Anne Trost legt Wert auf sorgfältig ausgewählte Kinderliteratur. Foto: Marzell Steinmetz

Anne Trost leitet seit 25 Jahren die Einrichtung im Bierlinger Bürgerhaus. Rund 100 Familien aus Starzach nutzen das Angebot, Bücher und andere Medien auszuleihen.

Lesen ist „in“, zumindest bei Kindern. Kaum hat Anne Trost die Gemeindebücherei im Bürgerhaus geöffnet, da füllt sie sich zusehends umlagert.

 

„Heute ist `was los“, stellt eine Mutter fest. Kindergartenkinder mit ihren Erzieherinnen sind auch gekommen, deshalb geht es etwas eng zu. In einer Ecke liest die Oma ihrer vierjährigen Enkelin aus einem Buch vor. „Das ABC kann Noemi schon“, sagt sie stolz. „Bobo, der Siebenschläfer“ gehört zu den Lieblingsbüchern der Vierjährigen.

Andere Kinder, die jüngsten sind erst zwei Jahre alt, blättern in Bilderbüchern. Der Renner sind jedoch die Tonies. Die magnetischen Spielfiguren mit einem integrierten Chip lassen sich ganz einfach bedienen. Eines der Kinder demonstriert, wie’s geht. Einfach an den „Ohren“ drücken“, die Figur auf die Box stellen, schon fängt sie an, eine Geschichte zu erzählen. Besonders beliebt ist das „Neinhorn“: „Das steht selten im Regal“, hat Anne Trost festgestellt.

Bücher rund um den Nikolaus und Weihnachten

Im Ausstellungsregal hat sie momentan Bücher rund um den Nikolaus und Weihnachten platziert. Bei den Weihnachtsbüchern haben die Besucher bereits kräftig zugegriffen. Die Themen wechseln hier je nach Jahreszeit - oder nach anderen Kriterien. Das können Tiere sein oder Farben, beispielsweise alle Bücher mit blauem Cover. Anne Trost legt dabei Wert auf sorgfältig ausgewählte Medien. So gibt es neben Bilderbüchern „Erstlesebücher“, die in Silben-Methode geschrieben sind, Geschichten zum Selberlesen, Vorlesebücher und Kindersachbücher. Diese hat sie mit verschiedenen farbigen Punkten gekennzeichnet. Auch einige Bücher für Jugendliche und Erwachsene entdeckt man, die Harry-Potter-Bände etwa, „Herr der Ringe“, Romane von Ken Follett oder die Weihnachtserzählung von Charles Dickens. Das sind eher Ladenhüter und werden bald ausgemustert.

Neue Schmöker für Erwachsene schafft Anne Trost nicht mehr an: .„Wir sind eine Kinderbücherei“, betont sie. Die Umstellung auf Kinderliteratur im Jahr 2016 sei eine gute Entscheidung gewesen. So kann sie ihr komplettes Budget nutzen, um Bücher und Medien für ihre junge Kundschaft zu kaufen und immer aktuell zu sein. Im Bestand sind es knapp 3000 Medien.

Anne Trost zeigt auf eines der Bücherborde: „Das sind Wimmel-Bücher ohne Text, da können Kinder viel entdecken.“ Für die etwas Größeren sind der „Grüffelo“, die Kuh Lieselotte, der kleine Drache Kokosnuss oder der Rabe Socke die Favoriten. Kinderbücher von früher wie Max und Moritz, der Suppenkasper oder der Struwwelpeter, die die Oma noch gelesen hat, sind heute „out“. Klassiker wie Pippi Langstrumpf, Pumuckl oder der Räuber Hotzenplotz blieben Dauerbrenner.

Schon immer hat sie gern gelesen

Der Räuber Hotzenplotz ist der Star in der Bücherei. Foto: Marzell Steinmetz

Der Star der Bücherei ist übrigens der Räuber Hotzenplotz „Marke Eigenbau“, der auf einem der Regale sitzt. Die Büchereileiterin legt Wert auf eine einladende Atmosphäre. Dazu tragen die gemütlichen Sitzecken und der Ausstellungstisch zum Stöbern bei. „Mir ist es wichtig, dass die Kinder einen positiven Zugang zum Lesen bekommen“, erklärt die gelernte Erzieherin. Wenn die Kleinen schon früh mit Büchern in Kontakt kämen, erweitere dies ihren geistigen Horizont, stärke Konzentration und Sprachgefühl.

Vor 25 Jahren hat Anne Trost die Gemeindebücherei übernommen – sie kann somit ein echtes Jubiläum feiern. „Ich habe schon immer gern gelesen“, verrät sie. Das war mit ein Grund, warum sie sich für die damals ausgeschriebene Stelle beworben hat.

So manches hat sich verändert

Seit ihrer Anfangszeit
hat sich manches verändert. Die Besucher sind inzwischen jünger geworden: Statt im Alter von vier Jahren kommen schon Zweijährige in die Bücherei.

Der Lesestoff
hat sich gewandelt. Heute gebe es eine große Nachfrage bei Büchern, die Gefühle wie Angst, Wut oder Mut, aber auch Werte thematisieren.

Was die Leiterin noch beobachten konnte:
Viele Väter begleiten ihre Kinder in die Bücherei. Die Einrichtung ist jedenfalls gut frequentiert. Mehr als 100 Familien aus ganz Starzach mit, schätzt Anne Trost, 200 bis 300 Kindern nutzen das Angebot, Bücher und Medien auszuleihen. Für manche ist die Bücherei auch ein willkommener Treffpunkt.

Doch wie sieht es mit dem Fortbestand aus?
Die Gemeinde Starzach steht unter Sparzwängen. „Die Gemeindebücherei ist nicht auf der Streichliste“, weiß Anne Trost. Das wäre, fügt sie hinzu, ein „echter Verlust an Lebensqualität für die jungen Familien.“

Sie hat bei dem großen Andrang
an diesem Öffnungstag viel zu tun. Die Mütter und Omas geben laufend Bücher ab und nehmen neue wieder mit. Das muss alles abgestempelt werden. Einen Extra-Stempel drückt sie als Andenken an den Büchereibesuch noch auf den Handrücken der Kinder.

Eine kleine Motivation
zum Wiederkommen: Die Bücherei ist dienstags von 15 bis 19 Uhr geöffnet.