlichen Aktion hat der Amtsinhaber seinen festen Willen zum Weitermachen bekräftigt, und er steht damit auf den Wahlzetteln ganz oben.
Wie es jetzt aussieht, hätte sich der Bürgermeister nicht gar so beeilen müssen. Die Bewerbungsfrist ist an diesem Dienstag um Punkt 18 Uhr abgelaufen – und es steht auch weiterhin nur ein einziger Name auf der Kandidatenliste. Eben der des Stelleninhabers, der für eine zweite Amtszeit kandidiert.
Der Gemeindewahlausschuss hat am Dienstagabend die eingegangene Bewerbung förmlich festgestellt. Das ging unter dem Vorsitz der Ersten Beigeordneten Dorothee Müllges flott vonstatten. Die beiden weiteren Mitglieder des Kleingremiums wurden ins Amt verpflichtet. Stefan Hipp (CDU-Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat) und Werner Beck (Vorsitzender der Freien Wähler) bekundeten dies mit ihren Unterschriften.
Ein einziger Kandidat am 8. März
Stefan Bauser von den städtischen Bürgerdiensten und erfahrener Wahlmanager im Rathaus, benötigte nur wenig Zeit, um das Ergebnis der Bewerbungszeit zu verlesen. Die Bewerbung ist geprüft und für in Ordnung befunden worden. Ergebnis: „Er ist wählbar.“ Hechingen hat damit definitiv am Sonntag, 8. März, über einen einzigen Kandidaten abzustimmen.
Ist die Wahl annähernd dreieinhalb Wochen vor dem Termin schon gelaufen? Passieren kann nichts mehr. Aber Philipp Hahn (46) wird trotzdem um Stimmen für sich werben. Denn Politiker wollen mit einem angemessenen Ergebnis ins Amt kommen. Eine miese Wahlbeteiligung wäre unpassend, ein mieses Ergebnis noch viel unpassender. Die Hechingerinnen und Hechinger können also sehr wohl ihre Meinung in der Wahlkabine zum Ausdruck bringen. Oder, wenn sie daheimbleiben.
Philipp Hahn hat vor acht Jahren ein sensationell gutes Ergebnis eingefahren: Annähernd 90,7 Prozent der gültigen Stimmen entfielen am 29. April 2018 auf den damaligen Ersten Beigeordneten der Zollernstadt. Die Wahlbeteiligung war mit 44,8 Prozent ordentlich, wie Kenner der Kommunalpolitik konstatierten.
Favorit bei erster Wahl
Bei seiner ersten Wahl war Hahn klarer Favorit gewesen, weil er den Beigeordneten-Bonus hatte und die Konkurrenz nicht eben übermächtig war. Die Stimmung war damals eindeutig für den Christdemokraten. Gerade einmal 39 ungültige Stimmen bei 6863 gültigen mögen dies untermauern.
Noch ein Indiz für die große Zustimmung vor acht Jahren: Die Zahl der Namen, welche die Wählerinnen und Wähler selbst eintragen konnten, um diesen Personen ihre Stimme zu geben, hielt sich in Grenzen. Die aus gesundheitlichen Gründen vor der Zeit aus dem Amt geschiedene Dorothea Bachmann erhielt damals fünf Stimmen. Ebenso viele entfielen auf die damalige CDU-Stadtverbandsvorsitzende Melanie Homberger. Drei Stimmen gab es für CDU-Stadtrat Lorenz Welte.
Auffallend viel Christdemokratisches, wo doch Philipp Hahn ebenfalls dieser Partei angehört – mochte man sich gedacht haben. Der Rest der sogenannten Splittervoten bestand aus Einzelstimmen, unter anderem für SPD-Fraktionschef Jürgen Fischer und „Glufamichel“-Wort Walter Huber. Als ungültig gewertet wurde das Kreuzle für Paul Levi, den in Hechingen geborenen Mitgründer der KPD nach dem Ersten Weltkrieg. Tote können nicht gewählt werden.
Unklar, ob es zur Kandidatenvorstellung kommt
Obsolet sein dürfte die von der Stadt Hechingen organisierte Kandidatenvorstellung im „Museum“. Darüber entschieden ist allerdings noch nicht. Reserviert worden ist dafür der 24. Februar. Aber bei nur einem Bewerber, den man seit acht Jahren kennt, braucht es das wohl nicht. Einen halbwegs öffentlichen Wahltermin gibt es trotzdem: Die IHK Reutlingen hat für Montag, 23. Februar, bevorzugt Hechinger Unternehmerinnen und Unternehmer zur Podiumsdiskussion mit Philipp Hahn in die meaPuna-Orangerie eingeladen.
Und dann verteilt der Kandidat ja auch noch weiterhin seine annähernd 6000 Wahlprospekte. Die 90,7 Prozent sollten nicht zu sehr unterschritten werden, darf man annehmen.
Leserfragen
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