Noch ist das Rennen ums Rathaus Bad Liebenzell (rechts) nicht offiziell eröffnet. Einer allerdings hat seine Kandidatur bereits angekündigt: der erste Bürgermeister-Stellvertreter Sebastian Kopp. Foto: Thomas Fritsch

Was er derzeit ehrenamtlich macht, will er künftig hauptberuflich tun: Der erste Bürgermeisterstellvertreter möchte Rathaus-Chef werden.

Die Nachricht, dass Sebastian Kopp Bürgermeister von Bad Liebenzell werden möchte, ist erst wenige Tage alt. Allerdings ist es auch erst rund zwei Wochen her, dass bekannt wurde, dass der erkrankte Rathaus-Chef Roberto Chiari Ende des Monats wegen Dienstunfähigkeit in Ruhestand versetzt wird. Die Sondersitzung des Gemeinderats zur Bürgermeisterwahl offenbarte einmal mehr die tiefen Gräben, die sich durchs Gremium ziehen. Kopp sitzt für die „Unabhängige Liste“ (UL) im Gemeinderat und führt seit gut einem Jahr als erster Bürgermeister-Stellvertreter die Geschäfte. Was sagen die anderen Fraktionen zu seiner angekündigten Bewerbung?

 

Grüne Dietmar Lehmann-Schaufelberger (Grüne) spricht von einer Überraschung. „Aber es war eine schöne Überraschung.“ Kopp habe sich als erster Bürgermeister-Stellvertreter „in der kritischen Zeit bewährt“. Die Grünen-Stadträte sind mit seiner angekündigten Kandidatur „sehr, sehr zufrieden“, meint Lehmann-Schaufelberger: „Wir werden ihn unterstützen so gut es geht.“ Sebastian Kopp sei ein Mensch, der zusammenführe – und einer, der den Karren ziehe, wie es sich gehöre.

CDU kritisiert, wie schnell alles ging

CDU Für Dietmar Fischer, Vorsitzender der CDU-Fraktion und Amtsvorgänger von Roberto Chiari, dagegen kommt Sebastian Kopps Kandidatur-Ankündigung nicht überraschend. Begeistert indes ist er nicht davon. Zwar müsse er sich mit seiner Fraktion erst noch abstimmen. Allerdings könne er sich nicht vorstellen, dass diese Kopps Bewerbung unterstütze, sagt er am Mittwoch. „Wir müssen uns jetzt erstmal orientieren.“ Denn zumindest Chiaris Amtsende Ende Mai, so lässt Fischer es anklingen, kam für ihn überraschend.

ZBL, CDU und AfD hatten sich in der Sondersitzung des Gemeinderats dafür eingesetzt, dass die Wahl am spätestmöglichsten Zeitpunkt stattfindet, nämlich dem 30. August. Mit Erfolg. Die Verwaltung dagegen hatte mit dem 19. Juli den frühestmöglichen Termin vorgeschlagen. Den 30. August nennt Fischer den für die Wähler optimalen Termin. „Wir suchen einen Kandidaten“, erklärt er. Und zwar außerhalb Bad Liebenzells. Denn die, die jetzt die Amtsgeschäfte führten, die hätten dazu beigetragen, dass die Situation nun so ist, wie sie ist und der erkrankte Bürgermeister sein Amt aufgeben müsse. Dem, dass auch die Differenzen zwischen ihm und Chiari damit zu tun haben könnten, widerspricht er. Dabei hatte er sogar etliche Dienstaufsichtsbeschwerden gegen den Rathaus-Chef bei der Kommunalaufsicht eingereicht. Zwischen ihm und Chiari sei alles in Ordnung. „Unterschiedlicher Meinung zu sein gehört in unserem Demokratieverständnis dazu.“

Ein künftiger Bürgermeister „sollte gute Fachkenntnisse haben und die entsprechende positive Motivation, eine Stadt weiterzuentwickeln“, meint Dietmar Fischer. Zudem hofft er auf einen unabhängigen Kandidaten, der „unvoreingenommen und ehrlich an Themen rangeht“. Der CDU-Fraktionsvorsitzende rechnet mit keiner einfachen Kandidatensuche. Eines indes sagt er deutlich: „Der Name Dietmar Fischer wird bei dieser Wahl nicht auftauchen.“ Er konzentriere sich auf seinen Wahlkampf in Bruchhausen-Vilsen (Niedersachsen). Dort will er am 13. September zum Rathaus-Chef gewählt werden.

ZBL kritisiert, wie schnell alles ging

Zukunft Bad Liebenzell Auch Ekkehard Häberle, der an der Spitze der ZBL-Fraktion steht, hält mit seiner Meinung nicht zurück. Er sei nicht überrascht von Kopps Kandidatur, schließlich betreibe dieser seit vier oder viereinhalb Jahren Wahlkampf. „Zuerst hat er einen Bodyguard vorgeschickt namens Roberto Chiari.“ Nun werde es so dargestellt, dass die anderen schuld seien. Aber zur Wahrheit gehöre dazu, „dass Chiari dem Amt nicht gewachsen ist“.

Er sehe Kopps Kandidatur mit gemischten Gefühlen entgegen. Zudem kritisiert der Stadtrat, wie schnell sich alles ereignet hat. Erst am 30. April seien sie von Roberto Chiari über sein Amtsende informiert worden, am vergangenen Montag dann war die Sondersitzung des Gemeinderats zur Bürgermeisterwahl. Darum hätten ZBL, CDU und AfD dabei auf den spätest möglichen Wahltermin gepocht.

„Wir wollen für Bad Liebenzell das Beste“, meint Häberle. Deshalb bedarf es aus seiner Sicht eines neutralen Kandidaten, am besten von außerhalb. „Sonst geht das, was in den vergangenen vier Jahren war, genauso weiter.“ Er will erst einmal die Anzeige im Staatsanzeiger abwarten, die am 22. Mai veröffentlicht wird. „Alles Weitere sieht man dann“, sagt Ekkehard Häberle. „Ich würde mich freuen, wenn wir ein breites Bewerberfeld haben.“

„Ein junger, fideler Kerl“ – am besten von außerhalb

AfD AfD-Stadtrat Norbert Maier will ebenfalls einen neutralen Kandidaten, am besten von weit weg. „Ja klar“ mache er sich auf Bewerbersuche. „Ein junger, fideler Kerl“, meint er und bringt dann – trotz der Hoffnung auf einen Bewerber von außerhalb – den Namen Raphael Koch ins Spiel. Der frühere Betriebsleiter des Kurhauses ist allerdings Bad Liebenzeller. Doch Maier erlebte ihn seinen eigenen Worten nach als anpackend und mit Ideen. So jemanden wünscht er sich fürs Amt, „am idealsten“ aber von außerhalb.

„Mir ist es eine Herzensangelegenheit, dass es in Bad Liebenzell endlich vorwärtsgeht“, sagt Norbert Maier. Das gehe nicht mit einem Bewerber aus dem Gemeinderat. „Ich bin gegen den Herrn Kopp, weil ich finde, es muss ein Neustart beginnen.“ Zudem hätten Kopp und Katrin Heeskens, die stellvertretende UL-Fraktionsvorsitzende, Roberto Chiari nur benutzt, „um gegen Herrn Fischer vorzugehen“. Damit spielt er auf die Bürgermeisterwahl 2021 an, die Chiari gegen den Amtsinhaber gewonnen hatte.

UL Dafür kann Sebastian Kopp sich der Unterstützung seiner Fraktion sicher sein. Katrin Heeskens erklärt: „Wir hatten eine Fraktionssitzung gleich nach seiner Ankündigung zu kandidieren und stehen alle hinter seiner Kandidatur und würden es als großen Gewinn für die Stadt sehen, wenn Herr Kopp die Wahl gewinnen würde.“ Das „Alle“ betont sie dabei. Darüber hinaus verweist sie unter anderem darauf, dass Kopp bei der vergangenen Kommunalwahl mit großem Abstand Stimmenkönig gewesen sei. Er sei in der Bevölkerung sehr geschätzt, seine Arbeitsweise sei „offen und kreativ für pragmatische Lösungen“, er sei in alle Themen eingearbeitet und „seine Art die Sitzungen im Gemeinderat zu führen, empfinde ich als sachlich und zielführend, zudem ist er emotional widerstandsfähig.“