Zimmern unter der Burg und Weilen unter den Rinnen: In diesen Gemeinden stehen die Bürgermeister im Fokus, die sich in einer anderen Kommune beworben haben oder entscheiden müssen, ob sie eine zweite Periode antreten wollen.
Oberes Schlichemtal - Zunächst geht es um den ehrenamtlichen Schultes von Zimmern unter der Burg, Jürgen Leichtle (58), der am Sonntag in Lauterbach (Kreis Rottweil) zum hauptamtlichen Bürgermeister gewählt werden will und offenbar – bei drei Gegenkandidaten – keine schlechten Chancen hat.
Sein Problem: Eine Kehrwende um 180 Grad. Zunächst bekannte er vollmundig, im Falle seiner Wahl in Lauterbach weiter ehrenamtlicher Schultes in Zimmern bleiben zu wollen, dann wenige Tage später der Rückzieher: Nun habe er sich entschieden, sich voll und ganz auf Lauterbach zu konzentrieren, sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion in Schramberg, und weiter: Den Posten als ehrenamtlicher Bürgermeister von Zimmern werde er im Falle einer Wahl niederlegen: "Ich will Bürgermeister in Lauterbach sein."
Thema bei Kandidatenbefragung
Auch bei der Kandidatenvorstellung in Lauterbach war er auf dieses Thema angesprochen worden. So wurde kritisiert, dass er erst Bürgermeister in Zimmern bleiben wollte, dann seine Meinung geändert habe. "Was denken da die Zimmerner?", wurde gefragt. Außerdem wurde auf die Bürgermeisterwahl 2018 in Bahlingen am Kaiserstuhl hingewiesen, wo Leichtle gegen den Amtsinhaber 14 Prozent der Stimmen holte.
Mayer: vor Kopf gestoßen
Seine Kehrtwende kommt in Zimmern nicht gut an, wo er im Februar 2020 als Nachfolger von Elmar Koch gewählt wurde. Der langjährige Gemeinderat Bernd Mayer spricht von einem "großen Vertrauensbruch". Und weiter: "Wir fühlen uns vor den Kopf gestoßen." So habe Leichtle den Gemeinderat gleich zweimal hinsichtlich seiner Kandidatur im nachhinein informiert. "Wir haben das alles zuerst aus der Zeitung erfahren", kritisiert Mayer. Es sei zwar das gute Recht von Leichtle, sich beruflich verändern zu wollen, "wie die Information aber gelaufen ist, ist äußert unglücklich".
Bei der jüngsten Gemeinderatssitzung in Zimmern Mitte September habe Leichtle dargelegt, dass er noch nicht sicher sagen könne, wie es weitergehen werde, sollte er in Lauterbach gewählt werden. "Einen Tag später haben wir aus der Zeitung erfahren, dass er sein Amt hier niederlegen wolle", sagt Mayer: "Für uns ist das jetzt eine ganz neue Situation. Wir haben gedacht, dass wir zusammen mit Jürgen Leichtle die Gemeinde weiterentwickeln können."
Vertrauensverhältnis gestört
Das bisher gute Vertrauensverhältnis zwischen dem Gemeinderat und dem Bürgermeister habe sich nun geändert. "Das ist enttäuschend, weil wir immer gedacht haben, es passt in Zimmern ganz gut." Wie es angesichts dieser Situation in der Gemeinde weitergehen wird, sollte Leichtle in Lauterbach nicht gewählt werden, weiß Mayer nicht: "Es wird anders sein als bisher."
Auch Weilen wählt
Ganz ähnlich sieht es im nur wenige Kilometer entfernten Weilen unter den Rinnen aus. Dort steht an diesem Donnerstag das Thema Bürgermeisterwahl auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Die erste Amtszeit von Amtsinhaber Gerhard Reiner läuft am 30. April 2023 aus. Ob Reiner erneut antritt, ist noch offen: "Ich sage vor der Sitzung nichts", bekennt er. Auch mit den Gemeinderäten habe er bisher noch nicht darüber gesprochen. Reiner: "Es geht jetzt um den Wahltermin und um die Frage, ehrenamtlicher oder hauptamtlicher Bürgermeister."
Dass er sich, zumindest gegenüber dem Gemeinderat, noch nicht erklärt hat, sorgt für Unmut. Der erste Bürgermeister-Stellvertreter Frank Weinmann moniert, dass sich der Amtsinhaber bisher immer gewunden habe, wenn er auf darauf angesprochen wurde, ob er noch einmal kandidieren wolle. Reiners Antwort sei gewesen: Das werde zu gegebener Zeit geklärt. Weinmann: "Wir wissen also nicht, was er will. Ich bin gespannt auf die Sitzung. Dann muss er sich endlich erklären."
Tendenz zum Ehrenamt
Allerdings habe man im Gremium schon vor den Sommerferien darüber diskutiert, ob man wieder zu einem ehrenamtlichen Bürgermeister zurückkehren solle. Weinmanns Eindruck: "Die Tendenz geht zum Ehrenamt. Auch in dieser Frage bin ich auf die Sitzung gespannt."
Der Weilener Gemeinderat hatte am 22. September 2014 die Hauptsatzung geändert und sich für einen hauptamtlichen Bürgermeister entschieden. Richard Ege hatte damals als ehrenamtlicher Schultes aufgehört. Ob man nun zum Ehrenamt zurückkehrt, soll laut Bürgermeister Reiner, der sein Amt am 1. Mai 2015 antrat, im Gemeinderat "ganz offen diskutiert werden". Dabei seien die Vor- und Nachteile der beiden Varianten abzuwägen, wobei auch finanzielle Aspekte eine Rolle spielten.