Im Wildbader Kursaal leitete die Kandidatenvorstellung Jochen Borg als Erster Bürgermeister-Stellvertreter, unterstützt von der Ordnungsamtsleiterin Petra Kugele. Foto: Ziegelbauer

Die aktuelle Corona-Pandemie hat am Freitagabend in Bad Wildbad die öffentliche Bürgermeister-Bewerber-Vorstellung mit einer großen Publikums-Präsenz verhindert. Dennoch gab es einige Fragen an manche Bewerber.

Bad Wildbad - Zugelassen gewesen waren unter Berücksichtigung der Raumgrößen im Wildbader Kursaal nur maximal 50 Besucher und in der Calmbacher Enztalhalle nur 150 Interessierte. Beim Livestream im Internet aus dem Kursaal waren aber in der Spitze bis zu rund 650 Geräte zugeschaltet, woraus sich eine vierstellige Zuschauer- und Zuhörerzahl errechnen lässt, die auch ohne Corona-Beschränkungen in den beiden Veranstaltungsräumen kaum unterzubringen gewesen wäre.

Nachdem sich die Kandidaten vorgestellt hatten, konnten die Besucher auch noch gezielt Fragen an die Bewerber stellen, was aber nur vereinzelt genutzt wurde.

Fabian Weiler

In der ersten Frage des Abends vermisste ein Zuhörer in Wildbad Ausführungen von Fabian Weiler zur zuweilen schwierigen Parkierungssituation in der Kurstadt, für deren Verbesserung sich Weiler einsetzen will. Auf eine weitere Frage nach den Finanzierungsmöglichkeiten angesprochener Projekte räumte der Bewerber eine angespannte Finanzlage der Stadt ein. Deshalb müsse man alles auf den Prüfstand stellen und nach einer entsprechenden Analyse zusammen mit dem Gemeinderat Prioritäten setzen. Im Übrigen gelte es, alle möglichen Fördertöpfe anzuzapfen.

In Calmbach wollte ein Zuschauer wissen, wie Weiler die von ihm genannt Schaffung von günstigem Wohnraum umsetzen will. Die Stadt solle ihr Vorkaufsrecht bei Gebäuden ausnutzen und diese in eine Stiftung überführen. Die Stiftung solle dann diese als günstigen Wohnraum verpachten, damit nicht Investoren die Mieten hochtreiben.

Ein weiterer Besucher fragte, wie Weiler bei der finanziellen Lage der Stadt die Straßen sanieren möchte. Weiler will eine Ist-Analyse machen und dann Schritt für Schritt vorangehen. "Das wird nicht in zwei bis drei Jahren gehen", sagte er.

Dietmar Fischer

Der Vorstellungsrede des einstigen Bad Liebenzeller Bürgermeisters Dietmar Fischer folgten in Wildbad Fragen zur Sanierung von Straßen unter eventueller finanzieller Anliegerbeteiligung und zur Bad Wildbader Feuerwehrkonstellation vor dem Hintergrund des modernen Feuerwehrhauses in Wildbad und des sanierungsbedürftigen Gebäudes in Calmbach an der Jahnstraße. Fischer antwortete zu einer Zusammenlegung der beiden Abteilungswehren, dass dies nur geschehen soll, wenn diese von den Feuerwehren gewünscht würde. Auf eine weitere Frage nach der Verschuldung der Stadt stellte er dieser die damit finanzierten Investitionen als Gegenwerte gegenüber. Die Frage nach einer Weiterverfolgung der Staatsbad-Planung 4.0 sah Dietmar Fischer vor dem Hintergrund der Erwartungshaltung der Staatsbad-Besucher. Es brauche speziell bei der Vital-Therme Investitionen. Dass es gehe, habe man bei der Paracelsus-Therme in Bad Liebenzell bewiesen, sagte er zum selben Thema in Calmbach.

Ebenfalls in Calmbach fragte eine Zuschauerin, welche Konzepte er für eine Bürgerbeteiligung habe. Er verwies auf seine Arbeit in Bad Liebenzell. Hier habe es bei allen Themen Bürgerbeteiligung gegeben.

Eine weitere Frage zielte auf seine Abwahl in Bad Liebenzell und was er anders machen würde. Fischer gab zu, dass vielleicht manche Maßnahme zu viel gewesen sei. Man habe viele Projekte angestoßen und vielleicht zu viele Fördermittel bekommen. Er verwies darauf, dass alle Investitionen im Gemeinderat einstimmig beschlossen worden seien. Er will künftig "noch mehr Information, noch mehr Transparenz".

Marco Gauger

Auf das Fehlen des in Wildbad geschlossenen Hallenbades angesprochen, erachtete es Marco Gauger für notwendig, entsprechende Möglichkeiten zu prüfen und Schließungen von Bädern nach Möglichkeit zu vermeiden. Hinsichtlich weiterer touristischer Investitionen stehe der Sommerberg zwar im Fokus, irgendwann sei aber eine gewisse Grenze erreicht.

Auf die Frage, wie er den Breitbandausbau beschleunigen wolle, antwortete er, dass diese Aufgabe zu großen Teilen beim Landratsamt liege. Aber man kenne die Ansprechpartner, "denen muss man auf die Füße stehen".

"Woher nehmen sie als Nicht-Verwaltungsfachmann, die Sicherheit, dieser Aufgabe gewachsen zu sein?", wollte ein weiterer Besucher wissen. Gauger verwies unter anderem auf seine Abschlussarbeit in Stadtsoziologe. Dieser Fachbereich untersuche, wie sich Stadtplanung auf die Entwicklung einer Stadt auswirke. Zudem habe er in den vergangenen drei bis vier Jahren in Freudenstadt eng mit allen Ämtern zusammen gearbeitet und sei in allen Sitzungen gewesen. "Das gibt mir die Reife, diesen Schritt zu gehen."

Auf weitere Fragen gab er an, dass er sich künftig Gemeinderatssitzungen auch in der Mensa in Calmbach vorstellen könne und er das Rathaus in Calmbach als Sanierungsfall auf dem Schirm habe. Zudem will er auch hier Sprechstunden anbieten.

Fabian Schmitt

Fabian Schmitt als Meister für Bäderbetriebe und als einziger Bewerber aus dem Kreis der städtischen Mitarbeiter verwies nach einer entsprechenden Anfrage nach Kompetenzen für das von ihm angestrebte Amt auf seine fünfjährige Betriebsleitertätigkeit im Calmbacher Waldfreibad und auf seine zweijährige Funktion als Personalratsvorsitzender und setzte im Falle seiner Wahl auf eine gute Kooperation mit seinen Mitarbeitern.

Auch Schmitt wurde gefragt, wie er die Straßen sanieren will. Man müsse alle Fördertöpfe konsequent ausnutzen, antwortete der Bewerber. Auf die Frage, wo er Wohngebiete schaffen wolle, sagte er, dass er das ohne Einblicke in Bebauungspläne noch nicht sagen könne. Er möchte auch an Eigentümer von "Bruchbuden" herangehen und fragen, wie die Stadt unterstützen könnte.

Keine weiteren Fragen

Keine Fragen hatten die Besucher an die weiteren Kandidaten Thomas Anhalt, Egon Nagel, Frank Drollinger und Viola Knaus.

Jochen Borg dankte abschließend allen im Hintergrund der Kandidatenvorstellungen in Calmbach und Wildbad mitwirkenden Stadträten und städtischen Bediensteten sowie den mit der Einlasskontrolle und mit dem Personentransfer zwischen Calmbach und Wildbad befassten Feuerwehrangehörigen. Er rief die Bürgerschaft auf, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. "Es ist eine wichtige Wahl und eine Zukunftsentscheidung für unsere Stadt", so der Erste Bürgermeister-Stellvertreter.

Livestream fast 5000 mal aufgerufen

Der Besuch im Kurhaus in Wildbad und der Halle in Calmbach bei Vorstellung der Bürgermeisterkandidaten blieb bescheiden. Aber ganz ordentlich entwickelte sich die Zahl derer, die von zu Hause aus die Live-Übertragung verfolgten. Wenn man so mit den zuhörenden Zuschauern spricht, saßen meist zwei, manchmal nur ein Beobachter, gelegentlich aber auch ein größeres Publikum vor den Bildschirmen. Beim Vortrag des ersten Kandidaten, Fabian Weiler, waren um 450 Geräte online zu registrieren, ehe 20 Minuten nach dem Start bei Thomas Anhalt die 500 überschritten wurden. Bei Dietmar Fischer waren bis mehr als 600 Teilnehmer online dabei, bei Frank Drollinger blieben die Zahlen nahezu konstant. Nochmals eine leichte Zunahme brachte nach einer Pause der zweite Teil, wo bis um die 630 Teilnehmer die Ausführungen von Marco Gauger verfolgten. Leicht sinkende Tendenz setzte bei Fabian Schmitt ein, was sich bei Viola Knaus fortsetzte, wo am Ende nur noch 380 Bildschirme eingeschaltet waren. Wenig veränderte sich das Bild bei Egon Nagel, der über 370 bis 400 Empfänger flimmerte. Nochmals bis zu 560 Teilnehmer oder Gruppen nahmen die Schlussworte von Moderator Jochen Borg wahr. Auffällig war, dass während aller Vorträge die Zahlen der Teilnehmer an den Endgeräten nicht unerheblich schwankten. Bis Montagmorgen um 9.30 Uhr wurde die Aufzeichnung über YouTube beachtliche 4939 Mal aufgerufen.