Die Kommunale Wärmeplanung zeigt auf, dass viele Gebäude in Bad Liebenzell nicht sehr energieeffizient sind. In der Kernstadt soll ein Wärmenetz aufgebaut werden.
Der Gebäudebestand in Bad Liebenzell ist – energietechnisch gesehen – nicht in bester Verfassung. Im Zuge der ersten Kommunalen Wärmeplanung (KWP) für die Kur- und Badestadt haben die an der Planung beteiligten Büros ermittelt, dass „knapp 67 Prozent des Gebäudebestands vor der ersten Wärmeschutzverordnung errichtet wurde“. Sprich: Sie sind laut Karsten Jäkel des Büros Jäkel Energiemanagement „nicht sehr energieeffizient“.
Zudem würden in Bad Liebenzell zum Heizen bislang vor allem Öl und Gas genutzt. Nachtspeicheröfen, Wärmepumpen oder Pelletheizungen spielten ein untergeordnete Rolle. 2024 lag der Gesamtenergieverbrauch zur Wärmegewinnung bei rund 1 045 000 Megawattstunden.
Fossile Energieträger 3560 Heizungsanlagen sind laut Jäkel im Zuge der KWP betrachtet und analysiert worden. Ergebnis: mehr als 34 Prozent der Anlagen ist 30 Jahre und älter. 95 Prozent der CO2-Emissionen würden durch das Verbrennen von Öl und Gas verursacht, die fossilen Energieträger machten in Bad Liebenzell zuletzt mehr als 75 Prozent aus.
Die Kommunale Wärmeplanung, so erläuterten es der stellvertretende Bürgermeister Sebastian Kopp und Rainer Becht als Bauamtsleiter Stadtplanung und Bauverwaltung zu Beginn der jüngsten Bürgerinformation im Parksaal des Rathauses, habe man als Stadt frühzeitig angegangen. Bis 2040 solle die Nutzung fossiler Brennstoffe heruntergefahren werden. Bei der KWP gehe es vor allem darum, den Energieverbrauch zur Erzeugung von Wärme deutlich zu reduzieren beziehungsweise regenerative Energie zu nutzen.
Vorbildwirkung Die Stadt Bad Liebenzell will bei ihren Gebäuden mit gutem Beispiel voran gehen. Da sie aber nur 1,9 Prozent der Gebäude besitze, sei „die Vorbildwirkung gering“, urteilte Jäkel. Auch hält er es für unerlässlich, dass alle Kräfte in der Kommune an einem Strang ziehen, um die für 2040 gesteckten Klimaschutzziele zu erreichen.
Erhebliche Potenziale
Die KWP zeigt laut Jäkel auf, dass es in Bad Liebenzell große Potenziale gibt. Um alle Gebäude bis 2040 energietechnisch zu ertüchtigen, müssten aber jährlich 8,4 Prozent der betroffenen Gebäude saniert werden. Dies sei nicht zu schaffen. Eine Quote von bis zu zwei Prozent hält Jäkel aber für möglich – und für die Betroffenen auch finanzierbar. Insbesondere im Bereich der Nutzung von Sonnenenergie gebe es erhebliche Potenziale. Bislang würden hier nur rund elf Prozent der Dachflächen in der Kur- und Badestadt genutzt. Bis 2040 sollen es 50 Prozent sein. In der Kernstadt wird zudem ein großes Potenzial durch den Bau eines Nahwärmenetzes gesehen. Dieses solle die Kernstadt vom Freibad über die Klinik am Schlossberg und den Missionsberg bis zur Paracelsustherme umfassen. Ansonsten sei auch der Einsatz von Wärmepumpen sinnvoll.
Insgesamt sollen in den nächsten Jahren fünf Maßnahmen in der Kur- und Badestadt konsequent angegangen werden. So soll die mögliche Nutzung von Wasser und Schlämmen aus der Kläranlage zur Wärmegewinnung untersucht werden.
Eigene Ideen Erfreulich für Bad Liebenzell: Die Konzeption kostet die Stadt keinen Euro. „Wir sind zu 100 Prozent gefördert“, so Sebastian Kopp. Bis 31. März müsse die Maßnahme nun aber abgeschlossen werden. Nach der öffentlichen Vorstellung des KWP haben Bürger bis zum 23. Februar die Möglichkeit, eigene Ideen und Anregungen zur KWP einzubringen. Positiv zudem: Die Kommunale Wärmeplanung hat für die Bürger keine negativen Auswirkungen.
Alle fünf Jahre überarbeiten
„Es ist eine Konzeption ohne verpflichtenden Charakter“, wie es Timo Schaal vom Büro Christophers für Projekt- und Stadtentwicklung formulierte. Sie zeige aber auf, „wo stehen wir, wo wollen und wo können wir hin“. Dafür habe es eben einer umfassenden Bestandsaufnahme und Analyse bedurft. Künftig, so Schaal, müsse die Kommunale Wärmeplanung alle fünf Jahre überarbeitet werden.
Bei der Bürgerinformation wurden die Teilnehmer auch über mögliche Förderungen für Sanierungsmaßnahmen informiert, mit denen die eigenen Investitionen teils massiv gesenkt werden können. Zudem wurden Beratungsmöglichkeiten durch die Energieagentur des Landkreises aufgezeigt. Berater der Energieagentur wollen künftig auch zwei Mal im Monat im Bad Liebenzeller Rathaus für kostenlose Erstberatungen vor Ort sein.