Bereits zum zweiten Mal haben Unbekannte in Neuried das Denkmal zum 50-jährigen Gemeindebestehen zerstört. Die Verwaltung hatte die Stele erst kürzlich neu aufgestellt.
Die Szenerie zeugt von einer enormen Zerstörungswut: Die Einzelteile des steinernen Denkmals liegen quer über die Wiese. Dazwischen sind überall Scherben verstreut, vereinzelt findet man die Wappen der Neurieder Ortsteile. Einzig der Sockel hat dem Angriff standgehalten. Ein Trost ist das natürlich nicht. „Schade, dass Erinnerungen und gemeinsames Miteinander so wenig Respekt erfahren“, schreibt Neurieds Bürgermeister Tobias Uhrich in den sozialen Medien zu den Bildern.
Im Gespräch mit unserer Redaktion am Mittwochmittag ringt der Rathauschef um Worte. Was er eigentlich sagen möchte, erklärt Uhrich, sei nicht zitierfähig. Der Schock ist ihm noch immer anzumerken, dann findet er passende Beschreibungen: „Ich weiß nicht, was in solchen Menschen vorgeht. Es ist irre, es ist bitter und einfach schade“, verurteilt der Bürgermeister den erneuten massiven Vandalismus.
Stele stand am Treffpunkt dreier Gemarkungen
Es ist bereits das zweite Mal, dass die Stele, die im Sommer 2022 anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Gemeinde enthüllt wurde, komplett zerstört wurde. Im Mai vor zwei Jahren boten sich ganz ähnliche Bilder wie in dieser Woche wieder. Wie Uhrich erläuterte, habe man sich damals genau überlegt, ob man das Geld in die Hand nehmen möchte, um das Denkmal wieder an diesem Ort aufzubauen. „Wir haben überlegt, sie vielleicht vor das Rathaus zu stellen“, so der Bürgermeister. Man entschied sich dagegen. Denn der Standort der Stele ist der Treffpunkt der Gemarkung von Ichenheim, Dundenheim und Altenheim – symbolischer Mittelpunkt der Gemeinde – und „hat eine ganz besondere Bedeutung“, so Uhrich. Die widerstandsfähigere Rekonstruktion mithilfe eines Steinmetzbetriebs und einer Glasdekor-Firma habe erst vor wenigen Wochen wieder aufgestellt (wir berichteten). Es entsteht der Eindruck, dass die Zerstörer nur darauf gewartet haben.
„Ein fünfstelliger Betrag ist kaputt gemacht worden“, bedauert Uhrich. Für den Bürgermeister geht der Verlust aber deutlich tiefer. „Ich bringe die Stele vor allem mit Hermann Mild in Verbindung.“ Der inzwischen verstorbene Altbürgermeister Neurieds hielt bei der Enthüllung im Sommer 2022 noch eine Ansprache. „Es war ein toller, emotionaler Tag“, blickt Uhrich zurück. Damals hatte die Gemeinde den 50. Geburtstag der Unterzeichnung des Fusionsvertrags gefeiert. Das Denkmal sei daher „mehr als ein Stein“, so Uhrich. Es stand mit den fünf in Glas eingefassten Wappen der Ortsteile und den Inschriften für Zusammenhalt und die Geschichte der Gesamtgemeinde Neuried.
Gemeinde hat wenig Hoffnung, die Täter zu finden
Uhrich berichtet, dass er selbst noch gar keine Gelegenheit gehabt habe, die neu aufgebaute Stele zu begutachten. Anfang der Woche hätten ihm Bürger und Gemeindemitarbeiter von der Zerstörung berichtet, deren Ausmaß Uhrich immer noch nicht begreifen kann. „Ich muss mit dem Vorschlaghammer hinkommen“, erklärt er konsterniert. In Neuried, wo es kein generelles Problem mit Vandalismus gebe, „habe ich so etwas in dieser Form noch nie erlebt“. Selbstverständlich werde die Gemeinde Anzeige erstatten. Hoffnung hat der Bürgermeister jedoch nicht. Bereits den Vorfall vor zwei Jahren habe man zur Anzeige gebracht, die Täter wurden nie geschnappt. Uhrich hofft nun auch auf Mithilfe in der Bevölkerung. Wer etwas bemerkt habe, solle sich bei der Gemeinde melden.
Wie geht es nun weiter? Wird das Denkmal ein zweites Mal rekonstruiert? Der Bürgermeister glaubt dies aktuell nicht. „Wir werden die Stele in dieser Form nicht mehr aufbauen“, meint er. Das genaue Vorgehen werde er allerdings noch mit dem Gemeinderat und den Ortsvorstehern abstimmen. Möglich sei, dass der Sockel an Ort und Stelle als eine Art „Mahnmal“ übrig bleibt.
Uhrich: „Lasse mich nicht runterziehen“
So angefressen und enttäuscht sich der Bürgermeister auch zeigt, als Angriff, der über Zerstörungswut hinausgeht, möglicherweise eine Botschaft beinhaltet, will er den Vandalismus nicht verstanden wissen. „Ich lasse mich nicht davon runterziehen“, stellt Uhrich klar.
Reaktionen im Netz
Die Bürger reagieren unter Tobias Uhrichs Post in den Sozialen Medien geschockt und mitfühlend. „Sinnlose Zerstörung“, „Idioten“, „Einfach krank im Kopf“ heißt es dort unter anderem. „Das hat mit ,Lausbubenstreich’ nichts mehr zu tun. Das ist Zerstörungswut. Hirnlos“, bringt es ein Nutzer auf den Punkt.