In der Kurstadt hängen Plakate der Bürgerinitiative 5G-freies Bad Liebenzell. Foto: Buck

Die Mobilfunkbetreiber führen Schritt für Schritt den neuen Standard 5G ein. Dagegen gibt es in Bad Liebenzell heftigen Widerstand.

Bad Liebenzell - In der Kurstadt bildete sich die Bürgerinitiative 5G-freies Bad Liebenzell. Ihre Sprecherin ist Jutta Stern. Sie hat große Angst vor einer hohen Strahlung. Zusammen mit Rüdiger Flick von der Initiative für umweltverträgliche Kommunikationstechnik Pforzheim-Nordschwarzwald besuchte sie Bürgermeister Dietmar Fischer im Rathaus. Stern und Flick übergaben eine Unterschriftenliste gegen den neuen Standard 5G, den die Mobilfunkbetreiber einführen wollen.

 

Stern teilte mit, dass 879 Bürger aus Bad Liebenzell sich mit ihrer Unterschrift gegen 5G gewandt hätten. Hinzu kämen 120 Bewohner aus dem übrigen Landkreis Calw, die sich aus dem gleichen Grund in die Liste eingetragen hätten. 301 Gäste von auswärts hätten ebenfalls unterschrieben, sodass Stern eine Liste mit insgesamt 1300 Unterschriften an den Bürgermeister überreichte.

Mit Messgerät zu Besuch im Rathaus

Bei dem Gespräch mit Fischer sagten Stern und Flick, dass die Strahlenbelastung durch 5G enorm hoch sei. Flick packte bei dieser Gelegenheit im Amtszimmer des Bürgermeisters ein Messgerät aus und sagte, dass auch in diesem Raum die Strahlenbelastung viel zu hoch sei. Im Kurpark gebe es ebenfalls eine hohe Belastung, ergänzte Stern.

Fischer entgegnete, dass die Stadt nicht informiert werde, wenn auf Privatgrundstücken Masten für 5G errichtet würden. Als primäres Ziel der Stadt bezeichnete der Rathauschef den Ausbau des Glasfasernetzes. Jeder Haushalt bekomme einen gigabitfähigen Anschluss. Die Kommune werde nicht zögern, die entsprechenden Fördertöpfe auszuschöpfen, versicherte der Schultes. Flick beglückwünschte den Bürgermeister zu dieser Politik.

In Sachen 5G gab Fischer zu bedenken, dass sich alle an die eigene Nase fassen müssten: "Jeder hat gerne ein Handy." Zudem frage er sich, ob man an jedem Ort 24 Stunden am Tag online erreichbar sein müsse. Darüber hinaus gebe es in jedem Haushalt allerlei Quellen für die Strahlenbelastung, die man minimieren müsse.

Flick sagte dazu, dass kein 5G-Standard nötig sei, um zum Beispiel an jedem Ort einen Notruf absenden zu können. Er bestritt nicht, dass der neue Standard für die Steuerung von Maschinen in Fabriken notwendig sei. Aber im privaten Bereich werde er nicht gebraucht. Dort reichten die bereits vorhandenen Möglichkeiten mit einer viel geringeren Strahlenbelastung: "Es gibt Spielraum nach unten."

Fischer entgegnete, dass man über die Auswirkungen der Strahlenbelastung noch zu wenig wisse. Der Bürgermeister sicherte aber zu, mit den Mobilfunkbetreibern zu sprechen. Nicht jeder Anbieter brauche überall ein eigenes Netz. Dadurch sollen Überlagerungen verhindert werden.

Im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten teilte Stern mit, dass es am Samstag, 19. Juni, von 13 bis 17 Uhr vor dem Bürgerzentrum in Bad Liebenzell einen Aktionstag gegen die zu hohe Strahlenbelastung gibt.