Beim Bürgerempfang der Stadt wurde Bernd Franz für seine langjährige ehrenamtliche Tätigkeit im Bereich Natur- und Artenschutz mit der Bürgermedaille ausgezeichnet.
Wenn es um Natur- und Artenschutz geht, dann macht ihm so schnell keiner was vor. Denn Bernd Franz kennt sich nicht nur in der Theorie bestens aus, sondern weiß ganz genau, wo rings um Rottweil welcher Frosch, welche Kröte und welcher Schmetterling lebt. Tiere und Pflanzen haben ihn bereits in Kindertagen interessiert und fasziniert. Und diese Faszination ist geblieben. Seit mehr als 40 Jahren ist er Mitglied im Naturschutzbund (Nabu) Deutschland, seit mehr als 20 Jahren Vorsitzender der Nabu- Gruppe Rottweil und Umgebung.
Seit 1992 ist er zudem ehrenamtlicher Fachberater für Hornissen und Wespen beim Landratsamt Rottweil, für die Landkreise Rottweil und Tuttlingen – mit weit über 1000 Beratungen und Vorträgen in mehr als 30 Jahren, wie er sagt. Hinzu kommt so manches Ehrenamt mehr.
Mit der Natur aufgewachsen
Aber wie kommt man dazu? „Ich bin am Krummen Weg aufgewachsen und nach der Schule waren meine Freunde und ich immer am Klosterbach oder am Holdersbach unterwegs und haben die Natur erkundet. Das war unser Spielplatz und unser Sehnsuchtsort“, erinnert sich Bernd Franz. Dort habe es tausende Gelbbauchunken und allerlei anderes Getier gegeben – Naturerlebnis pur könnte man sagen. Die Jungs hätten auch Schmetterlingsraupen gesammelt, mit nach Hause genommen und geschaut, welcher Schmetterling oder Falter zum Vorschein kommt.
Sonderpreis bei Jugend forscht
Dieses Naturinteresse wurde mit einem Sonderpreis bei „Jugend forscht“, gemeinsam mit Michael Scherer für die Entwicklung eines „Bestimmungsschlüssels für soziale Faltenwespen“ belohnt. Das war 1984. Im Jahr 1998 belegte Bernd Franz dann den ersten Platz beim Aesculap-Umweltpreis für Schutzmaßnahmen an Hornissen im Landkreis Rottweil.
Dass die Sehnsuchtsorte seiner Kindheit und Artenparadiese schließlich durch Baumaßnahmen und Flurbereinigung zerstört wurden, das dürfte für Bernd Franz die Initialzündung gewesen sein, sich im Natur- und Artenschutz zu engagieren.
Blick auf Wespen und Hornissen
Die Umsiedlung von Wespen und Hornissen ist bis heute ein großes Aufgabenfeld von Bernd Franz. „Man muss immer genau abwägen, was nötig ist und was nicht, vor allem, was die Betroffenen sich vorstellen können und was nicht“, sagt er aus Erfahrung. „Man probiert immer die bestmögliche Lösung zu finden“, sagt er weiter, denn es bringe nichts, den Betroffenen etwas aufzureden, was sie nicht wollen.
Ganz nebenbei kümmert sich Bernd Franz, der hauptberuflich in der allgemeinen Verwaltung des Vinzenz von Paul Hospitals arbeitet, auch um die Amphibien- und Reptilienkartierung für den Biotopschutz Baden-Württemberg. Auf einer Fläche von 200 Quadratkilometern hält er alle fünf Jahre Ausschau nach Frosch, Kröte, Schlange und Co.
Viel Wissen geht verloren
„Und es gibt hier tolle Sachen“, schwärmt er von Mauereidechse, seltenen Heuschreckenarten, Zwergtauchern und mehr. Das werde im Zusammenhang mit der Landesgartenschau noch spannend, freut er sich bereits jetzt, hofft aber zugleich auch auf eine Renaissance und ein Zurück zur Natur. „Es ist so schade, dass so viel Wissen über Flora und Fauna verloren geht“, bedauert er. Die Bürgermedaille sieht Bernd Franz als schöne Anerkennung seines Ehrenamts. „Und es ist sehr schön, dass sich so viele Leute mit mir freuen“, sagt er abschließend.