Auch die Kliniken in Böblingen und Sindelfingen gehören zum Klinikverbund Südwest. Foto: Archiv/Stefanie Schlecht

Martin Loydl hat eine Klage wegen Verleumdung und übler Nachrede gegen Bernd Neufang von der Bürgerinitiative Gesundheitsversorgung Kreis Calw eingereicht.

Vor zweieinhalb Jahren ist Martin Loydl als Geschäftsführer des Klinikverbunds Südwest ausgeschieden. Sein Abgang war freiwillig, sein Vertrag war kurz zuvor von den Gesellschaftern um fünf Jahre verlängert worden. Doch Loydl hatte nach eigener Aussage genug von all den Querelen in diesem komplizierten Konstrukt des Verbunds, dessen Gesellschafter die beiden Landkreise Böblingen und Calw sind.

 

Zur Ruhe kommt der Krankenhausfachmann jedoch nicht. Ein Jahr nach seinem Ausscheiden wurde er angezeigt: von Bernd Neufang, dem Sprecher der Bürgerinitiative Gesundheitsversorgung Kreis Calw. Diese kämpft seit vielen Jahren für den Erhalt des Calwer Krankenhauses. Neufang, ein Steuerfachmann, warf Loydl Bankrott, Untreue, Verletzung der Buchführungspflicht sowie Kreditbetrug vor. Die Anzeige wurde von der Staatsanwaltschaft Stuttgart geprüft und im Juni 2024 abschlägig beschieden. In der siebenseitigen Begründung der Staatsanwaltschaft heißt es, dass es „keine tatsächlichen Anhaltspunkte für eine Straftat“ gebe. „Bloße Vermutungen begründen keinen Anfangsverdacht.“ Beweise für die Anschuldigungen seien nicht vorgelegt worden.

Defizite des Klinikverbunds steigen

Juristisch war Loydl nun reingewaschen. Sein Ruf aber hatte Schaden genommen, zumal es mehrere Presseberichte über die Anzeige gegeben hatte, in denen sowohl Bernd Neufang als auch der Calwer Landrat Helmut Riegger zitiert wurden. Unter anderem hatten sie Loydl „krasses Missmanagement“ vorgeworfen und ihn für die Verluste des Klinikverbunds im Jahr 2022 Euro verantwortlich gemacht. Auf 52 Millionen Euro belief sich das Delta, davon etwa 14,5 Millionen Euro für die Kliniken im Kreis Calw.

Fakt ist jedoch, dass die Defizite nach dem Ausscheiden Loydls weiter gestiegen sind. Für dieses Jahr wird mit einem verbundweiten Defizit von 63 Millionen Euro gerechnet.

Loydl verweist auf berufliche Nachteile durch die Klage

Die Anzeige und die negativen Presseberichte bescherten Martin Loydl laut eigener Aussage erhebliche berufliche Nachteile. So habe sich ein bereits vereinbarter Eintritt als Gesellschafter in eine Eigentümergesellschaft durch die Anzeige verzögert. Dies habe auch finanzielle Verluste zur Folge gehabt, sagt Loydl.

Noch schlimmer aber sei, dass man Lügen über ihn verbreite, sagt der Klinikexperte, der aktuell in der Krankenhausplanung tätig ist. „Im Internet kursieren noch immer die Artikel über die damalige Anzeige gegen mich.“ Deshalb reichte Martin Loydl nun seinerseits eine Klage gegen Bernd Neufang wegen übler Nachrede und Verleumdung ein.

Martin Loydl beim Spatenstich des Hochpunkts des Flugfeldklinikums in 2021. Foto: Archiv/Stefanie Schlecht

Das Amtsgericht Calw, wo die Klage einging, hat nun reagiert. „Aus Sicht des Gerichts liegt die Klärung der Tatvorwürfe im öffentlichen Interesse“, heißt es im Schreiben des Gerichts an den Anwalt von Martin Loydl. Zudem sei der „Rechtsfrieden über den Lebenskreis des Verletzten (Anmerkung der Redaktion: Martin Loydl) hinaus gestört worden, nicht zuletzt wegen der Stellung des Verletzten im öffentlichen Leben.“

Landrat Riegger will sich nicht äußern

Bernd Neufang und sein Anwalt wurden nun aufgefordert, eine Stellungnahme abzugeben. Neufang hofft, „dass das Verfahren eröffnet wird“, sagte er auf Anfrage unserer Zeitung. Er ist nach wie vor davon überzeugt, dass seine Vorwürfe gegen Loydl stimmen und diese dann während eines Verfahrens aufgeklärt werden. „Dann will ich, dass der Landrat Helmut Riegger vor Gericht aussagt.“ Riegger selbst will sich dazu nicht äußern. „Bis jetzt habe ich keine Kenntnis von diesem Vorgang und kann deshalb nichts dazu sagen“, ließ er auf die Anfrage unserer Zeitung durch einen Sprecher ausrichten.

Neufangs Anwalt Markus Füllsack bittet um Verständnis, „dass wir uns wegen des laufenden Verfahrens nicht näher äußern können“. Nur soviel: Er glaube nicht, dass die Klage wegen Verleumdung Erfolg haben wird. „Wir haben das hohe Rechtsgut der Meinungsfreiheit.“

„Die Rufmordkampagne des Herrn Neufang hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun“, hält Martin Loydl dagegen. „Offensichtlich diente sie nur dem Zweck, mir ohne Grundlagen zu schaden. Vielleicht wollte sich Herr Neufang damit auch einfach nur profilieren.“

Zahlen, Daten, Fakten

Klinikverbund Südwest
Zum Klinikverbund Südwest gehören die Kliniken in Böblingen, Sindelfingen, Leonberg, Herrenberg, Calw und Nagold. Gesellschafter sind die Kreise Böblingen und Calw. Im Aufsichtsrat der Klinik-Holding wechseln sich die Landräte Roland Bernhard und Helmut Riegger als Vorsitzende ab. 6000 Mitarbeitende haben im vergangenen Jahr 68 000 Patienten stationär und 257000 ambulant behandelt.

Defizit
Seit Jahren wächst das Defizit des Klinikverbunds stetig weiter. 2023 betrug es 51 Millionen Euro, 2024 belief es sich auf 56,4 Millionen Euro und für das laufende Jahr wird ein Minus von 63 Millionen Euro erwartet.

Martin Loydl
Der 55-Jährige hat Betriebswirtschaftslehre mit Vertiefung Krankenhauswesen studiert. Nach verschiedenen Stationen in Kliniken in der Region und bei einer Planungsgesellschaft kam er Anfang 2006 zum Klinikverbund, zunächst als Leiter des Geschäftsbereichs Unternehmenssteuerung und Organisationsentwicklung. Nach mehreren anderen Stationen im Klinikverbund wurde er 2011 stellvertretender Geschäftsführer, 2016 kommissarischer Alleingeschäftsführer, dann in einer Doppelspitze der kaufmännische Chef. Von 2020 bis 2022 war er Alleingeschäftsführer. Seit Mitte 2023 ist er als Krankenhausplaner tätig.