Dobels Bürgermeister Christoph Schaack blickt auf ein herausforderndes Jahr zurück. Gleichzeitig nennt der Rathauschef die wichtigsten Projekte in diesem Jahr.
Der Dobler Rathauschef Christoph Schaack freut sich auf die Netto-Neueröffnung im Herbst dieses Jahres.
Im Interview gibt der 57-Jährige mit Blick auf 2025 und 2026 auf viele Fragen detailliert Auskunft.
Ganz allgemein gefragt: War 2025 ein gutes Jahr für Ihre Gemeinde? Und warum oder warum nicht?
Die schwierige Finanzlage der Städte und Gemeinden dürfte mittlerweile allenthalben bekannt sein und entsprechend eng ist das „Finanzkorsett“ auch für die Gemeinde Dobel, was wiederum unsere Handlungsspielräume einschränkt. Dennoch halte ich es für wichtig, gerade auch in schwierigen Zeiten, mit einem vernünftigen Maß an Zuversicht „unterwegs zu sein“. Und oft sind es ja auch die kleineren Anschaffungen, wie zum Beispiel neue Spielgeräte für den Außenbereich unserer Kita oder die Verbesserung der Ausrüstung unserer Freiwilligen Feuerwehr, die die Lebensqualität in unserer Gemeinde steigern. Umso wichtiger ist es, dass gerade in ungewissen Zeiten dennoch strategische Entscheidungen für die nächsten Jahre getroffen werden. Dies ist, insbesondere bei der Priorisierung anstehender Großprojekte in unserer Gemeinde über die kommenden Jahre hinweg, im Zusammenwirken von Verwaltung und Gemeinderat auch erfolgreich gelungen. Unter dem Strich können wir auf ein herausforderndes Jahr zurückblicken, in dem dennoch wegweisende Entscheidungen für die Zukunft getroffen werden konnten.
Was war 2025 der wichtigste Meilenstein für Ihre Gemeinde?
Da muss ich nicht lange überlegen: Ich denke, dass ich für viele Einwohner von Dobel spreche, wenn ich hier das Erreichen der Zielgerade für den Neubau unseres örtlichen Netto-Marktes anführe. Sage und schreibe fünf Jahre hat es nunmehr gedauert, bis wir in der Dezembersitzung unseres Gemeinderats endlich den Bebauungsplan „Dorfwiesen – 2. Änderung“ als Satzung nebst örtlichen Bauvorschriften beschließen konnten. Nun kann endlich Anfang Februar der bisherige Netto-Markt abgebrochen werden, damit anschließend mit dem Neubau begonnen werden kann. Die zurückliegenden Jahre waren geprägt von einem umfangreichen Planungsverfahren mit vielen Hundert Seiten an zu erstellenden Gutachten und herausfordernden Auflagen insbesondere im Bereich Arten- und Naturschutz. Der gesamte Schriftverkehr umfasst alleine bei mir vier große Leitz-Ordner. Ich gebe schon zu, dass immer neue Hürden mich so manches Mal daran haben zweifeln lassen, wie und wo in unserem Land mittlerweile die Prioritäten gesetzt werden. Und ja, auch die Sorge, dass der bisherige Marktbetreiber oder der vorgeschaltete Investor irgendwann die Lust am Standort Dobel verlieren könnte, war allgegenwärtig. Wenn auch spät, so haben wir jetzt endlich die Gewissheit, dass die Nahversorgung in unserer Gemeinde dauerhaft gesichert sein wird. Freuen wir uns also gemeinsam auf die Neueröffnung im Herbst 2026! Ein zweites Highlight in 2025 möchte ich nicht unerwähnt lassen – der Gegenbesuch unserer ungarischen Partnergemeinde Tótvázsony anlässlich unserer 30-jährigen Gemeindepartnerschaft. Dank des großartigen Engagements vieler ehrenamtlicher Unterstützter dürfen wir stolz darauf sein, dass wir gemeinsam mit unseren ungarischen Freunden im Juli einige wunderschöne und unvergessliche Momente verbringen konnten, an die wir uns noch lange erinnern werden. Das nenne ich gelebtes Ehrenamt unter dem „Stern des europäischen Gedankens“.
Welches Projekt wird für Ihre Gemeinde 2026 das wichtigste sein?
Neben der bereits erwähnten Neueröffnung unseres Netto-Marktes werden es insbesondere diverse kommunale Bauprojekte sein, deren Umsetzung es anzugehen gilt. Bereits Ende Januar wollen wir den Ausgleichsstockantrag für die Erweiterung unseres Feuerwehrmagazins um einen vierten Stellplatz stellen, so dass wir hier zum Jahresende auf einen Baubeginn hoffen dürfen. Zu Jahresbeginn startet zudem das Vergabeverfahren für die beschlossene Kurhaussanierung mit Integration der Gemeindeverwaltung – ab dem zweiten Quartal soll dann hier das Planungsgremium an den Start gehen. Nicht zu vergessen der erforderliche Neubau unseres Bauhofs, vorzugsweise auf der Fläche des bisherigen Parkplatzes Horntannhalde – aktuell finden hier Gespräche mit ForstBW statt, was einen erforderlichen Waldtausch betrifft, um dann auch hier ab Jahresmitte mit dem Vergabeverfahren beginnen zu können. Alle Planungen müssen darauf abgestimmt werden, dass über die nächsten Jahre hinweg jeweils ein Antrag beim Ausgleichsstock gestellt werden kann, ohne den, ergänzend durch Fachförderungen, in Dobel kein größeres Projekt aus eigenen Mitteln zu stemmen wäre.
Was wird 2026 die größte Herausforderung für Ihre Gemeinde?
Zunächst einmal werden wir es schaffen müssen, einen genehmigungsfähigen Haushalt „auf die Beine zu stellen“ – unter den jetzigen Rahmenbedingungen eine große Herausforderung, die ohne die Mitwirkung und das Wohlwollen unserer Kommunalaufsicht nicht umzusetzen sein wird. Einerseits werden wir uns auf das Wesentliche konzentrieren müssen, andererseits müssen die Bürgerinnen und Bürger auch in schwierigen Zeiten das Gefühl haben, dass der Ort weitergebracht wird. Zuversicht und Neugier auf Neues werden ebenso gefragt sein wie verantwortungsbewusstes und sorgsames Wirtschaften.
Ende Januar 2026 steht die erste Fahrt der Hesse-Bahn an. Welche Bedeutung hat das für Sie?
Auch wenn für die Gemeinde Dobel selbst die Bedeutung der Hesse-Bahn eher untergeordnet sein dürfte, für einen Großteil des Landkreises Calw handelt es bei der Schienenanbindung an die Metropolregion Stuttgart um einen wichtigen Meilenstein. Angesichts unserer eigenen Erfahrungen konnte ich in den zurückliegenden Jahren mitfühlen, welche emotionalen Achterbahnfahrten die Verantwortlichen im Landratsamt Calw wohl über all die Jahre durchleben mussten, insbesondere angesichts der artenschutzrechtlichen Auflagen, die für mich nur schwer nachvollziehbar sind. Das Beispiel hat uns gezeigt, wie sehr wir mittlerweile an bestehenden Gesetzen und Vorgaben in unserer Entwicklung zu scheitern drohen. Umso mehr freue ich mich, dass hier mittlerweile nun sprichwörtlich „das Ende des Tunnels“ bald erreicht sein wird.
Der Job des Bürgermeisters scheint in den vergangenen Jahren immer härter geworden zu sein – mit allen negativen Konsequenzen. Auch im Kreis Calw ist das zu spüren. Was macht Ihnen beruflich am meisten zu schaffen? Und was müsste sich ändern, um das zu verbessern?
Ich bin nunmehr seit elf Jahren im Amt und kann ohne Umschweife bestätigen, dass dem tatsächlich so ist. Wenn man von „härter“ spricht, dann trifft dies sowohl auf der menschlichen als auch auf der fachlichen Ebene zu.
Der Ton ist rauer geworden, zuhören und gehört werden sind keine Selbstverständlichkeit mehr und Eigeninteressen werden allzu gerne über Allgemeininteressen gestellt. Dem steht sowohl ein Fachkräftemangel als auch eine geänderte Arbeitsauffassung im Allgemeinen gegenüber. Umso dankbarer bin ich jenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Gemeinde Dobel, für die Dienstbeflissenheit auch über „das Normale hinaus“ kein Fremdwort und für die „ein Geben und Nehmen“ keine Einbahnstraße sind.
Die Politik muss sich aber auch eingestehen, dass Wertschätzung gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern nicht zuletzt auch bedeutet, diese nicht mit immer neuen Vorgaben und Gesetzen zu gängeln und zu bevormunden – der allenthalben spürbare Frust trifft nicht zuerst die politischen Vertreter in Berlin oder Stuttgart, sondern die Repräsentanten vor Ort, mithin also die Verwaltungen und die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister im Besonderen. Persönlich komme ich mittlerweile mit prekären Situationen recht gut klar und habe mir über die Jahre „ein dickes Fell“ zulegen können. Trotz allem und solange meine Gesundheit noch mitmacht: Ich habe meine zweimalige Entscheidung als Bürgermeister in der Gemeinde Dobel anzutreten bis heute kein einziges Mal bereut und sehe auch den kommenden Jahren mit dem erforderlichen Maß an Zuversicht und Neugier entgehen, ausdrücklich in dem Wissen, dass meine Familie hinter mir steht.
Egal ob Windräder, Baugebiete und Mobilfunkmast – immer öfter bildet sich organisierter Widerstand gegen größere Projekte in der Nachbarschaft. Halten Sie das für legitim? Oder greift hier eher das Sankt-Florians-Prinzip, das im englischsprachigen Raum auch als „not in my backyard“ („nicht in meinem Hinterhof“) bekannt ist?
Natürlich ist es gut und legitim, wenn sich die Bürgerschaft aktiv am Gemeindeleben einbringt und sei es mit kritischen Tönen angedachten Planungen und Projekten gegenüber, zumindest solange belastbare Argumente angeführt werden und nicht mit Emotionen gespielt wird.
Die Bürgerschaft muss sich dann aber auch im Klaren darüber sein, welche Konsequenzen das „Kippen“ von Projekten in der Außenwirkung haben kann. Einerseits Investoren auszubremsen oder Entwicklungen zu verhindern und andererseits Missstände und fehlende Infrastrukturangebote, gerne auch gegenüber der Verwaltung, anzumahnen, das passt oft nicht zusammen – schließlich hängt heute „alles mit allem zusammen“. Beteiligung einfordern ist gut, Verantwortung zu übernehmen ist noch besser.
Die Finanzlage der Kommunen ist schlecht, überall muss gespart werden. Zurückstecken will natürlich niemand. Ist die Erwartungshaltung der Bürger in dieser Situation realistisch?
Hier haben wir in der Tat nicht selten ein Missverhältnis. Immer wieder stoße ich auf die Meinung, „Ich zahle doch Steuern und die Gemeindemitarbeiter werden von meinem Geld bezahlt, also kann ich auch fordern“. Über Jahrzehnte wurde in unserer Gesellschaft schon eine gewisse „Versorgungsmentalität“ gefördert, die uns nun „auf die Füße“ fällt. Wollen wir über Steuern oder Gebühren die Einnahmen für die Gemeinde steigern, ist es nicht gut, schränken wir wiederum Angebote und freiwillige Leistungen ein, passt es wiederum auch nicht.
Es wird höchste Zeit, dass die Regierungen in Bund und Land erkennen, dass „der bezahlt, der auch bestellt“. Die Kommunen mit komplizierten Förderprogrammen zu beschäftigen und nur darauf zu warten, bis irgendwo im Antrag „ein falscher Haken“ gesetzt wird, ist für die Kommunen und deren Mitarbeiter nicht sonderlich motivierend.
Insgesamt denke ich, dass es in Politik und Gesellschaft einer neuen Mentalität und vielleicht auch einer neuen Bescheidenheit erfordert, die ausdrücklich nicht in einem „immer mehr und immer höher“ besteht – ansonsten sehe ich durchaus die Gefahr einer weiteren Polarisierung in unserer Gesellschaft.
2026 wird der Landtag gewählt. Welchen Wunsch haben Sie an die neue Landesregierung?
Zunächst einmal hoffe ich, dass eine stabile und handlungsfähige Regierung zustande kommt, die den Bürgerinnen und Bürgern zuhört, die ihre Wahlversprechen auch umzusetzen sucht und die nicht zuletzt den Mut hat, notwendige Reformen anzugehen, auch wenn diese möglicherweise unpopulär sind.
Die Städte und Kommunen in Baden-Württemberg werden der neuen Regierung sicherlich die Hand zu einem „guten, ehrlichen und erfolgreichen Miteinander“ reichen und die Regierenden wären gut beraten, diese auch anzunehmen. Die Kommunen sind immer noch die Keimzelle unserer Gesellschaft, wenn es hier anfängt „zu rumpeln“, dann wird auch Stuttgart dies merken – das gilt umgekehrt natürlich ebenso!
Und zu guter Letzt noch etwas Persönliches: Was war ihr schönster Moment in 2025?
Das Wissen, dass alle Kinder, seien es meine drei Stiefkinder oder mein Sohn, in 2025 Dank eigenem Fleiß beruflich auf der „Erfolgsspur“ unterwegs waren und so für 2026 bereits wegweisende Entscheidungen getroffen wurden: Der eine beendet erfolgreich sein Studium, der andere wird nach seinem Master promovieren, eine geht für ein Jahr nach Paris und wiederum eine wird im Januar Mutter – mal schauen, wie man sich so als „Stief-Opa“ fühlen wird.
Alles in allem bleibt es also spannend und ich freue mich darauf!