Werner Wölfle bewirbt sich für Posten des Verwaltungsbürgermeisters. Seine Wahl gilt als sicher.
Stuttgart - Werner Wölfle, Fraktionschef der Grünen im Stuttgarter Gemeinderat, will Bürgermeister werden. Am Dienstag gab er die Bewerbung für den Referentenposten für Allgemeine Verwaltung und Krankenhäuser bei OB Wolfgang Schuster ab. Ein Gegenkandidat ist nicht in Sicht.
Es ist Wölfles zweiter Anlauf. Der Sprung auf die Bürgermeisterbank, auf der neben OB Wolfgang Schuster (CDU) sieben Fachreferenten sitzen, war im Juli 2010 jäh gestoppt worden. Wölfle, 57, wollte als Chef der größten Fraktion der FDP-Sozialbürgermeisterin Gabriele Müller-Trimbusch nachfolgen. Die Vita des Diplomsozialarbeiters passte. Nach 14 Jahren als Fraktionsvorsitzender wollte Wölfle wie die Fraktionsvorsitzenden Matthias Hahn (SPD, Baubürgermeister), Michael Föll (CDU, Finanzen) und Susanne Eisenmann (CDU, Schule, Sport) vor ihm seinen Lebenslauf mit dem Bürgermeisterposten krönen.
Unbekannter Abweichler
CDU, FDP, Freie Wähler und Rep verweigerten dies. Grüne, SPD und SÖS/Linke, die mit Wölfle über 31 der 60 Stimmen im Rat (ohne OB) verfügen, patzten. Der Berlin-Import Isabel Fezer (FDP) eroberte den mit rund 11.600 Euro monatlich dotierten und auf acht Jahre vergebenen Sessel.
Wölfle war schwer getroffen. Wer der Abweichler in den Reihen von Grünen, SPD und SÖS/Linke war, ist bis heute nicht bekannt. Eine vermutete SÖS-Stadträtin hatte Wölfle wenige Tage nach der Wahl persönlich ihr Vertrauen versichert.
Die Niederlage hat der Fraktionschef überwunden, über Abweichler will er nicht spekulieren. Durch den Wechsel des Grünen-Krankenhausbürgermeisters Klaus-Peter Murawski ins Staatsministerium zu Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat sich für Wölfle überraschend eine neue Chance eröffnet.
"Schuster wird wieder kandidieren"
Widerstände wird es nun nicht mehr geben. Die konservativen Fraktionen im Rat haben bereits erklärt, dass den Grünen der Posten in der Umsetzung des Kommunalwahl-Ergebnisses zustehe. Mehr als das: Sie würden Wölfle wählen, wenn er sich denn bewirbt. Denn vielen im Gemeinderat ist der Grünen-Chef, der seine Fraktion mit teils harter Hand führt, längst zu mächtig geworden. Auch die Fraktion hat Wölfle zur Kandidatur ermuntert. Auch hier hat der Chef nicht nur Fans. Er könnte bei der Wahl also fast 60 Stimmen erreichen. In der Fraktion könnten ihm Jochen Stopper oder Peter Pätzold nachfolgen.
Bei der Bildung der neuen Landesregierung ging Werner Wölfle erneut leer aus. Er hatte Ansprüche angemeldet. Das hervorragende Wahlergebnis der Grünen in Stuttgart (stärkste Partei mit 34,5 Prozent) müsse berücksichtigt werden. Landesverkehrsminister wurde aber nicht der direkt in den Landtag gewählte Wölfle, sondern der Grünen-Bundestagsabgeordnete Winfried Hermann aus Tübingen.
Ist der Bürgermeisterposten also Wölfles letzte Chance? Man kann das so sehen. Man kann aber, wie viele im Rathaus, auch die Leistung des Fraktionsvorsitzenden anerkennen. Warum hat sich der Vormann der Grünen bis zum vorletzten Tag der Bewerbungsfrist Zeit gelassen? Hier kommt OB Wolfgang Schuster, CDU, ins Spiel. Das Verhältnis der beiden gilt, Stichwort Stuttgart21, als belastet. Vor wenigen Tagen hat es ein offenbar klärendes Gespräch gegeben. Die gegenseitigen Vorbehalte seien ausgeräumt, heißt es. Und weiter, dass es dem OB wichtig sei, dass das Bürgermeisteramt nicht als Parteiamt missverstanden werde. Wölfle tritt da in große Fußstapfen. Der Grüne Klaus-Peter Murawski galt Schuster als ein Muster an Loyalität.
Die neue Lust des OB am Regieren
"Ich glaube, er hat sich einfach mit meiner Kandidatur abgefunden", kommentiert Wölfle. Anfragen Schusters bei allen Fraktionschefs im Gemeinderat, ob die Referatsstruktur geändert werden könnte, Isabel Fezer also die eigene Verwaltung und die Krankenhäuser managen und Wölfle doch Sozialbürgermeister werden könnte, fanden keine Resonanz. Aus der Bürgermeisterbank wird kein Verschiebebahnhof.
In seiner Bewerbung hebt Wölfle auf seine langjährige Personalverantwortung bei der Caritas und seine kommunalpolitische Erfahrung ab. Als Aufgaben nennt er die Vollendung des Klinikum-Ausbaus "im veranschlagten Kostenrahmen" und die Sicherung der hohen Leistungsfähigkeit der städtischen Krankenhäuser. Die Stadt muss bisher Teile des 600-Millionen-Euro-Ausbaus vorfinanzieren. Das Land knauserte bei den Raten. Auch dem absehbaren Fachkräftemangel in der mit Klinikum 15.500 Köpfe zählenden Verwaltung will er begegnen.
Nach der Bürgermeisterwahl steht in Stuttgart im Herbst 2012 die Wahl des Oberbürgermeisters an. Amtsinhaber Wolfgang Schuster wäre dann 62 Jahre alt. Sein Umfeld registriert mit Interesse die neue Lust des Stadtchefs am Regieren. "Er wird wieder kandidieren", glaubt Wölfle. Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus hatte Schuster vor wenigen Monaten nahezu demontiert. Schuster trete nicht mehr an, hatte Mappus lanciert. Der CDU-Ministerpräsident ist Geschichte. Schuster könnte sie noch schreiben. Der OB werde sich am 7. Januar 2012 erklären, sagt sein Sprecher. Die CDU in Stuttgart drängt. Sie will die Erklärung von Schuster bereits im Herbst 2011 haben.