Die Eichwaldhalle war bei der offiziellen Kandidatenvorstellung prall gefüllt. Foto: Matthias Buchner

Mehr als 650 Zuhörer wollten bei der offiziellen Kandidatenvorstellung in der Eichwaldhalle die drei Bewerber um das Altensteiger Bürgermeisteramt in Augenschein nehmen. Nach nicht einmal 90 Minuten war die eigentlich auf drei Stunden angesetzte Veranstaltung bereits wieder vorbei.

Nachdem Altensteigs Noch-Bürgermeister Gerhard Feeß die Besucher in der prall gefüllten Eichwaldhalle begrüßt hatte, erklärten Hauptamtsleiter Thomas Bräuning und Ordnungsamtsleiterin Stephanie Rathmann kurz das Prozedere. 20 Minuten Redezeit gestand das Reglement jedem Kandidaten zu – keiner der drei schöpfte diese voll aus.

 

Gemäß der Reihenfolge, in der die Kandidaten ihre Bewerbungen eingereicht hatten, trat Sebastian Ludwig als Erster ans Mikrofon, derweil seine beiden Mitbewerber draußen warten mussten. Sein Studium der Europawissenschaften habe ihn gut auf das angestrebte Amt vorbereitet, erklärte er dem Publikum. Altensteig sei gut aufgestellt, sagte er, aber vergleichbar mit einer Perle, die ihren Glanz verliert. Dabei wolle er nicht zusehen.

Ludwig: „Altensteig wird wachsen müssen“

Um in Konkurrenz mit anderen Gemeinden bestehen zu können, bedürfe es einer gestärkten Wirtschaft und einer pragmatischen Rathausspitze. Es gelte, die Attraktivität der Flößerstadt als Wohn- und Arbeitsort zu steigern, denn: „Altensteig wird wachsen müssen.“ Im falschen Moment zu sparen, könne gefährlich sein.

Sebastian Ludwig Foto: Matthias Buchner

Ein Anliegen sei es ihm, die direkte Lebensqualität der Altensteiger zu steigern. Dazu gehöre auch, die Gesundheitsversorgung zu verbessern. Dass in Altensteig kein Gynäkologe und keine Hebammenpraxis ansässig seien, müsse sich ändern. Ein weiterer Standortfaktor seien ausreichend Kinderbetreuungsplätze.

Sein Rezept: „Mehr neue Wege, mehr Wagemut, mehr Kooperation.“ Es sei an der Zeit, vorhandene Potenziale zu nutzen – mit der Erfahrung der Älteren und den Ideen der Jungen.

Sebastian Ludwig schloss seine Ausführungen mit einem Zitat des ehemaligen Stuttgarter Oberbürgermeisters Manfred Rommel: „Schauen Sie sich alle Kandidaten genau an, und wenn Ihnen keiner richtig gefällt, dann wählen Sie mich!“

Valha: „Ich habe richtig Bock auf den Job“

Als ehemaliger Spieler der Altensteiger TSV-Handballer sei er eine volle Eichwaldhalle gewohnt, sagte Oliver Valha, „aber das hier toppt alles.“ Im Vorfeld seiner Bewerbung habe er mit vielen Menschen gesprochen und Rat gesucht. „Wenn Sie Feuer spüren, dann machen Sie es“, habe ihm sein Chef im Freudenstädter Landratsamt gesagt – „und ich muss sagen: Ich habe richtig Bock auf den Job.“

Oliver Valha Foto: Matthias Buchner

Ihn hätten zuvor schon Anfragen aus anderen Gemeinden erreicht, ob er denn für das Bürgermeisteramt kandidieren wolle, aber das sei für ihn nicht in Frage gekommen, weil er zu diesen keine Beziehung gehabt habe. „In Altensteig ist das anders“, betont er.

Er könne nicht mit einem fertigen Plan für die Zukunft Altensteigs aufwarten, aber er könne drei Bereiche nennen, auf die er im Falle seiner Wahl setzen wolle. Da sei zunächst einmal das Thema Kommunikation. Die wolle er „auf allen Kanälen“ pflegen, auch regelmäßig die Teilorte besuchen und die Bürgergespräche, wie er sie jetzt im Wahlkampf geführt habe, beibehalten.

Außerdem setzt Valha auf die Vereine der Stadt. Ihnen sagte er „intensive Unterstützung“ zu. Er sei in Vereinen groß geworden und engagiere sich nach wie vor: „Sie sind das Rückgrat unserer Gesellschaft, und sie bestimmen die Werte unserer Kinder.“ Er könne sich beispielsweise einen von der Stadt gestifteten Preis für besondere Projekte und Angebote vorstellen, der von Bürgern an Bürger vergeben wird.

Schließlich wolle er die Stadtverwaltung „in die Zukunft führen“. Er sieht die Rathausmitarbeiter als Ansprechpartner für die Bürger und Partner für die Wirtschaft. Eine verstärkte Digitalisierung hält er da für unabdingbar: „Ich hätte ein Problem damit, wenn andere da schneller wären.“

Die finanzielle Situation der Kommune sei nicht einfach, aber er wolle die Probleme mit dem Gemeinderat angehen: „Es gibt viele Wünsche und Ideen, da wird die Priorisierung einer Herausforderung.“

Zelenic: „Jede Meinung zählt“

Er sei Altensteiger, betonte Sascha Zelenic, „ich bin hier aufgewachsen und zur Schule gegangen“. Gleich zu Beginn seiner Ausführungen räumte er ein, vor mehr als 15 Jahren „einen Riesenfehler“ begangen zu haben, der zu einer Jugendstrafe geführt habe.

Als unabhängiger Kandidat zähle für ihn jede Meinung, stellte er klar, „egal, ob von ganz rechts oder sonst wo“. Seit Bekanntgabe seiner Kandidatur habe er viel Kritik an der bisherigen Altensteiger Kommunalpolitik geübt, „aber das gehört dazu“. Vieles sei ja auch richtig gemacht worden. So sei beispielsweise viel für die Bildung unternommen worden.

Sascha Zelenic Foto: Matthias Buchner

Andererseits vermisse er eine gewisse Offenheit neuen Ideen gegenüber: „Was das angeht, ist man sehr voreingenommen in Altensteig.“

Sein Bestreben sei es, Altensteig zu einem attraktiven Standort für Unternehmen zu machen, der „kreativen Köpfen“ eine Perspektive biete. Er wolle zudem die leerstehenden Läden in der Unterstadt wieder mit Leben füllen. Außerdem müssten junge Menschen es als Option begreifen, nach Ausbildung und Studium wieder nach Altensteig zurückzukehren, dort zu leben und zu arbeiten.

Ihm sei es wichtig, den Zusammenhalt in der Stadt zu stärken – „ich würde mich also sehr freuen, wenn Sie mir Ihre Stimme geben würden“.

Anschließend hatten die Zuhörer Gelegenheit, Fragen an die Kandidaten zu richten.

Livestream

Per Livestream
konnten Interessierte die Kandidatenvorstellung bequem vom heimischen Sofa aus verfolgen. Eine Aufzeichnung hätte eigentlich online unter www.altensteig.de/kandidatenvorstellung abrufbar sein sollen. Weil aber einer der Kandidaten seine zuvor erteilte Zustimmung wieder zurückgezogen habe, müsse das Material vor Veröffentlichung bearbeitet werden, teilt die Stadt Altensteig auf ihrer Homepage mit. Die redigierte Version stehe vermutlich ab Montagabend zur Verfügung.