Empfingens Bürgermeister Ferdinand Truffner läutet symbolisch die Feiertage ein und blickt schon einmal auf das kommende Jahr. Foto: Christopher Heinz

Zwischen Sparzwang, Zukunftsvisionen und kommunaler Verantwortung zieht Bürgermeister Ferdinand Truffner seine Jahresbilanz. 2026 wird auch privat für ihn ein besonderes Jahr.

Zwischen Tattoo-Wette, Haushaltsdisziplin und großen Visionen für Empfingen:Bürgermeister Ferdinand Truffner blickt auf ein ereignisreiches Jahr zurück – geprägt von Wahlen, intensiven Diskussionen und großen finanziellen Herausforderungen für die Gemeinde Empfingen.

 

Gleichzeitig richtet er den Blick nach vorn: auf das kommende Jahr, auf notwendige Entscheidungen, wichtige Investitionen und die Frage, wie Empfingen auch unter schwierigen Rahmenbedingungen lebenswert und zukunftsfähig bleiben kann.

Herr Truffner, haben Sie sich vielleicht doch für ein Empfingen-Tattoo entschieden, obwohl es mit der Wahlbeteiligung nicht ganz geklappt hat?

Truffner (lacht): Das Tattoo ist erst mal auf Eis gelegt – 50 Prozent Wahlbeteiligung waren es ja nicht. Meine Frau ist aber mit der Wahlbeteiligung sehr zufrieden. Aber unter uns: Die Verbundenheit zu Empfingen trage ich auch ohne Tinte schon tief unter der Haut.

Sind Sie schon ein bisschen stolz, dass Sie als alleiniger Kandidat mehr Wähler zur Wahl gelockt haben als bei der OB-Wahl in Horb? Wie erklären Sie sich das?

Stolz ist vielleicht nicht das richtige Wort, aber dankbar auf jeden Fall. Ich sehe das als Zeichen von Vertrauen – und vielleicht auch als Beweis, dass Kommunalpolitik bei uns anders wahrgenommen wird. Die Wahlbeteiligung bei der Horber OB-Wahl hat mich nicht so geschockt wie die Wahlbeteiligung beim Bürgerentscheid Windkraft in Horb. Dass das Thema so vielen Wählerinnen und Wählern egal ist – da läuft doch was schief.

Sie wirken noch fitter und dynamischer. Haben Sie was persönlich verändert?

Ich habe mir angewöhnt, öfter mal auf mich selbst zu hören – also nicht nur auf den Terminkalender. Mehr Bewegung und ein bisschen bewusster essen – auf jeden Fall nur noch das, was mir schmeckt (grinst).

Auch Ihre Gemeinde Empfingen soll fit bleiben. Empfingen gilt als Vorzeigegemeinde, aber muss auch mehr auf die Finanzen schauen. Wie schwer ist es für Kommunen allgemein, durch diese Krisenzeit zu kommen?

Die Zeiten sind herausfordernd – steigende Kosten, unsichere Einnahmen, gleichzeitig hohe Erwartungen. Für Kommunen bedeutet das: sehr genau priorisieren, kreativ sein und trotzdem handlungsfähig bleiben. Ein Drahtseilakt, aber eben unser tägliches Geschäft. Und ganz ehrlich: Wenn ich nicht Optimist wäre, dann würde ich den Job nicht machen.

Wie stark spüren Sie inzwischen den Spardruck – und ab wann sehen Sie die Finanzlage als tatsächlich kritisch an?

Den Spardruck spüren wir bereits deutlich. Noch sind wir handlungsfähig, aber der Spielraum wird enger. Und ja, wenn wir jahrelang investiert haben und die Infrastruktur saniert haben, tut es schon weh, wenn wir zurückfahren müssen und unser Level an Projekten nicht mehr halten können. Die Kinderbetreuung verursacht mit Abstand die höchsten laufenden Kosten, die kaum durch Zuschüsse gedeckt werden.

Wie wollen Sie langfristig verhindern, dass die Gebühren explodieren, ohne gleichzeitig Qualitätsverluste hinnehmen zu müssen?

Kinderbetreuung ist keine Belastung, sondern eine Zukunftsinvestition. Da sind wir uns im Gemeinderat auch alle einig. Wir müssen Gebühren aber auch so gestalten, dass wir für die Qualität, die wir liefern, auch entlohnt werden. Es ist ja verständlich, dass unser größter Ausgabeposten – Personalkosten der Kinderbetreuung – nicht fast umfänglich von der Allgemeinheit getragen werden kann.

Auch kleinere Posten wie Backgebühren, Büchereigebühren oder Hundesteuer sollen erhöht werden. Wie groß kann der Beitrag solcher Maßnahmen realistisch sein – und wo ziehen Sie persönlich die Grenze dessen, was Bürgerinnen und Bürger noch mittragen können?

Reich wird die Gemeinde davon nicht, aber viele kleine Stellschrauben helfen, den Haushalt zu stabilisieren. Meine persönliche Grenze ist dort, wo Gebühren unsozial werden – ist aber auch immer Ansichtssache – oder Ehrenamt und Alltagskultur leiden würden.

Ferdinand Truffner freut sich auf die Feiertage. Foto: Christopher Heinz

Wie stehen Sie zur Einführung einer Grundsteuer C für unbebaute Grundstücke – und erwarten Sie dadurch wirklich eine Lenkungswirkung in Richtung Bebauung?

Ich sehe die Grundsteuer C als mögliches Signal an Eigentümer, Bauland nicht dauerhaft brachliegen zu lassen. Eine Wunderwaffe ist sie nicht – aber ein zusätzlicher Impuls in Richtung Innenentwicklung. Wir beobachten nun die Gemeinde Starzach in dem Verfahren ganz genau und werden daraus unsere Schlüsse ziehen.

Sie sagen, freiwillige Leistungen seien wichtig für die Attraktivität einer Kommune. Gleichzeitig stehen Reduktionen etwa bei Mäharbeiten, Winterdienst oder Weihnachtsbeleuchtung im Raum. Wie finden Sie den Balancepunkt zwischen Sparzwang und Lebensqualität?

Das ist wahrscheinlich eine der schwierigsten Aufgaben. Eine Gemeinde lebt nicht nur von Pflichtaufgaben, sondern auch vom Gefühl des Zuhause-Seins. Wir müssen sehr vorsichtig abwägen, wo Einschnitte vertretbar sind – und wo nicht.

Trotz finanzieller Engpässe stehen größere Investitionen an – etwa in die Hochbehälter der Wasserversorgung, in die Cybersicherheit oder in mögliche Immobilienankäufe. Welche Investition hat für Sie absolute Priorität und warum?

Die Versorgungssicherheit – insbesondere beim Wasser – hat oberste Priorität. Ohne funktionierende Infrastruktur steht alles andere still. Cybersicherheit folgt dicht dahinter, denn auch Verwaltungen sind heute digitale Angriffsziele. Wir haben hier noch Luft nach oben, sind teilweise abhängig vom Rechenzentrum, aber haben schon die einen oder anderen „Schutzzäune“ aufgebaut.

Die Gewerbesteuer hat sich 2025 besser entwickelt als geplant, aber die Rücklagen der Gemeinde schrumpfen deutlich und die Kreisumlage bleibt hoch. Wie wollen Sie Empfingens finanzielle Stabilität in den kommenden Jahren sichern, ohne die Entwicklung der Gemeinde auszubremsen?

Wir brauchen eine Mischung aus konsequentem Haushalten, gezielten Investitionen und einer aktiven Wirtschaftsförderung. Stillstand wäre auf Dauer die teuerste Lösung.

Es gibt Branchen, die eher boomen: Luft- und Raumfahrt und Rüstungsindustrie zum Beispiel. Wollen Sie versuchen, dass sich Unternehmen aus diesen Bereichen in Empfingen ansiedeln?

Grundsätzlich sind wir offen für innovative und zukunftsfähige Branchen – solange sie zu Empfingen passen und Arbeitsplätze schaffen. Mit dem Innovationscampus ermöglichen wir Forschung und Entwicklung und perspektivisch mit dem interkommunalen Gewerbegebiet KOMPASS81 bieten wir Flächen für diesen Industriezweig. Ich habe da durchaus Visionen – und das ganz ohne Wunderpillen.

Wie sehr hat Sie die Absage des Feiertag-Festivals von Antenne 1 getroffen?

Natürlich war das sehr schade – für die Gemeinde, für die Vereine, für viele Besucher. Solche Veranstaltungen bringen Leben ins Dorf und strahlen weit über Empfingen hinaus. Die Gemeinde hat die Absage mitgetragen, obwohl die Kosten für Verkehrssicherung und Müllentsorgung über Sponsoren gedeckt wären.

Sehen Sie Möglichkeiten, in Zukunft ähnliche Veranstaltungen wieder sicher und kostentragbar zu realisieren? Und denken Sie an Alternativen?

Ich bin zuversichtlich, dass künftig solche Veranstaltungen stattfinden. Wir feiern eh gern in Empfingen – und nächstes Jahr stehen mit Ringtreffen und 100 Jahre SGE neben der 25. Beatparade und dem Maifest in Wiesenstetten ja genügen „Brocken“ an. Ideen gibt es genug, da geht die Arbeit nicht aus.

Auf was freuen Sie sich denn 2026 am meisten?

Auf einen weiteren Nachwuchs in der Familie Truffner.

Oh, eine freudige Nachricht. Wann kommt denn Kind Nummer drei?

Im Sommer.

Zum Schluss noch eine persönliche Weihnachtsfrage: Wie werden Sie die Weihnachtsfeiertage verbringen und was ist für Sie Ihre wichtigste Tradition?

Ganz bodenständig: im Kreis der Familie, ohne großen Trubel, dafür mit viel Zeit füreinander – natürlich kleinere Streitereien inkludiert, kennt man ja in der besinnlichen Zeit. Die wichtigste Tradition ist für mich das Musizieren an Heiligabend – früher mit der Stadtkapelle in Rottenburg am Neckar, heute vor dem Rathaus mit dem Musikverein Empfingen. Dann beginnt Weihnachten.