Interview Sebastian Kopp, stellvertretender Bürgermeister Bad Liebenzell, zieht Bilanz über das vergangene Jahr. Und was könnte 2026 herausfordernd sein?
Dass die Arbeit als Bürgermeisters herausfordernd ist, merkt auch Sebastian Kopp. Als stellvertretender Bürgermeister Bad Liebenzells übernimmt er Teile der Aufgaben des Bürgermeisters Roberto Chiari.
Dieser ist seit nunmehr über einem halben Jahr krank geschrieben. Chiari machte seine Burnout-Erkrankung im Mai erstmals öffentlich. Die Amtsgeschäfte übernahm somit sein Stellvertreter im Ehrenamt – später mit Hilfe des Haiterbacher Alt-Bürgermeisters Andreas Hölzlberger.
Ganz allgemein gefragt: War 2025 ein gutes Jahr für Ihre Stadt? Und warum oder warum nicht?
Ich denke, es war für Bad Liebenzell ein ungewöhnliches Jahr – ein Dreivierteljahr ohne den hauptamtlichen Bürgermeister Chiari, dem ich an dieser Stelle weiterhin gute Besserung wünsche. Es wurden trotzdem viele Themen von der Verwaltung bearbeitet und wichtige, richtige Entscheidungen in den Gremien getroffen. Deshalb würde ich sagen: Es war ein produktives Jahr 2025.
Was war 2025 der wichtigste Meilenstein für Ihre Stadt?
Es gibt nicht den einen Meilenstein. Wir haben in vielen Punkten Fortschritte für die Entwicklung unserer Infrastruktur in Bad Liebenzell erreicht. Dies liegt auch am Engagement vieler Ehrenamtlicher, die in breit gestreuten Bereichen unglaublich viel für unsere Stadt geleistet haben: einerseits in bestehenden ehrenamtlichen Strukturen und auch in neu geschaffenen Fördervereinen. Außerdem engagieren sich immer mehr Menschen beim Erhalt der Infrastruktur in allen Teilorten. Dies finde ich bemerkenswert und beeindruckend!
Welches Projekt wird für Ihre Stadt 2026 das wichtigste sein?
Das Kurhaus wird Anfang 2026 nach einer Umbauphase neu eröffnen und mit einem neuen Konzept neu am Markt platziert werden. Ein wirtschaftlicher Erfolg im Bereich des Tourismus ist enorm wichtig für unsere Stadt – und ich bin überzeugt, dass es eine gute Entwicklung geben wird!
Was wird 2026 die größte Herausforderung für Ihre Stadt?
Trotz finanzieller Herausforderungen die Stadt am Laufen zu halten!
Ende Januar 2026 steht die erste Fahrt der Hesse-Bahn an. Welche Bedeutung hat das für Sie?
Ich freue mich als Kreisrat besonders – ein Meilenstein für den Kreis Calw. Auch wenn der Weg dorthin mühsam und kostenintensiv war – die Hermann-Hesse-Bahn verbindet uns enger mit dem Großraum Stuttgart und wird sich letztlich auch für Bad Liebenzell auszahlen.
Der Job des Bürgermeisters scheint in den vergangenen Jahren immer härter geworden zu sein - mit allen negativen Konsequenzen. Auch im Kreis Calw ist das zu spüren. Was macht Ihnen beruflich am meisten zu schaffen? Und was müsste sich ändern, um das zu verbessern?
Der Beruf ist herausfordernd – ich merke dies täglich als ehrenamtlicher Vertreter. Persönliche Angriffe muss man aushalten, für sich einordnen können und es braucht eine resiliente Grundhaltung. Das Berufsbild wird sich auch in Zukunft nicht ändern; den Druck muss man schlicht und ergreifend aushalten können.
Egal ob Windräder, Baugebiete oder Mobilfunkmast - immer öfter bildet sich organisierter Widerstand gegen größere Projekte in der Nachbarschaft. Halten Sie das für legitim? Oder greift hier eher das Sankt-Florian-Prinzip, das im englischsprachigen Raum auch als „not in my backyard“ (“nicht in meinem Hinterhof“) bekannt ist?
Selbstverständlich ist der Widerstand legitim – wir leben in einem Rechtsstaat. Trotzdem müssen wir als gewählte Vertreter noch Infrastrukturprojekte auf kommunaler Ebene umsetzen, ansonsten sind wir als Staat nicht mehr handlungs- und entwicklungsfähig. Diesen Spagat gilt es bei jedem Projekt auszuhalten.
Die Finanzlage der Kommunen ist schlecht, überall muss gespart werden. Zurückstecken will natürlich niemand. Ist die Erwartungshaltung der Bürger in dieser Situation realistisch?
Ich spüre langsam eine Veränderung. Große Teile der Bevölkerung merken, dass es enger wird mit den Finanzen und wissen, dass Erwartungen nach unten geschraubt werden müssen. Notwendig ist eine ehrliche und offene Kommunikation mit der Bevölkerung, nur dann kann man Verständnis schaffen. In Bad Liebenzell bilden sich immer mehr Fördervereine, die die Stadt damit auch finanziell unterstützen; so kann Infrastruktur (zum Beispiel das Freibad und die Bibliothek) erhalten werden.
2026 wird der Landtag gewählt. Welchen Wunsch haben Sie an die neue Landesregierung?
Die Kommunen müssen eine bessere Finanzausstattung bekommen. Und zwar dauerhaft – mit einmaligen Zahlungen ist es nicht getan!
Und zu guter Letzt noch etwas Persönliches: Was war Ihr schönster Moment 2025?
Es war für mich persönlich ein rastloses Jahr – mit keinen Pausen zum Innehalten. Gefreut habe ich mich als Unternehmer und Vater, dass mein Sohn angefangen hat in meiner Firma zu arbeiten und die Familientradition fortsetzen möchte. Dies erfüllt mich mit Stolz und Freude!