Silke Edele ist seit gut einem Jahr Bürgermeisterin von Weilen unter den Rinnen. In den ersten Monaten hat sie sich eingearbeitet, einiges umstrukturiert und dabei viel gelernt.
„Ich bin jetzt im zweiten Lehrjahr“, erklärt Silke Edele und lächelt. Am 1. Mai 2023, vor etwas mehr als Jahr, wurde sie als Nachfolgerin von Gerhard Reiner zur Bürgermeisterin von Weilen unter den Rinnen gewählt. Im Gespräch mit unserer Redaktion blickt sie auf ihr erstes Jahr im Weilemer Rathaus zurück.
„Ich wusste worauf ich mich einlasse“, sagt Edele, die bis zur Wahl im Landratsamt als Gleichstellungsbeauftragte gearbeitet hat. Dennoch wurde sie im ersten Jahr jeden Tag aufs Neue überrascht und lernte viel dazu. „Es braucht seine Eingewöhnungszeit“, gibt Edele zu. Auch wenn die Diplom-Verwaltungswirtin vom Fach ist, musste sie sich in vieles hineinarbeiten. „Jeder Tag in meinem ersten Jahr in Weilen war eine Premiere, man steht täglich vor neuen Herausforderungen“, berichtete die Bürgermeisterin. „Aber ich bin stolz auf mich, dass ich das so gut wuppe.“
Das Einarbeiten
„Die Aufgaben in einer kleinen Gemeinde sind schier unendlich.“ Die Verwaltung in Weilen, die ist rein weiblich. Die meisten Aufgaben bleiben an der Bürgermeisterin selbst hängen, Unterstützung erhält sie von ihrer Mitarbeiterin Vanessa Platzer. „Wir sind ein Dream-Team“, findet die Bürgermeisterin.
„Eine Gemeinde ist wie ein Kind, für das man rund um die Uhr da sein muss“, erklärt sie: Von den großen Themen wie neue Baugebiete und die Verwaltung des Haushalts bis hin zu den einzelnen Anliegen der Bürger ist Edele Ansprechpartnerin für nahezu alles, was in Weilen ansteht. Oft ist Edele im Rathaus vor Ort, doch auch zu Hause hört die Arbeit nicht auf. Viele Verwaltungsaufgaben kann Edele im – auf Neudeutsch – Homeoffice erledigen und so werden die Arbeitstage nochmals länger.
Die Anfangszeit
In den ersten Wochen hat Edele erst einmal „die Lage gecheckt“: Sich in die aktuellen Projekte und den Gemeindeverwaltungsverband eingearbeitet, die Vereine und Bürger kennengelernt. „Ich wurde gut aufgenommen und habe schnell Rückhalt bekommen“, erzählt sie.
Doch weil Edele Fachfrau ist, übt sie das Bürgermeisterinnenamt auf ihre Art und Weise aus. Zu Beginn ihrer Amtszeit hat sie daher vieles im Rathaus umstrukturiert: Von einzelnen Abläufen bis hin zur Gestaltung der Büroräume. „Da braucht es nicht viel und es sieht gleich freundlicher aus“, erklärt die 48-Jährige. Das Aufhübschen ging dann in anderen kommunalen Gebäuden weiter. „Bürgermeisterin räumt auf“, nannte sie die Aktion, in der etwa der Kindergarten, die Gemeindehalle und das Rathaus entrümpelt wurden.
An Weilen fasziniert Edele, die in Haigerloch-Stetten wohnt, neben der idyllischen Natur die starke Dorfgemeinschaft. Die Vereine leisten ihrer Meinung nach Großes – und das generationenübergreifend. „Und deswgen möchte ich helfen, dass das kleine, liebenswerte Weilen eine Zukunft hat“.
Die künftigen Projekte
Auf Edele und den neuen Gemeinderat, der am Sonntag gewählt wird, warten in den kommenden Monaten einige Aufgaben: Beispielsweise muss das Bebauungsplanverfahren für Breitenried auf den Weg gebracht werden. Außerdem muss das Gewerbegebiet Hauptstraße ausgewiesen werden. Wie es mit dem Baugebiet Wettegärten weiter geht, wird sich ebenfalls in den nächsten Monaten zeigen: „Da sind noch viele Fragen offen, die geklärt werden müssen“, berichtet die Bürgermeisterin. Darüber hinaus stehen Unterhaltungsaufgaben auf der kommunalen To-do-Liste: Kanalsanierungen, die Heizungserneuerung in der Halle sowie die Instandhaltung öffentlicher Gebäude. Der Friedhof soll durch die Grabform der Rasenurnengräber ergänzt werden und der Dorfgemeinschaftsraum soll auf Vordermann gebracht werden, damit die Nutzung ausgebaut werden kann.
Die Höhepunkte
Für die Antwort auf die Frage, was im ersten Jahr ihr Highlight war, muss Edele nicht lange überlegen: „Das war die Seniorenadventsfeier an meinem Geburtstag“. Sie wurde mit einem Ständchen bedacht und erhielt viele liebe Worte. „Das hat mich voll erwischt!“, gibt sie zu. Auch die ersten beiden Hochzeiten, die sie als Standesbeamtin begleiten durfte, berührten sie sehr. Doch eines der schönsten Gefühle sei, auf die Resultate ihrer Arbeit zu blicken. Denn vieles sei im Ort schon sichtbar.
Auch wenn Edele viel Zuspruch bekommt, gibt es auch Schattenseiten: Denn Hass und Hetze, vor allem auch über soziale Medien, machten auch vor dem Bürgermeisteramt nicht Halt.