Ist Armin Piochs zweiter Anlauf, in einer größeren Gemeinde Rathauschef zu werden, von Erfolg gekrönt? 41,8 Prozent hat Grömbachs Bürgermeister bei der Wahl in Illingen geholt – 231 Stimmen mehr als der Amtsinhaber. Reicht das, um in drei Wochen ins Ziel zu kommen?
Grömbach/Illingen - Eines muss man Armin Pioch schon lassen: Den Internetauftritt der Gemeinde Grömbach hat der Bürgermeister, der vor fünf Jahren als selbstständiger Webdesigner ins Rennen um das Rathaus gegangen war, in einer solchen Pracht hinbekommen, dass manch Alteingesessener den eigenen Ort inzwischen kaum wiedererkennen dürfte.
Über Illingen, eine Gemeinde mit gut 7700 Einwohnern, etwa 30 Kilometer nordwestlich von Stuttgart, zwischen Vaihingen/Enz und Mühlacker im Enzkreis gelegen, lässt sich das nicht sagen. Deren Homepage erinnert in ihrer ganzen Trostlosigkeit eher an eine Bausünde aus den 1970er-Jahren. Von den "fast schon urbanen" Strukturen, von denen Pioch spricht, wenn er Illingen beschreibt – mit zwei Bundesstraßen, die dort aufeinandertreffen, und einer Schnellbahntrasse, die dort vorbeiführt – ist jedenfalls wenig zu sehen.
Sieben Prozentpunkte vor dem Amtsinhaber
An diesem Ort im Internet dauert es am Sonntagabend sage und schreibe zweieinhalb Stunden, bis das Ergebnis der Bürgermeisterwahl veröffentlicht wird. Immerhin ist das, was man nach langem Warten dort zu sehen bekommt, allerdings eine faustdicke Überraschung.
Pioch führt. 41,8 Prozent der Stimmen hat er auf sich vereinigt – ein Vorsprung von sieben Prozentpunkten auf den Zweitplatzierten: Für Amtsinhaber Harald Eiberger (parteilos) sieht es vorerst nicht nach einer dritten Amtsperiode aus, er kommt nur auf 34,7 Prozent. Michael Thomsen (CDU), ein Polizeibeamter und früherer Gemeinderat in Illingen, holt 16,4 Prozent. Violetta Rehm, bei der Gemeinderatswahl noch auf der Liste der Grünen und nun als Linke im Rennen, erreicht 6,1 Prozent. Und dann ist da noch ein alter Bekannter, der aber für den Wahlausgang einmal mehr keine Rolle spielt: Dauerkandidat Samuel Speitelsbach, einst schon in Baiersbronn und in vielen anderen Orten angetreten und an diesem Abend gleich in zwei Gemeinden im Enzkreis im Bewerberfeld, landet bei 0,6 Prozent.
"Parteipolitik hat in der Kommunalpolitik nichts verloren"
Pioch selbst, und das ist bemerkenswert, tritt in Illingen für die Grünen an. Kein leichter Gang in einer nach wie vor von CDU und freien Wählergemeinschaften dominierten kommunalpolitischen Landschaft. Und von Rückenwind durch die gewonnene Landtagswahl ist vor Ort weniger zu spüren als von den Problemen der Partei im Bundestagswahlkampf mit einer derzeit schwächelnden Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock. Da bekomme man am Infostand vor Ort schon mal entgegengeschleudert, dass die Grünen nicht wählbar seien, berichtet Pioch. Was ihn aber nicht anficht: "Parteipolitik hat in der Kommunalpolitik nichts verloren", meint er, und: "Eine Bürgermeisterwahl ist eine Persönlichkeitswahl."
Womit wir beim Kern der Gemengelage in Illingen wären. Noch-Bürgermeister Eiberger liegt nicht nur im Clinch mit dem örtlichen Bürgerverein, auch sonst gibt es Medienberichten zufolge kommunikative Störungen. Pioch ist dennoch überrascht über den Abstand, den er am Sonntag zwischen sich und Eiberger gebracht hat. Nun, da es ein klares Stimmungsbild gebe, gelte es, nicht nachzulassen, noch mal Gas zu geben, alles in die Waagschale zu werfen. "Und dann gehe ich schwer davon aus, dass es reicht."
Dass die Karten, wie Pioch sagt, jetzt noch mal neu gemischt würden, lässt sich – jedenfalls mit Blick auf das Bewerberfeld – vorerst nicht erkennen. Noch keiner seiner vier Gegenkandidaten hat für den zweiten Wahlgang am 25. Juli zurückgezogen. Dann reicht dem Sieger die absolute Mehrheit der Stimmen, über 50 Prozent müssen es nicht mehr sein.
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Wechselstimmung gibt’s durchaus auch daheim
Um den Vorsprung bis dahin abzusichern, will Pioch wenig unversucht lassen. Den Infostand an den Samstagen behält er bei, mit "Frau und Hund" steigt er zusätzlich in den Haustürwahlkampf ein.
Und Grömbach? Da gehe alles seinen gewohnten Gang – "alles, was gehen kann und was machbar ist", sagt Pioch. Und versichert: "Stillstand gibt es hier keinen." Wenn man einmal davon absieht, dass der Gemeinderat sich bei fast jeder sich bietenden Gelegenheit querlegt und die Gemeinde zur Jahresmitte immer noch keinen Haushaltsplan für das laufende Jahr hat. Pioch will spätestens in der eigentlichen Sommerpause aber noch mal einen Etat-Versuch starten.
Wechselstimmung gibt es also nicht nur in Illingen, sondern ganz bestimmt auch daheim in der Ratsrunde im Lindenforum. Dort wäre allem Anschein nach der eine oder andere gar nicht traurig, wenn der eigene Bürgermeister beim zweiten Anlauf nach 2020, als Pioch bei der Wahl in Grosselfingen noch den Kürzeren zog, Mitte September in ein anderes Rathaus einziehen würde.