Davide Licht tritt Bürgermeisteramt in Burladingen an. Kontakte in Calw wird er vermissen.
Fünf Jahre lang war Davide Licht Ortsvorsteher von Hirsau und Altburg sowie zusätzlich Leiter der Abteilung Liegenschaften der Stadt Calw. Nun ist er zu neuen Ufern aufgebrochen – als Bürgermeister der Stadt Burladingen im Zollernalbkreis. Wie es ihm kurz vor seinem Abschied ergangen ist, erfahren Sie in unserem (SB+)Artikel.
Calw - Ein Beben geht durch Burladingen in diesen Tagen. Nicht nur auf das Erdbeben der Stärke 3,9 bezogen, das in der Nacht zum 1. Dezember westlich der Kleinstadt seinen Ursprung gehabt hat. Auch politisch. Nach Jahren der politischen Querelen an der Rathausspitze von Burladingen hat nun ein neuer Bürgermeister sein Amt angetreten. Und das ist kein Geringerer als Davide Licht, der sich in den vergangenen fünf Jahren in Calw unter anderem als Ortsvorsteher einen Namen gemacht hat.
Seine letzten Tage in der Hesse-Stadt verbrachte Licht vor allem auf "Verabschiedungstour" – innerhalb der Verwaltung, in Sitzungen der Ortschaftsräte, im Gemeinderat. "Corona-bedingt ist das natürlich etwas schwieriger", meint er. "Ich bin mit einem Handschlag gekommen, kann aber nicht mit einem Handschlag gehen", bedauert Licht.
Gekommen ist der heute 31-Jährige vor fünf Jahren aus Neckartenzlingen, wo er als stellvertretender Hauptamtsleiter tätig gewesen war. In dieser Position sei er bereits Ansprechpartner für Vereine gewesen. Eine Aufgabe, der er sich auch in Calw annahm. Hinzu kam als Ortsvorsteher die Leitung der Ortschaftsratssitzungen und die Anwesenheit in Gemeinderatssitzungen. Das schult. Überhaupt sei die Position als Ortsvorsteher die ideale Vorbereitung auf das Bürgermeisteramt, findet Licht.
Trotzdem zeigt sich der 31-Jährige einige Tage vor dem Antritt als Bürgermeister von Burladingen aufgeregt. Das findet er aber gar nicht schlimm. Lampenfieber gehöre für Licht schließlich dazu, damit man auch entsprechend Leistung bringen könne. Ursprünglich war geplant, dass Licht Calw erst zum neuen Jahr verlässt. Da die Stadtspitze in Burladingen aber schon länger verwaist ist, sich die Stellvertreter-Konstellation in Calw aber gut hat klären lassen, nahte der Abschied von der Hesse-Stadt früher als geplant.
Großer Zugewinn
Dieser ist für Licht auch mit einer gewissen Wehmut verbunden. Insbesondere die Freundschaften und Bekanntschaften, die er während seiner Zeit in Calw geschlossen hat, werden ihm fehlen, meint er. Die Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung beschreibt der angehende Bürgermeister als "hervorragend". Es herrsche ein toller Teamgeist. Den Kollegen habe Licht es zu verdanken, dass er sich damals, als er ganz neu war, gleich gut zurechtgefunden hat. Und das obwohl Licht gleich drei Arbeitsplätze hatte – ein Büro in Hirsau, eines in Altburg und eins in der Schulgasse in Calw. Gerade das führte aber auch dazu, erzählt der 31-Jährige, dass er immer nahe am Geschehen war, viele Termine wahrnehmen und mit den Bürgern ins Gespräch kommen konnte. "Dieser Mix macht es so spannend", sagt Licht. Kein Tag sei wie der andere gewesen.
Eines der schönsten Erlebnisse sei für den Ortsvorsteher gewesen, dass er die Einrichtung der Bohnenberger-Gedenkstätte im Altburger Rathaus miterleben durfte, erzählt Licht. Auch die Ansiedlung der Kriminalpolizeidirektion in Calw, die er für die Abteilung Liegenschaften mit betreut hat, sei für ihn ein Höhepunkt gewesen. Für die Stadt sei das ein großer Zugewinn ist sich Licht sicher.
Natürlich gab es aber auch Momente, von denen sich Licht wünschte, sie wären nicht geschehen. An der Negativ-Spitze: der wohl mutwillig gelegte Brand in der Hirsauer Grundschule 2016. "Sowas trifft die Schwächsten", ärgert er sich noch heute. Die Corona-Pandemie oder der Felssturz auf der Waldstraße zwischen Hirsau und Althengstett wären für ihn zwar auch verzichtbar gewesen, fielen aber nunmal in die Kategorie höhere Gewalt.
Gemeinsames Leitbild
Wohl aber wird Corona eines der zentralen Themen sein, mit denen sich Licht als Bürgermeister auseinandersetzen muss – oder vielmehr die Auswirkungen selbiger. Ebenso möchte er den Ausbau der Infrastruktur weiter vorantreiben, den der Burladinger Gemeinderat bereits auf den Weg gebracht hat. Ein gemeinsames Stadtleitbild steht auf der Prioritätenliste des neuen Bürgermeisters auch ganz weit oben. "Ich freue mich darauf, die Stadt fit für die Zukunft zu machen." Zunächst müsse Licht aber danach schauen, dass die Verwaltung handlungsfähig bleibt – derzeit ist auch die Stelle des Hauptamtsleiters vakant.
In Calw gilt dasselbe für die Stelle Lichts. Noch ist kein Nachfolger gefunden. Von einem zukünftigen Ortsvorsteher wünscht sich Licht, dass dieser weiterhin als solider Ansprechpartner zur Verfügung stehen und Projekte weiterführen wird, die angestoßen wurden. Das Sonnensegel im Hirsauer Kurpark im Sommer mit Leben zu füllen oder sich um die Vereinsstruktur zu bemühen seien Beispiele dafür. "Die Ortsverwaltung sollte Dreh- und Angelpunkt sein", ist Licht überzeugt.
Er selbst hat seinen Lebensmittelpunkt nun von Calw nach Burladingen verlegt. Licht sei es wichtig, dort zu leben, wo er als Bürgermeister tätig ist. "Das gehört sich so", unterstreicht er. Zumal Pendeln von Calw in die Kleinstadt im Zollernalbkreis ohnehin kaum darstellbar wäre – immerhin sind diese mehr als 90 Kilometer voneinander entfernt. Oberbürgermeister Florian Kling betonte in jüngster Vergangenheit mehrfach, wie sehr er den Weggang des Ortsvorstehers bedauere. Ein Licht verschwindet damit aus Calw.