„Ich erlebe jeden Tag Himmel und Hölle“, sagt Silke Edele. Sie ist Bürgermeisterin in Weilen unter den Rinnen und unterstützt gemeinsam mit der Balingerin Sybille Fleischmann die Initiative „Bürgermeisterin? Ich mach das!“
„Das kann es ja nicht sein“, dachte sich Sybille Fleischmann, als sie während ihrer Kandidatur um den Balinger OB-Posten die Zahlen sah: In Baden-Württemberg sind nur acht Prozent der Bürgermeisterinnen Frauen – obwohl sie 70 Prozent Anteil der Studierenden an den Verwaltungshochschulen ausmachen. Fleischmann, Tochter des ehemaligen Balinger Oberbürgermeisters Eugen Fleischmann, recherchierte weiter und wurde beim Städtetag fündig.
Der Städtetag Baden-Württemberg wird bei der Kampagne finanziell vom Innenministerium unterstützt. Fleischmann ist Teil des externen Projektteams. Das Ziel: „Den Frauen Mut machen, sich zu zeigen, Verantwortung zu übernehmen, sich den Job überhaupt zuzutrauen.“ Das soll mit Vorbildern funktionieren, die in Videos auf der Homepage vorgestellt werden. Die Schramberger Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr, die Sasbacher Bürgermeisterin Dijana Opitz oder Silke Edele.
„Ich bin Mädchen für alles.“
Sie war die erste, die vom Team um Fleischmann gefilmt wurde. An manchen Stellen ruckelt und zuckelt der kurze Film. Aber das ist authentisch und: „Ich will das gar nicht anders, das ist mein Film“, sagt die zweifache Mutter Edele. Über ihren Alltag sagt sie: „In meiner Mini-Gemeinde bin ich Mädchen für alles, muss alle Themen unter einen Hut bringen. Es ist wahnsinnig interessant.“
Fleischmann und ihr Team wollen mehr Frauen Lust und vor allem Mut machen, sich in Spitzenpositionen zu bewerben. „Das geht!“, sagt Fleischmann und verweist auf eine junge Bürgermeisterin, die kurz nach der Wahl schwanger wurde. „Man kann auch mit Babybauch im Rathaus arbeiten“, sagt sie. „Organisation und Netzwerk ist alles.“
„Die Frauen müssen sich reinschaffen.“
Ein solches Netzwerk will Fleischmann künftigen Bürgermeisterinnen bieten. Die Homepage soll Frauen informieren, ihnen Mut machen, ein Podium für erste Gespräche sein. „Gebildete Frauen brauchen wir überall“, meint die Balingerin. Und weiter: „Warum wird einem Mann zugetraut, 40 Stunden im Rathaus zu arbeiten und einer Frau nicht?“
Die Homepage bietet und sammelt Ideen. Frauen, die sich für ein hohes politisches Amt interessieren, werden von der Initiative an Stiftungen und Mentoren weiter geleitet, um Kurse zu belegen und sich weiterzubilden. „Die Frauen müssen sich bewusst sein, dass sie sich reinschaffen müssen“, ergänzt Edele. „Aber das gelingt.“
„Wir brauchen Fachfrauen.“
Die rosa Brille haben die Frauen dabei nicht auf. „Bürgermeisterin zu sein ist eine Herausforderung“, sagt Fleischmann. Edele kamen ihre 20 Jahre Arbeit in der Verwaltung zugute, zuletzt war sie Gleichstellungsbeauftragte des Zollernalbkreises. „Aber auch ein Quereinstieg geht“, betont Fleischmann. In der Kampagne setzt die Balingerin auf das Thema „Mit Kind im Amt“ und auf den „Equal pay day“, also die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen für die selbe Leistung.
Vorrangiges Ziel der Kampagne aber ist es, die Frauen an Hochschulen zu motivieren. „Wir brauchen Fachfrauen, Amtsleiterinnen sollten mehr Verantwortung übernehmen und aus dem Schatten treten“, ist Fleischmann überzeugt.
„Wir sind nicht aus Zucker.“
Ach ja, auch Männer werden mit der Kampagne angesprochen. Als „Unterzielgruppe“, wie Fleischmann formuliert. Die Herren sollen zeigen, wie wichtig die Rolle in der Lokalpolitik ist und als Mentoren fungieren.
Beim Fototermin nach dem Redaktionsgespräch schüttet es übrigens wie aus Kübeln. Fleischmann und Edele macht das nichts aus: „Wir sind ja nicht aus Zucker“, sagen die beiden unisono, legen die Mäntel auf den Boden und haben Spaß – genau den, den sie den künftigen Bürgermeisterinnen vermitteln wollen.
Die Kampagne
Porträts, Infos und Links
gibt es unter www.buergermeisterin.de