Die Kandidaten für die Bad Bellinger Bürgermeisterwahl stellten sich den Bürgern vor (von links): Amtsinhaber Carsten Vogelpohl, Karl Wiesler, Harro Kienzler und Franz Feldmeyer. Foto: Silke Hartenstein

Die Sitzplätze im Kursaal reichten nicht aus für die rund 550 Bürger bei der Kandidatenvorstellung für das Amt des Bad Bellinger Bürgermeisters.

Der 53-jährige Bürgermeister und Politikwissenschaftler Carsten Vogelpohl zog eine positive Bilanz seiner Amtszeit in Bad Bellingen – mit halbierter Verschuldung von Gemeinde sowie Bade- und Kurverwaltung (BuK), zehn Millionen Euro Rücklagen, drei Millionen Liquidität, Stabilisierung der Übernachtungszahlen auf 230 000 pro Jahr und 1000 neuen Einwohnern.

 

Das Neubaugebiet Rheinstraße Nord werde im Jahr 2030 bezogen, für wachsende Kinderzahlen gebe es die Option eines Naturkindergartens. Die Schaffung zusätzlicher Grundschulräume starte im Frühjahr 2026. Die Besucherzahlen der Therme hätten sich seit Corona erholt auf 212 000 im Vorjahr, allerdings gebe es 2025 wohl ein Defizit von 218 000 Euro.

Den kompletten Thermenneubau werde die Gemeinde sich nicht leisten können, doch die schrittweise Erneuerung und Erweiterung, ein zweites Innenbecken, seien angedacht.

Rathaus und Kurpark

Das Land als Fördermittelgeber trage die Planungen mit. Vogelpohl verwies auf das neue Gesundheitszentrum samt Polizeiposten, gute Grundversorgung der Ortsteile mit Kindergärten, gute Infrastruktur für Vereine und Feuerwehr und den baldigen Abschluss von Rathausumbau und Kurparkweihersanierung.

Durch Erstellung eines neuen Gemeindeentwicklungskonzepts winkten hohe Fördermittel für Sanierungsmaßnahmen. Und wenn alles gut laufe, komme ein neuer Discounter und ein DRK-Seniorenwohnen.

Nur fünf Minuten Redezeit genutzt

Der 67-jährige Ingenieur Karl Wiesler beendete seine ihm zustehenden 20 Minuten Redezeit bereits nach fünf Minuten. Er gab sich volksnah, und meinte, er halte nicht viel von Fördergeldern. Wiesler, der in der Schweiz wohnt, verwies auch in der späteren Fragerunde wiederholt auf seine mangelnden Kenntnisse des Orts und seiner Gegebenheiten.

„Ich steh’ hier als einer von euch“, sagte der 60-jährige Schlossermeister Harro Kienzler aus Bamlach. Mit selbstbewusstem Auftreten betonte er den Wert von Gemeinschaft, Stärkung der Bürgerbeteiligung und der Vereine.

Therme ist Thema

Für die Therme sehe er modulare Rückzugsbereiche und Erlebnisbereiche für Familien, für den Kurpark eine Neuausrichtung als Bürgerpark – unter anderem mit grünen Klassenzimmern und Familiengärten in Kooperation mit Schülern, Kindergärten und Senioren. Ein Gratis-Gewächshaus könne er bereit stellen.

Angesichts steigender Kosten bei gedeckelten Fördermitteln halte er nichts davon, Großprojekte nach Fördergeldern auszurichten. Und: Es brauche weder ein neues Gewerbegebiet noch einen zweiten Supermarkt beim Kurpark, meinte Kienzler.

Zu Vorwürfen nicht geäußert

Zu den Presseberichten über seine Vorwürfe an Bad Bellingens Verwaltung und deren Stellungnahme hierzu äußerte er sich nicht. Auf die Frage, wie ein politisch Unerfahrener ohne Netzwerk die Gemeinde in Krisenzeiten weiter bringen wolle, verwies Kienzler auf Bürgermeister Vogelpohls Wirken seit 2018 und urteilte: „Schlechter kann man es nicht machen.“

Von Räten um Kandidatur gebeten

Franz Feldmeyer, 58-jähriger Freier Architekt aus Lörrach, kandidiere, sagte er, weil ihn mehrere Gemeinderäte darum gebeten hätten. Er wolle mehr Bürgernähe und Bürgerbeteiligung zu den Kernthemen Thermalbad, BuK, Rathaus, Kurpark und -weiher, Schaffung günstigen Wohnraums, mehr Verbindungswege zwischen den Ortsteilen sowie niedrigere Grundsteuerhebesätze, Wasser- und Abwassergebühren.

Für die Restrukturierung der Therme favorisiere er eine sanfte Sanierung und Bauen im Bestand, dazu eventuell den Neubau eines Sportbeckens. Für einen von ihm angestrebten Neubau einer Klinik kenne er einen privaten Investor.