Michael Schmitt kandidiert ein drittes Mal als Bürgermeister in Brigachtal. Foto: Hella Schimkat

Bürgermeister Michael Schmitt gab kürzlich bekannt, dass er sich für eine dritte Amtsperiode in Brigachtal zur Verfügung stellen will. Der Termin für die Wahl ist am 8. November.

Warum will er sich in Zeiten von Kriegen und klammen Kommunen noch einmal den Herausforderungen, die eher noch größer als kleiner werden, stellen?

 

Er habe lange darüber nachgedacht, wobei bei ihm neben den Anforderungen, die sein Amt an ihn stellen wird, auch seine Familie mit im Vordergrund stehe: „Beides ist mir sehr wichtig und ich bin zuversichtlich, den Spagat zwischen Familie und Beruf in Zukunft zu schaffen“, betont er.

In Brigachtal habe es schon viele Bereiche gegeben, die den aktuellen Anforderungen angepasst werden mussten, dazu würden jetzt weitere Aufgaben auf die Gemeinde hinzukommen, er sei hochmotiviert, sich diesen Anforderungen zu stellen, so Schmitt.

Er will nicht in eine größere Stadt

Auf die Frage, ob er schon einmal darüber nachgedacht habe, sich in einer größeren Stadt um das Amt des Bürgermeisters oder Oberbürgermeisters zu bewerben, verneint er: „In einer Stadt könnte ich das Amt nicht mit meiner Familie vereinbaren, das wäre es mir nicht wert“, unterstreicht er.

Ein Blick auf die Landtagswahlen

Mit Blick auf die Landtagswahlen in Baden-Württemberg gibt Schmitt zu, dass er andere Erwartungen hatte. „Ich habe jedoch die Zuversicht und Hoffnung, dass die Wirtschaft, die Kommunen und die Gesellschaft in Verbindung mit Klimaschutz wieder vorwärts gebracht werden. Nach meiner Meinung kann dies auch bei einer grün-Schwarzen Regierung und nicht, wie gedacht, bei einer schwarz-grünen Regierungen gelingen“, so Schmitt. Er gehe davon aus, dass Cem Ödzdemir das Profil dazu habe.

Das Ergebnis der Wahl bezüglich der AfD findet der Bürgermeister beschämend. Die AfD biete keine wirklichen Lösungsansätze. Sie profiliere sich mit Fehlern anderer. „Doch nur, weil weil wir der heutigen, an Ansprüchen nie satt werdenden Gesellschaft immer alles erfüllen wollen, passieren Fehler!“

Das habe es schon immer gegeben. Es bedürfe nachvollziehbarer, machbarer Prioritätensetzung. „Wenn Grün und Schwarz allein dies beherzigen, hat die AfD keine Basis mehr,“ zeigt er sich überzeugt.

Auswirkungen auf die Kommunen

Zu den zukünftigen Auswirkungen der Wahl auf die Kommunen hat der Bürgermeister eine klare Meinung: „Wenn wir den Kommunen nicht echte Hilfestellungen leisten, dann geht der Staat in Gänze unter.“ Das müsse mittlerweile jedem Abgeordneten und Verantwortungsträger im Bewusstsein sein, fordert er. „Alle Gesetze haben ihre Auswirkungen direkt vor Ort, in den Kommunen, bei den Bürgern.“

Wenn hier Not sei und es hier so weiter gehe, würden alle verlieren, glaubt Schmitt.

Kommunen mit vollem Vertrauen ausstatten

Daher sollten sich alle der Verantwortung bewusst sein, die Kommune mit Handlungsfähigkeit, weniger Bürokratie, mehr Finanzausstattung und vor allem vollem Vertrauen auszustatten: „Das ist die Aufgabe! So schaffen wir auch die Wende“, zeigt er sich zuversichtlich.

Da kommt ihm gerade das Beispiel der geforderten Ganztagsbetreuung der Kinder ab dem neuen Schuljahr: „Wir haben schon die Schulkindbetreuung der Klassen eins bis vier, aber dass man uns jetzt auch noch die Ganztagsbetreuung in den Schulferien, ab 20 Tagen in der Summe, auf’s Auge drückt, ist mal wieder typisch. Das ist viel abverlangt für uns. Da wird die Einstellung von zusätzlichem Personal unumgehbar sein“, zeigt er sich ungehalten.

EU soll endlich klare Linie zeigen

An den Kriegen im Nahen Osten und der Ukraine kommt man im Gespräch nicht vorbei. Hier fordert der Bürgermeister, dass die EU endlich klare Linie zeige, sie müsse Mut beweisen, auch ohne die USA sollte die EU ein Profil zeigen, sich behaupten und das vor allem „geeint“.

Sollte Ungarn EU-feindliche Absichten haben, sollte eine EU auch ohne dieses Mitglied in der EU handlungsfähig und handlungswillig sein, ergänzt er.

Es bedürfe klarer Strukturen und Schutz der EU-Bürger. Dieses Ziel stehe vor allen „alten, derzeit wackeligen“ Wirtschaftsinteressen und Wirtschaftspakten.

„Das bequeme, ich nenne es „Couch-Regieren“, ist schon lange vorbei. „Auch hier braucht es wieder Profil, klare Ziele und für die Bürger klar nachvollziehbare Entscheidungen“.

Drei Notstromaggregate bestellt

Im Bezug auf auf zukünftige Stromausfälle, habe die Gemeinde bereits drei Notstromaggregate bestellt. Für einen eventuellen längeren Stromausfall sollten die Bürger etwas Vorrat zuhause anlegen. „Aber, und das ist ihm wichtig: Fällt der Strom mal für eine halbe oder eine Stunde aus, sollte man nicht sofort in Panik verfallen und dann auch noch die Nummer 112, wie schon geschehen, anwählen“, wünscht sich Schmitt.

„Ich bin trotz aller von mir geäußerter Kritik ein sehr positiv denkender Mensch, der die Hoffnung hat und auch die Chancen sieht, dass wir das schaffen können“, schließt er.